Moers: Neue Leitung für Moerser Drogenhilfe

Moers: Neue Leitung für Moerser Drogenhilfe

Britta Dietrich-Aust leitet als Nachfolgerin von Reinhard Fiest die Einrichtung der Diakonie an der Rheinberger Straße Sie wird unterstützt von einem jungen Team.

Britta Dietrich-Aust ist die neue Fachleitung der Drogenhilfe der Grafschafter Diakonie gGmbH - Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers. Sie folgt damit Reinhard Fiest, der nach mehr als 30 Jahren als Leiter der Einrichtung in den Ruhestand gegangen ist. "Ich freue mich auf meine Aufgabe", erklärt die Fachleiterin. Mit der 42-Jährigen wurde eine Fachkraft mit langjähriger Erfahrung mit der Leitung betraut: Schon seit 2008 steht sie im Dienst der Moerser Diakonie, seit 2009 arbeitet sie im Bereich der Drogenhilfe. Die Suchthilfe hatte es ihr schon vorher angetan: Das Anerkennungsjahr nach ihrem Sozialpädagogikstudium absolvierte sie in einer Entgiftungsklinik. Anschließend arbeitete sie in der Essener Suchthilfe, in einer Fachklinik für drogenabhängige Männer am Niederrhein und betreute im Bereich der stationären Jugendhilfe Kinder und Jugendliche mit Suchtproblemen. "Ich arbeite gern mit unserer Klientel, besonders mit jungen Leuten. Ich mag sie, habe einen guten Draht zu ihnen, weil man mit ihnen sehr ehrlich und direkt umgehen kann." Das ist wichtig für ihre Arbeit an der Rheinberger Straße, denn viele Jugendliche kommen in die Beratung, weil Eltern oder das Gericht sie dorthin geschickt haben, also sozusagen gezwungenermaßen. "Schön ist, dass Etliche sich dann doch freiwillig wieder bei uns melden, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass wir nicht mit erhobenem Zeigefinger vor ihnen stehen, sondern sie akzeptieren."

Wer denkt, es geht dabei zumeist um Heroin, täuscht sich. Die meisten kommen wegen Cannabis, also Haschisch oder Marihuana. Aber auch auffälliger Konsum Neuer Medien ist ein Anliegen, mit dem sich die Moerser Drogenhelfer auskennen.

In der Arbeit mit den Jugendlichen ist zudem die Prävention ein Schwerpunkt: Hier sorgen z.B. Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche, die mit Cannabis Probleme haben, unter dem Titel "Realize it" für frühe Hilfe. Aktuell hat die Moerser Drogenhilfe mit dem so genannten FreD-Programm begonnen, das vom Landschaftsverband Rheinland-Westfalen-Lippe zertifiziert ist. Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die wegen illegaler Drogen auffällig geworden sind, erhalten hier Unterstützung, damit sie nicht in eine Abhängigkeit rutschen.

Dass die Chefin die Arbeit nicht neu erfinden muss, hat auch mit ihrem Vorgänger zu tun. "Dass Reinhard Fiest nicht mehr da ist, bedeutet einen Verlust", sagt sie. Der Stolz auf das junge dynamische Team, das geblieben ist, tröstet dabei ein bisschen. "Die Kollegen, die nach und nach neu ins Team kamen, bringen ja auch Input mit und bereichern unsere Arbeit." Den Umbruch will das Team auch nutzen, um Bewährtes weiter zu entwickeln oder als Neuauflage wieder zu beleben. Ein Beispiel: Das Frühstück für Substituierte, das zu einem Erfolg geworden ist. 15 bis 20 Abhängige, die auf Heroin verzichten, aber einen Ersatzstoff nehmen, der nicht berauscht, kommen jede Woche einmal im früheren Café Mundo an der Rheinberger Straße zusammen. "Die Substituierten erfahren im Café Wertschätzung und wir stehen ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung." So beschreibt Dietrich-Aust das Angebot. Das passt zum Konzept, das die Fachkräfte in der Drogenhilfe verfolgen: Früher galt die Arbeit der Suchthilfe nur als gelungen, wenn jemand es schaffte, clean zu werden. Aus heutiger Sicht bedeutet es auch einen Erfolg, wenn ein Abhängiger, der es nicht schafft, von der Droge wegzukommen, gut mit der Sucht leben kann, ohne sich oder andere zu stark zu gefährden. "Insofern ist unsere Leitfrage immer: Was braucht ein Mensch, damit das Leben lebenswerter wird."

Die Drogenhilfeleiterin weiß, wovon sie spricht. "Manchmal ist unsere Arbeit auch ein Stück Sterbebegleitung. Etwa, wenn jemand nicht von seiner Sucht loskommen kann, selbst wenn wir ihm schonungslos - aber vergeblich - sagen müssen, dass er stirbt, wenn er weitermacht." Auch in diesen Fällen bleibt der Leitsatz gültig: "Jeder Mensch ist wertvoll."

(RP)