Museum Neukirchen-Vluyn führt durchs historische Klassenzimmer

Neukirchen-Vluyn: Zeitreise ins historische Klassenzimmer

„Schule früher und Pausenspiele“, so lautete das Motto der Themenführung im Museum Vluyn. In den Schulbänken wurde es mucksmäuschenstill, denn die Teilnehmer hörten spannende Geschichten.

Michaela Krauskopf, Mitarbeiterin im Vluyner Museum, läutet energisch die Handglocke. Der Unterricht im historischen Klassenzimmer, nach der Neukonzeption an anderer Stelle im Obergeschoss des Vluyner Museums untergebracht, beginnt. Thema der Unterrichtseinheit ist das Schreiben, versehen mit einem Merkspruch. „Auf, ab, auf, Pünktchen drauf.“ Die älteren Gäste erkennen den Buchstaben „i“. Er wurde meist als erster erlernt und sorgte für den damals gängigen Begriff des I-Dötzchens beim Schulstart. Und noch einen weiteren Buchstaben sollte die Besuchergruppe nach Sütterlin-Schreibweise kennenlernen. Das „U“ mit dem markanten Bogen. Krauskopf: „Die Besonderheit im Alphabet ist der Buchstabe S, den es als Mittel-S und Schluss-S gibt.“ Bis in die 1940er-Jahre lernten die Kinder diese Schrift, danach folgte die so genannte Normalschrift. Geschrieben wurde auf Schiefertafeln mit Griffel. Der „Milchgriffel“, weicher und weniger kratzend kam später, war aber teurer. Schnell ist die Besuchergruppe im Gespräch über ihre Volksschulzeit, den Unterricht, Lehrerpersönlichkeiten, verschiedene Schulfächer wie „Schönschreiben“, Kopfrechnen, Singen, Werken oder Handarbeit und Hauswirtschaft. „Damals war der Unterricht sehr viel praktischer“, lautet das Fazit der Museumsgäste. Verschiedene Exponate wie ein Klapprahmen für den Handarbeitsunterricht sorgen für weiteren Gesprächsstoff. Auch das Verhältnis der Klasse zur Lehrkraft ist ein Thema. Damals war alles viel strenger. Wurde ein Schüler gefragt, hatte er aufzustehen und aus der Bank zu treten. Die Hände lagen seitlich an den Hosennähten. „Geantwortet wurde ordentlich und in ganzen Sätzen“, sagt Michaela Krauskopf. Wer nicht parierte, dem drohten die Züchtigung von Lehrerhand: Prügel, Backpfeifen und Rohrstock. „Mit dem Rohrstock gab es Schläge auf den Hintern. Manche Jungen sorgten vor und polsterten sich mit Zeitungspapier aus. Schläge mit dem Stock auf den Handrücken und Finger bekamen die Mädchen.

Sie nahmen Zwiebeln mit in die Schule und rieben sich mit dem Saft die Hände ein. Die schwollen an und milderten die Wirkung des Rohrstocks ab“, so Michaela Krauskopf. Prügel seien zwar schlimm gewesen. „Schlimmer war aber die Demütigung, die wir so erfahren haben. Oftmals schon wegen Kleinigkeiten. Wir hatten viel Angst“, erinnern sich die Besucher. Lehrer und Geistliche galten als Autoritätspersonen. Auch diese Übermacht ließ sich kippen, erinnert sich Besucherin Helma Prosen. Sie ging ab 1947 in Utfort zur Schule. „Wir haben erlebt, dass Mütter sich erfolgreich auf gleiche Art gegen einen solchen Lehrer behauptet haben“, erzählt sie.

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Heute stehen andere Möglichkeiten zur Verfügung, erzählen die jungen Gymnasiasten Henning (12) und Anica (10) Schürmann: Eintrag ins Klassenbuch, Elterngespräch oder Schulverweis. Spannend sei der Nachmittag gewesen, so ihr Urteil. Vor allem der Vergleich Schule damals und heute hat sie beeindruckt. Mit ihren Großeltern Carl und Marianne Prinz besuchten sie den Themennachmittag.

Zur Museumseinrichtung gehören auch Pausenspiele vom Schulhof, wie das Hinkelkästchen oder das Murmelspiel. Ein Erlebnismoment im Klassenzimmer ist eine interaktive Medieneinheit mit rund 200 lokalen historischen Schulbildern.

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