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Neuer Lungenkrebs-Gesprächskreis am Bethanien-Krankenhaus in Moers

Gesundheit in Moers : Seelische Hilfe für Lungenkrebs-Patienten

Das Bethanien-Krankenhaus gründet einen professionell betreuten Lungenkrebs-Gesprächskreis für Patienten und deren Angehörige.

Seine Sorgen und Nöte mit anderen teilen, sehen und hören, dass es anderen ähnlich geht, seelischen Beistand, Hilfe und Hoffnung erfahren – das kann sehr viel bedeuten, wenn man selbst oder ein naher Angehöriger ernsthaft erkrankt ist. Zum Beispiel an Lungenkrebs. Knapp 1000 Patienten aus der Region werden zurzeit am Lungenzentrum des Bethanien-Krankenhauses betreut. Zur umfassenden medizinischen Versorgung tritt jetzt ein weiteres Angebot: Eine Lungenkrebs-Gesprächskreis für Patienten und deren Angehörige.

Bis Ende 2017 hatte es bereits fünf Jahre lang eine solche Selbsthilfe-Gruppe am Bethanien gegeben. Sie wurde von einem ehemaligen Patienten geleitet, doch mit dessen Tod wurden die Treffen eingestellt. Die neue Selbsthilfegruppe steht unter professioneller Leitung. Zuständig ist das Team des Psycho-Onkologischen Diensts – speziell geschulte Mitarbeiter, die sich der seelischen Belastungen von Krebskranken und ihren Familien annehmen. „Die Diagnose Lungenkrebs ist für die Betroffenen wie ein Todesurteil. Patienten und Angehörige sind schockiert. Sie empfinden Angst, Hilfslosigkeit, Ohnmachtsgefühle. Eine professionelle Unterstützung Betreuung ist in einer solcher Lage wichtig“, sagt Patrick Jotzo vom Team, zu dem außerdem Felicitas Kalter sowie die Oberärztin Lea Windgasser gehören.

 Thomas Voshaar, Ärztlicher Direktor am Bethanien (links), mit Felicitas Kalter und Patrick Jotzo vom Psycho-Onkologischen Dienst des krankenhauses.
Thomas Voshaar, Ärztlicher Direktor am Bethanien (links), mit Felicitas Kalter und Patrick Jotzo vom Psycho-Onkologischen Dienst des krankenhauses. Foto: Josef Pogorzalek

Lungenkrebs ist die zweithäufigste Krebsart bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen in Deutschland. An keiner anderen Krebsart sterben so viele Menschen – bei 90 Prozent der Patienten führt die Krankheit zum Tod. Die Zahl der Erkrankungen steige, vor allem bei jüngeren Menschen und Frauen, sagt Thomas Voshaar, Ärztlicher Direktor am Bethanien. Warum dies so ist, sei noch nicht sicher geklärt. Dennoch gebe es aus medizinischer Sicht Grund zur Zuversicht, sagt Voshaar. „Wir können heute den Tumor viel genauer analysieren als früher und dadurch gezielt therapieren.“ Die moderne Immuntherapie sei für Patienten viel verträglicher als eine Chemotherapie. „Die Patienten leben länger als früher, können aktiv bleiben, sind besser drauf. Viele Patienten bleiben über Jahre in der Therapie ohne dass darunter ihre Lebensqualität leidet.“

Mit Selbsthilfe-Gruppen hat das Krankenhaus Bethanien gute Erfahrungen gemacht, so gebe es zum Beispiel sehr aktive Schlaf-Apnoe oder auch Lungensport-Gruppen. Der Lungenkrebs-Gesprächskreis richtet sich ausdrücklich auch „Nicht-Bethanier“, also Patienten, die an anderen Krankenhäusern behandelt werden (sowie deren Angehörige). „Die Themen werden von den Teilnehmern vorgegeben“, sagt Patrick Jotzo. Der Bedarf sei groß. Jotzo geht deshalb davon aus, dass auf Dauer sogar zwei Gruppen gebildet werden.