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Neukirchen-Vluyn: Florian Neuhaus siegt mit seiner zylindrischen Stele beim Wettbewerb „Die Gute Form

Wirtschaft am Niederrhein : Scheibchenweise auf Platz Eins

Florian Neuhaus aus Duisburg siegt mit seiner zylindrischen Stele beim Wettbewerb „Die Gute Form – Tischler gestalten ihr Gesellenstück“ in NRW. Seine Ausbildung machte er bei der Tischlerei Reichenberg-Weiss in Neukirchen-Vluyn.

Auf Platz eins geht es rund: Mit seinem Gesellenstück zeigt Florian Neuhaus, dass ein Möbel auch ohne Korpus auskommen kann. Mit seiner zylindrischen Stele „Round about“ aus HPL (Laminat) und geschwärzter Eiche überzeugte der junge Tischler aus Duisburg die Jury und darf sich über den Sieg beim Landeswettbewerb „Die Gute Form 2018“ freuen. Das Möbel von Florian Neuhaus ist eines von 43 Gesellenstücken aus ganz Nordrhein-Westfalen, die auf dem rund 630 Quadratmeter großen Messestand des Fachverbandes Tischler NRW noch bis zum 18. November in der Messe Essen zu sehen sind.

Bei dem Siegerstück verschwimmen die Grenzen zwischen Möbel und Objekt. Florian Neuhaus, der seine Ausbildung bei der Tischlerei Reichenberg-Weiss in Neukirchen-Vluyn absolviert hat, hat seine Stele aus lauter dünnen Scheiben konstruiert. Diese sind mit deutlichem Abstand auf vertikale Stäbe geschichtet, lassen sich zusammenschieben und werden von Magnetkraft gehalten, so dass sich ein Fach öffnet. Rundherum sind die Scheiben mit Kreide beschriftet und werden so zum Träger von Lyrik – in diesem Fall von einem Gedicht aus der Feder des deutschen Schriftstellers Rolf Dieter Brinkmann. „Der Text handelt vom Weitermachen“, sagt der 22-Jährige. „Das fand ich in Bezug auf die Zukunft nach dem Gesellenstück sehr passend.“

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Für Florian Neuhaus geht es jetzt erst einmal als Geselle weiter, nachdem er seine Ausbildung in Neukirchen-Vluyn beenden konnte. Er kann sich ein Architekturstudium gut vorstellen. Ebenso würde er aber auch gerne seinen Meister machen, um vielleicht irgendwann einen eigenen Betrieb aufzubauen.

Die Jury lobt vor allem die kleinen Details des Gesellenstücks: „Auf den ersten Blick entsteht der Eindruck von entschiedener Klarheit, deren Härte durch die umlaufende Handschrift aber freundlich gemildert wird. Beim Schließen des Fachs lose herabfallend, werden die Scheiben mit einer gewissen Ungenauigkeit gehalten. Dadurch entsteht eine Zufälligkeit, eine gezielte Unschärfe, die sich auch in der leicht unregelmäßig und mit Sägespuren geschnittenen Außenkontur der Scheiben zeigt.“

Experimentieren, kreatives Potenzial fördern und fordern: Das ist das Ziel des Gestaltungswettbewerbes „Die Gute Form“. Seit mehr als 30 Jahren zeigt das Tischlerhandwerk in Nordrhein-Westfalen mit dem Wettbewerb und einer Ausstellung der prämierten Gesellenstücke, wie gestalterisch begabt die Nachwuchskräfte sind.

Die drei Sieger des Wettbewerbs dürfen sich über Geldpreise in Höhe von 750, 600 und 500 Euro freuen. Die Siegerstücke auf Platz eins und zwei werden zudem im Mai nächsten Jahres beim Bundeswettbewerb im Rahmen der Messe Ligna in Hannover an den Start gehen. Da hofft Florian Neuhaus auch auf einen Erfolg.

Bei den Berufswettbewerben im Tischlerhandwerk können erfolgreiche Teilnehmer neben der Siegerehre in der Regel auch Sach- oder Geldpreise erringen. Ganz entscheidend ist aber auch die Möglichkeit, in ein Förderprogramm für besonders begabte Jugendliche aufgenommen zu werden. Dieses Förderprogramm hilft zum Beispiel bei der Finanzierung von Weiterbildungen.

Zwei nationale Wettbewerbe werden unterschieden: Zum einen der Leistungswettbewerb (PLW), bei dem es ganz besonders auf handwerkliches Können ankommt und zum anderen der Wettbewerb „Die Gute Form“. Hier haben Formgebung und Gestaltung höchste Priorität. Die Wettbewerbe finden auf unterschiedlichen Ebenen statt:

auf Innungs- und Kammerebene, auf Landesebene sowie auf Bundesebene.

Die Sieger des PLWs auf Bundesebene qualifizieren sich zudem für die deutsche Delegation bei den Internationalen Berufsweltmeisterschaften, den „World-Skills-Berufsweltmeisterschaften“.

(RP)