Moers: Neues Angebot: Ärzte sichern Spuren nach Sexualstraftaten

Moers : Neues Angebot: Ärzte sichern Spuren nach Sexualstraftaten

Die Justiz hätte es leichter, Sexualstraftäter zu verurteilen, würde jede missbrauchte Frau sofort Anzeige erstatten. Doch leider - und verständlicherweise - geschieht dies häufig nicht. Die Frauen stehen unter Schock, wollen oder können über das Erlebte nicht reden. Dass die Täter vielfach aus dem engeren Kreis kommen - oft handelt es sich um den Ehemann - macht es für die Opfer umso schwieriger.

Entscheiden sich Frauen später, vielleicht erst nach Jahren, Anzeige zu erstatten, ist der Nachweis einer Straftat mitunter schwer. Leichter werden soll er durch die "Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten" (ASS). Die im Rhein-Sieg-Kreis entwickelte standardisierte Methode der Spurensicherung hält jetzt im Kreis Wesel Einzug. Sie erlaubt es Ärzten, Spuren (wie Blut-, Urin-, Haarproben, Abstriche oder auch Fotos von Verletzungen) auch ohne Einschalten der Polizei so zu sichern, dass sie noch Jahre später als Beweise vor Gericht verwendet werden können.

Die ASS war gestern Thema einer Fortbildung am Bethanien-Krankenhaus. Alle Krankenhäuser mit gynäkologischen Abteilungen sowie niedergelassene Frauenärzte nehmen an dem Projekt teil. "Bisher mussten sich die Opfer aus der Situation entscheiden, ob sie zur Polizei gehen, um vielleicht ihren Mann anzuzeigen", sagte Peter Tönnies, Chefarzt der Frauenklinik Bethanien, vor der Presse. "Jetzt bekommen sie Zeit, darüber nachzudenken." Jede siebte Frau werde Opfer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt, sagte Petra Hemmers, Gleichstellungsbeauftragte im Kreis. "Die Frauen haben oft Todesangst, es fällt ihnen schwer, sich später vor Gericht an jede Einzelheit zu erinnern." Die sichergestellten Spuren seien eine große Hilfe. "Oft werden Angeklagte freigesprochen, weil die Opfer sich in kleine Widersprüche verwickeln und keine Spuren gesichert wurden", ergänzte der Rechtsanwalt Tim Rathner.

Mithilfe von Fördergeldern des Gesundheitsministeriums wurden die Krankenhäuser mit Untersuchungssets und Infomaterial zur ASS ausgestattet. Stimmt eine Frau der ASS zu, werden die Spuren ans gerichtsmedizinische Institut der Uni Düsseldorf geschickt und dort unter einem Pseudonym zehn Jahre lang - bis zum Ende der Verjährungsfrist - gelagert. Beratungsstellen im Kreis wollen für die ASS bei Frauen werben.

(RP)
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