1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Neukirchen-Vluyn: Kriminalität weiter zurückgegangen

Neukirchen-Vluyn : Kriminalität geht weiter zurück

Der Wachleiter über einen erfreulichen Trend für Neukirchen-Vluyn – und ein  diffuses Angstgefühl der Bürger.

Die Statistik für 2017 beziffert den Rückgang der polizeibekannten Straftaten mit 25 Prozent. Ob Gewalt, Körperverletzung, Sexualstraftaten, Einbrüche oder Diebstähle – in all diesen Kategorien gab es zum Teil deutlich weniger Delikte als im Vorjahr. Für Polizeihauptkommissar Reinhold Henning (60), Leiter der Wache in Neukirchen-Vluyn, ist dies das Ergebnis konsequenter Polizeiarbeit.

Herr Henning, wie hat sich die Kriminalität in Neukirchen-Vluyn im ersten Halbjahr 2018 entwickelt?

Henning Die Fallzahlen insgesamt sind in der ersten Hälfte von 2018 im Vergleich zu 2017 nahezu konstant. Es gibt bislang keinen Ausreißer nach oben. In einigen Bereich registrieren wir sogar weitere Rückgänge. Bei Fahrraddiebstählen etwa verzeichnen wir in diesem Jahr erneut ein sehr erfreuliches Minus. Das mag daran liegen, dass wir in Neukirchen-Vluyn sehr intensiv Fahrräder codieren; also gut sind in der Vorbeugung. Manchmal ergibt sich ein solches Bild aber auch dadurch, dass sich Diebesbanden anderen Orten zuwenden. Das muss man ehrlicherweise auch sagen.

  • Fotos : Rosenmontag in Neukirchen-Vluyn 2018
  • Neukirchen-Vluyn : Kriminalität und Unfälle sind auch 2018 rückläufig
  • Moers : Neukirchen-Vluyn

Woran arbeiten sie momentan – schwerpunktmäßig?

Henning Jetzt in der Urlaubszeit steht bei uns die Vorbeugung gegen Haus- und Wohnungseinbrüche an erster Stelle. Wir versuchen, die Bürger zu sensibilisieren, ihr eigenes Heim zu schützen. Da geht es manchmal nicht zu allererst um teure Alarmanlagen, sondern um eine stabile Fensterverriegelung, um Gitter vor den Kellerfenstern und darum, dass Fenster nicht auf Kipp stehen, wenn man das Haus verlässt. Auch sollten Bürger überlegter in den sozialen Medien vorgehen, also nicht über eine öffentlich einsehbare Plattform verkünden, dass es jetzt, Hurra!, in den Urlaub geht; möglichst noch mit einem Foto, wie gerade das Haus abgeschlossen wird. Zudem sollten alle Bürger die Augen offen halten. Rufen Sie uns bitte sofort an, wenn in der Nachbarschaft unbekannte Personen unterwegs sind. Gerade in Neukirchen-Vluyn, wo jeder jeden kennt, sollten Unbekannte auffallen.

Wer einen Fehlalarm über den Notruf „110“ auslöst, zieht doch aber den Zorn der Beamten auf sich. Muss ich diesen Einsatz womöglich bezahlen?

Henning Natürlich nicht. Unsere Polizeibeamtinnen und -beamten kommen dann und stellen fest, ob sich die verdächtigen Personen dort aus nachvollziehbaren Gründen aufhalten oder nicht. Lieber werden wir vergebens alarmiert, als gar nicht. Wir sind auf die Aufmerksamkeit und Mithilfe der Bürger angewiesen.

Die laufen aber oftmals mit einem Gefühl der Unsicherheit durch Neukirchen-Vluyn. Da wird auf Jugendgruppen hingewiesen, die zusammenstehen und Vorübergehende anpöbeln. Da ist von einer zunehmenden Zahl von Sachbeschädigungen die Rede. Diesen Menschen hilft ein Hinweis auf die Kriminalstatistik nicht weiter...

Henning Da gebe ich ihnen Recht. Es gibt einen Unterschied zwischen der objektiven Sicherheitslage, den Zahlen, und dem persönlichen Sicherheitsgefühl. Aber auch letzteres bekommen wir mit, zum Beispiel über unsere drei Bezirksbeamten Norbert Möller, Rainer Margraf und Fritz Marx. Die sind in ihren Vierteln von Neukirchen-Vluyn ständig ansprechbar und gehen allen Hinweisen nach. Wir nehmen jeden ernst, der sich bei uns meldet – mit einer Beobachtung, einem Hilferuf, einem Angstgefühl. In akuten Fällen sollte man die 110 anrufen, wenn es um allgemeine Dinge in der Nachbarschaft geht, erreichen sie die Wache hier an der Niederrheinallee über die Telefonnummer 02845/3092-1322. Dann kommen wir und ermitteln. Lassen Sie mich noch eins zu den jungen Leuten sagen: Es zeichnet Neukirchen-Vluyn aus, dass hier mehr junge Leute unterwegs sind als in anderen Städten. Wir haben hier eine Reihe von wichtigen Einrichtungen, die mit Jugendlichen arbeiten. Manchmal werde ich ganz direkt gefragt, ob diese Jugendlichen für den Hauptteil der Straftaten verantwortlich sind. Wir haben dazu keine Statistik, aber ein klares Erfahrungsbild: Nein. Wenn wir mal auffällige Jugendliche haben, dann sind das meistens Neukirchen-Vluyner Jugendliche, bis auf wenige Ausnahmen.

Was ist dran an dem Gerücht, des Nachts sei in ganz Neukirchen-Vluyn nur ein Streifenwagen im Einsatz?

Henning Wer so etwas erzählt, hat noch nicht verstanden, wie wir arbeiten. Ich kann ja diese Wache nicht führen wie ein kleines, für sich abgeschlossenes Fürstentum. Falls erforderlich, haben wir innerhalb kürzester Zeit die Zahl an Streifenwagen und Beamtinnen und Beamten an einem Einsatzort, die dort gebraucht werden. Diese Einsatzreaktionszeitwird übrigens landesweit erhoben; wie lange dauert es zwischen einem Notruf und dem Eintreffen am Einsatzort. Da waren wir im Kreis Wesel mal Spitze in Nordrhein-Westfalen und sind immer noch unter den besten Zehn, trotz der geographischen Ausdehnung des Kreises. Unsere Wache hier in Neukirchen-Vluyn ist ein Teil davon.

Wie beeinflusst die Anwesenheit von geflüchteten Menschen ihre Polizeiarbeit?

Henning Wir fahren oft zu den Unterbringungsstellen für Flüchtlinge. Denn wir in Neukirchen-Vluyn passen auf Flüchtlinge auf. Zum einen wollen wir nicht, dass ihnen Gewalt angetan wird. Zum anderen wollen wir deutlich machen, wie Polizei in Deutschland arbeitet. Wir haben zur Flüchtlingshilfe einen guten Draht. So war neulich mal eine Kollegin von mir in einer Gruppe von geflüchteten Frauen, für die es absolut neu war, dass eine Frau Polizistin ist und wenn es sein muss Männer festnimmt oder ihnen einen Platzverweis erteilt. Ich sehe – und da sind wir wieder beim Anfang unseres Gespräches, keine Kriminalität in Neukirchen-Vluyn, an der geflüchtete Menschen überproportional häufig beteiligt wären.