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Nacht der Geschichte lockt 450 Besucher nach Moers.

Geschichte in Moers : Nacht der Geschichte lockt 450 Besucher

Die dritte Veranstaltung hat wieder einen tiefen Einblick in die Moerser Historie gegeben: Das Publikum erfuhr, wie die Grafenstadt vor Großbränden bewahrt werden konnte und mit welchen Tricks Moritz von Oranien flirtete.

Auf einem Baumstumpf am Ufer des Moersbaches sitzt Moritz von Oranien und schält eine Orange. „Bis unsere Gruppe da ist, verhungert er wenigstens nicht“, sagt Karin Deckert und stößt ihrer Freundin Heide Bergmann den Ellbogen in die Seite. Die lacht. Sie ahnt noch nicht, dass der Frauenversteher von Oranien ihr später noch ein Geschenk machen wird.

Auch die dritte „Nacht der Geschichte“ lässt die Grafen, Kurfürstinnen, Unternehmer und Politiker der Moerser Historie wieder lebendig werden. Beim Rundgang durch das Moerser Schloss, das Rosarium, den Park bis vor das alte Landratsamt zeigen die Mitarbeiter des Grafschafter Museums am Samstagabend ihr schauspielerisches Talent. So auch Patrick Bohndörfer, der im Schlosspark mit weißer Halskrause und schwarzen Pluderhosen als Moritz von Oranien auftritt. Mit niederländischem Akzent erklärt er, wie er auf Wunsch seines Vaters Wilhelm einen Orangenbaum in das Familienwappen aufnahm. Den lateinischen Spruch darin übersetzt er mit: „Endlich wird aus einem Zweig ein Baum.“ So interpretiert von Oranien auch sein Wirken im historischen Moers: Er vertrieb die Spanier aus der Grafenstadt und nahm sie ein. Nachdem die Altstadt 1605 niedergebrannt war, wollte er die Bürger vor einem erneuten Feuer schützen. Deshalb ließ er von einem niederländischen Architekten Ravelins errichten. „So war immer genug Wasser zum Löschen da und es gab einen Schutz rund um die Stadt“, fasst von Oranien alias Bohndörfer zusammen. Unter seiner Herrschaft habe es in der Grafenstadt keinen Krieg mehr gegeben. Das Leben des Moritz von Oranien hatte sich doch noch positiv entwickelt, nachdem seine Mutter Anna von Sachsen an einem Nervenzusammenbruch gestorben und sein Vater gevierteilt worden war. Den Tod der Mutter hatte Wilhelm von Oranien zu verantworten. Er fand heraus, dass seine Frau eine Affäre hatte und ließ sie in einen Kerker in Dresden einsperren. Zwei Jahre lang bekam sie nur Wasser und Brot durch einen Schlitz in der Tür, dann starb sie. Wilhelm musste sterben, weil er für die „falsche“ Konfession gekämpft hatte unter katholisch geprägten Herrschern.

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Eine Frau mit Rollator holt Heide Bergmann und Karin Deckert in die Wirklichkeit zurück. Sie gehört zu der Gruppe, mit der sie den Rundgang machen. Weil die Dame nichtsahnend auf einen Brennnessel-Strauch zusteuert, stoppen sie sie und führen sie näher an Bohndörfer heran. Der spielt mit der Orange in seiner Hand herum. „Mein Vater mochte die Frauen, deshalb hatte er auch vier Gemahlinnen“, sagt er. Seine Mutter sei die zweite gewesen. Wie diese Liebe geendet sei, sage viel über die Beziehung seiner Eltern aus: „Glücklich waren die nicht miteinander.“ Doch das habe ihn nie davon abgehalten, mit vielen Frauen anzubändeln. „In der Hinsicht war ich wie mein Vater“, gesteht er und geht langsam auf Bergmann zu. Von Oranien drückt ihr die Orange in die Hand, schenkt ihr ein Lächeln. Verlegen lächelt sie zurück. Deckert zückt das Handy, um ein Foto zu machen.

Als die Freundinnen mit den anderen Richtung Landratsamt weiter wandern, stopft Bergmann die Orange in ihre Tasche – für später, bei einem Glas Wein. Moritz von Oranien wird sie so schnell nicht vergessen.