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Moers: Neuerscheinung: Moers zu Kaisers Zeiten

Moers : Neuerscheinung: Moers zu Kaisers Zeiten

Anlässlich der Wiedereröffnung des Moerser Schlosses präsentierte der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein eine Neuerscheinung zur Geschichte in der Grafenstadt. Autor ist der Studiendirektor Wilfried Scholten.

"Moers zu Kaisers Zeiten." Unter diesem Titel können interessierte Moerser seit gestern ein Buch erwerben, das sie auf eine zwar geschichtlich exakt recherchierte, aber dennoch keineswegs trockene Reise in die Vergangenheit ihrer Stadt zwischen Jahrhundertwende und Beginn des Ersten Weltkrieges entführt. Gut zwei Jahre lang hat der ehemalige Studiendirektor des Gymnasiums Filder Benden Dr. Wilfried Scholten dafür in diversen Stadtarchiven gestöbert und dabei anhand von Artikeln, Leserbriefen und Anzeigen der einstigen Moerser Tageszeitung "Dorf-Chronik und Grafschafter" ein wunderbar anschauliches Bild des damaligen Moerser Bürgerlebens geschaffen.

Am Sonntag stellte er auf Einladung des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins das 238 Seiten starke Werk im Rittersaal des Moerser Schlosses erstmalig einem rund 30-köpfigen Publikum vor. Das Buch entspricht in seiner Kapitelaufteilung einer Reihe von zehn Vorträgen, die Dr. Scholten in den letzten Jahren bereits für den Verein gehalten hat, wobei es ihm weniger um "Könige und Kaiser, sondern um den Moerser Bürger und seinen Alltag" ging, wie er am Sonntag in der Einleitung zu seinem Vortrag erklärte. So handelt zum Beispiel ein Kapitel von der Rolle des Fahrrades als Volksverkehrsmittel und Motor des städtischen Metallbauhandwerks, ein anderes von der damaligen Vereinslandschaft und den zahlreichen Freizeitvergnügungen der Moerser. Wie viele andere Städte war auch Moers zu Anfang des 20. Jahrhunderts in einer industriellen Aufbaustimmung.

Zahlreiche neue Gewerbezweige und vor allem der beginnende Bergbau sorgten für Arbeitsplätze und einen gewissen Wohlstand, und der Erste Weltkrieg war noch in weiter Ferne. Das von Dr. Scholten in seinem Buch vor allem anhand von Zeitungsartikeln und Annoncen dokumentierte Gesellschaftsleben war vielfältig und amüsant.

Man ging zu Bällen oder ins Varieté, vergnügte sich auf bisweilen bizarr anmutenden Kirmes-Shows, und sah sich den Kaiser im damals ersten Moerser Kinematographentheater in der Homberger Straße als Stummfilmstar an. "Moers zu Kaisers Zeiten" ist ein sehr lesenswertes Buch über eine bisher nur wenig beachtete Epoche der Moerser Geschichte, als das Fahrrad noch "Bicyclette" hieß und ein Kinobesuch noch 25 Pfennig kostete.

(RP)