Musikschülerin in Moers lernt bei der Mutter.

Musikschule Moers: Die Musik liegt hier in der Familie

Andrea Kramer, Hornistin und Musikpädagogin, hat ihr Talent nicht nur an Tochter Leonie vererbt, sondern ihr Kind auch lange selbst unterrichtet.

Wie jedes Talent, wird auch das Talent zur Musik weitgehend vererbt, wenn eine solche Anlage aber nicht früh genug gefördert wird, verkümmert sie. Zahlreiche Beispiele aus der Musikgeschichte zeigen, dass der Einfluss des Elternhauses den Werdegang des Nachwuchses entscheidend prägt. Oft sind es Vater oder Mutter, die den ersten Musikunterricht übernehmen und damit entscheidende Weichen stellen. So auch in der Moerser Familie Kramer: Mutter Andrea Kramer, Hornistin und Musikpädagogin, hat ihr Talent nicht nur an Tochter Leonie vererbt, sondern sie auch lange selbst unterrichtet. Die heute 14-jährige Gymnasiastin hat mit sechs Jahren angefangen, Horn zu spielen. „Meine Mutter hat mich an das Instrument geführt“, erzählt sie. „Es war eigentlich nicht gedacht, dass es unbedingt dabei bleiben muss. Aber ich mag das Horn total gern, deshalb habe ich nie an ein anderes Instrument gedacht.“

Und wie ist das so, wenn man von der Mutter unterrichtet wird und sie ständig überprüfen kann, ob man auch genug übt? „Man ist sich halt nicht immer einig, aber das ist nie ein Problem“, versichert Leonie mit einem Augenzwinkern zur Mutter. „Und es ist alles sehr intensiv. Es wird ja nicht nur jede Woche geprobt, sondern jeden Tag.“ Inzwischen hat der Einsatz schon zu etlichen Wettbewerbs-Erfolgen geführt, und seit März 2018 ist Leonie, nachdem sie vorher bereits vier Jahre im Kinderorchester NRW gespielt hatte, Mitglied im Landesjugendorchester NRW: „Es ist schön zu sehen, dass so viele Leute so gut spielen, das macht sehr viel Spaß.“ Am liebsten spielt sie romantische Musik, denn „da kann man ganz viel selbst rein interpretieren“. Die Begeisterung für das Orchesterspiel teilt sie mit ihrer Mutter, die seit rund 20 Jahren bei den Bayer Symphonikern als Solohornistin aktiv ist. „Das brauche ich als Ausgleich zum Unterricht“, erklärt Andrea Kramer. Auch die Liebe zur Kammermusik ist bei Mutter wie Tochter gleichermaßen ausgeprägt: Wie Andrea Kramer, die in mehreren festen Bläser-Ensembles aktiv ist, spielt auch Leonie schon in einem festen Holzbläserquintett. Daneben wird bei Familie Kramer die Hausmusik sehr gepflegt, vor allem Hornquartett, bei dem auch zwei der drei Söhne mitspielen, steht hoch im Kurs. Die musikalische Ausbildung ihrer Tochter hat Andrea Kramer inzwischen abgegeben, weil sie der Meinung war, „das musste jetzt professioneller werden“. Seit einigen Monaten wird Leonie am Konservatorium in Maastricht von dem renommierten Hornisten Will Sanders unterrichtet. Obwohl sie eigentlich nicht wechseln wollte, ist sie inzwischen völlig begeistert: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so viel anders ist. Und ich merke, dass ich noch mal ganz anders gefördert werde und richtig gut weiterkomme.“ Den Spagat zwischen Schule und Musikausbildung bewältigt die 14-jährige gut: „Ich kriege das alles unter einen Hut. Dadurch, dass ich ein Ziel vor Augen habe, geht das. Und das Horn ist ja keine Belastung für mich.“ Kein Wunder, dass Leonies Berufswunsch heute schon klar ist: „Ich möchte Musik studieren, das ist mein Traum.“

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