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Moerser Stadtmusikerin Mariá Portugal gibt fulminanten Einstand

Improviser-Konzert : Stadtmusikerin Mariá Portugal gibt einen fulminanten Einstand

Rund 120 Besucher haben sich am Montagabend im Alten Landratsamt versammelt, um ein Free Jazz-Konzert zu erleben. Offenbar war der erste Eindruck, den Mariá Portugal als neue „improviser in residence“ beim Übergabekonzert hinterlassen hatte, vielversprechend.

Zu ihrem ersten Konzert hatdie junge Brasilianerin sich zwei Weltklassemusiker eingeladen: die Saxophonistin Angelika Niescier, die 2008 erste Stadtmusikerin in Moers war, und den Schlagzeuger Gerald Cleaver, den Niescier im vergangenen Jahr auf dem Festival vorgestellt hat. „Two drums, one sax“ nennt Mariá Portugal ihren Einstand als Improviser, dieser „formidablen Einrichtung des Moers Festivals“, wie Bereichsleiterin Diana Finkele bei der Begrüßung schwärmt.

Das Konzert, mit dem das Trio den Saal zum Beben bringen will, beginnt in John-Cage-Manier mit minutenlanger Stille, auf die das Publikum teils irritiert, teils amüsiert reagiert. Plötzlich, ohne Vorwarnung, bricht das musikalische Erdbeben los, eine Urgewalt aus Energie und Fantasie. Irgendwo zwischen Avantgarde und Techno werden die Grenzen der Improvisation neu ausgelotet, mal ganz spontan und noisy, dann wieder mit überraschend filigranen Schichtungen von Melodiemotiven und Rhythmusfragmenten. Mittendrin, flankiert von perkussiven Geräuschen, die Powerfrau Angelika Niescier mit flatternden, schrillen, schreienden Tönen des Saxophons. Das Trioabenteuer gefällt nicht jedem: Was die einen als radikale Klangschönheit empfinden, treibt andere aus dem Saal. „Dieser Hardcore Jazz ist wohl einfach nix für Moers“, mutmaßt ein Kenner der Szene. Doch unabhängig von allen persönlichen Einschätzungen dürfte nach diesem fulminanten Auftakt eins sicher sein: Langweilig wird das Improviser-Jahr mit Mariá Portugal nicht.