Nachtwächter, Türmer und das Meisje ziehen durch Moers.

Geschichte in Moers : Nachtwächter, Türmer und das Meisje

Die „Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren“ trifft sich zu ihrer Regionaltagung in Moers. Das Treffen richtet Gästeführerin Anne-Rose Fusenig aus. Zwei Rundgänge durch die Grafenstadt sind geplant.

Nachtwächter, Turmbläser, Fabelwesen und Sagengestalten, historisch-gewandete Figuren und auch das Moerser Meisje werden am Samstag, 28. September, die Grafenstadt ein bisschen bunter machen. Der Verein „Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren“ trifft sich an diesem Wochenende zu seiner alljährlichen Regionaltagung in Moers. „Sie findet zum ersten Mal hier statt“, berichtet Anne-Rose Fusenig. Die Gästeführerin aus Moers hat ihre Kollegen aus ganz Deutschland, Österreich, Frankreich und den Niederlanden eingeladen. 45 haben ihr Kommen bereits zugesagt. Die Planung der Veranstaltung läuft schon seit zwei Jahren. „Ich habe das beim Treffen vor zwei Jahren in Paderborn angekündigt“, sagt Fusenig.

Die Gilde ist einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Überliefertes zu bewahren, traditionelles Brauchtum zu pflegen und die Geschichte ihrer Städte weiterzugeben. „Wir sind Gästeführer. Es geht uns darum, Historie zu bewahren und sie in der entsprechenden Gewandung zu beleben. So soll die historische Wertigkeit der dargestellten Person und die Ereignisse in ihrer Zeit hervorgehoben werden“, erläutert Anne-Rose Fusenig die Ziele des Vereins, dem sie seit zehn Jahren angehört. Der Verein selbst besteht seit 14 Jahren. Die Moerserin führt seit 2008 Besucher durch ihre Heimatstadt – zum Beispiel als Grafschafterin Anna, die ihren Zuhörern die Jahrhunderte alte Stadtgeschichte näher bringt. Sie verkörpert auch Hedwig, die Ehefrau des Tuchwebers Carl-Robert Wintgens, Enkelsohn von Friedrich Wintgens. Dieser hatte im 19. Jahrhundert in Moers eine Baumwollfabrik gegründet.

„Hedwig hatte als Gesellschafterin bei den Wintgens angefangen“, berichtet Anne-Rose Fusenig. Auf ihrer Führung erzählt sie, wie die Familie in der Zeit gelebt und was sie für die Stadt Moers getan hat. „Carl Robert hat die Stadtwerke erfolgreich mitbegründet“, weiß die Stadtführerin, die bei diesem Rundgang in einem Ausgehkostüm im Stil des 19. Jahrhunderts gewandet ist. „Ich habe es selbst entworfen.“

Fusenig führt historisch interessierte gerne auch als Moerser Meisje durch die Stadt. „Vor 400 Jahren war Moers oranisch“, sagt sie. Damals hatte Moritz von Oranien die Spanier vertrieben, die Stadt und Schloss belagert hatten. „Auf der Führung geht es um die oranische Befestigungsanlage, die Moritz bei Festungsbaumeister Simon Stevin in Auftrag gegeben hatte. Stevin galt damals in Belgien und Holland als der Leonardo des Nordens.“ Auf diesen Führungen ist Fusenig in einer typischen Moerser Tracht gewandet. Fusenig kennt sich mit der Moerser Geschichte bestens aus. Im Keller ihres Hauses hat sie ein kleines Römer-Museum eingerichtet. Erst im Frühjahr ist das Buch „Moers – seine beweglichen Denkmäler, Skulpturen, Mahnmale, Brunnen und Gedenktafeln“ als ein geschichtlicher Rundgang in einer überarbeiteten Neuauflage erschienen. Die Gildetreffen finden jedes Jahr in einer anderen Stadt statt. „Es geht um den Austausch, um Weiterbildung und eben darum, andere Städte kennenzulernen“, erläutert die Stadtführerin. Die Nachtwächter, Türmer und Figuren treffen sich vom 27. bis zum 29. September in Moers – aber nicht hinter verschlossenen Türen. Am Samstag, 28. September, laden sie zu zwei öffentlichen Rundgängen ein. Los geht es um 10 Uhr am Königlichen Hof. Der Weg führt die Teilnehmer über die Stein-, Friedrich- und Kirchstraße zum Altmarkt und dem Alten Landratsamt. Um 15.15 Uhr startet der zweite Rundgang am Moerser Schloss. Dann sind evangelische Stadtkirche, oranische Häuser, Klompeneck, Neumarkt, Rathaus und Steigerinsel die Stationen. „Ich werde über die Bedeutung des jeweiligen Standortes informieren. Dann stellen sie die Gästeführer aus den anderen Städten vor. Alle treten natürlich gewandet auf. Es ist ein Magister dabei, der in früheren Zeiten als Heiler galt und auf Märkten seine Kräuter anbot. Es wird ein großes Spektakel, denn er bezieht das Publikum immer mit ein“, erzählt Fusenig. Die Gästeführerin erwartet auch den Süntelgeist aus dem Deistergebirge bei Hannover, die Märchenfee und den Türmer (Turmwächter/Turmbläser) aus Hameln sowie Nachtwächter aus Rees und aus Linz an der Donau/Österreich. Öffentlich ist auch der Gildegottesdienst mit Trompetenklang und Turmbesteigung am Sonntag, 29. September, 10 Uhr, in der evangelischen Stadtkirche in Moers. Die Gilde-Mitglieder treffen sich intern im Rittersaal des Schlosses zum Austausch. Dann wird Anne-Rose Fusenig die anderen Gästeführer über die Besonderheiten der Stadt Moers informieren, zum Beispiel über den exotischen Baumbestand im Schlosspark. Außerdem unternimmt die Gilde einen Ausflug zum Geleucht auf der Halde Rheinpreußen, zum Industriemuseum Schacht IV und zum römischen Grund in Moers in Asciburgium.

Gildemitglieder. Foto: Anne-Rose Fusenig

Weitere Informationen zur Deutschen Gilde gibt es im Internet unter www.nachtwacheter-gilde.de

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