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Moerser Seniorenheime in der Corona-Krise

Coronavirus : So schützen sich die Seniorenheime

Die Corona-Krise trifft die Pflege- und Senioreneinrichtungen besonders hart. Angehörige dürfen die Bewohner nicht mehr besuchen. Die Einrichtungen haben Notfallpläne erstellt.

Ältere Menschen sind bei einer Corona-Infektion besonders gefährdet. Daher stehen die Seniorenzentren aktuell vor großen Herausforderungen, um das Personal und die Bewohner zu schützen.

Mit dem Erlass der Landesregierung sind Besuche nun grundsätzlich untersagt, wenn sie nicht der medizinischen oder pflegerischen Versorgung dienen oder aus Rechtsgründen erforderlich sind. Die Einrichtungsleitung soll Ausnahmen unter Schutzmaßnahmen und nach Hygieneunterweisung zulassen, wenn es medizinisch oder ethisch-sozial geboten ist.

„Auch wir im Bethanien-Seniorenstift haben keine andere Wahl und unsere Türen ab sofort für Besucher geschlossen“, erklärt Heimleiter Ingo Ludwig. „98 Prozent unserer Bewohner und deren Angehörigen zeigen Verständnis für diese Maßnahme.“ Aber es habe durchaus auch unschöne Diskussionen mit uneinsichtigen Angehörigen gegeben. „Wir haben für Angehörige die Möglichkeit geschaffen, dass sie zu festgelegten Zeiten bei uns vorbei kommen können, um Briefe, Geschenke oder Blumen abzugeben, die wir dann den Bewohnern überbringen“, so Ludwig. Bis jetzt habe es in der Einrichtung weder einen Verdachtsfall noch einen bestätigten Coronafall gegeben. Würde der Fall eintreten, hielte man sich an die gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen, wie die strikte Einhaltung der Quarantäne. Gemeinsam mit den Ärzten würde dann entscheiden, ob der Patient ins Krankenhaus verlegt werden müsste.

Abdelaziz Charafi, Einrichtungsleiter des Awo-Seniorenzentrum Johannes-Rau-Haus auf der Essenberger Straße in Moers, ist ebenfalls froh, dass es bis jetzt keinen Verdachtsfall in der Einrichtung gab. „Damit das auch hoffentlich so bleibt, hält sich unser Personal natürlich strikt an die Hygienemaßnahmen. Darüber hinaus finden derzeit keine Veranstaltungen und Angebote in den Gemeinschaftsräumen statt“, so Charafi. Wegen der Corona-Epidemie seien nun sämtliche Aktivitäten von den Gemeinschaftsräumen auf die Zimmer verlegt worden, auch die Mahlzeiten nehmen die Bewohner und bewohnerinnen nun auf den Zimmern ein. „Das ist natürlich traurig, aber derzeit leider unerlässlich“, so Charafi. Auch hier ist laut Erlass das Betreten des Seniorenzentrums für Besucher komplett untersagt. „Nur unser Pflegepersonal, die Reinigungskräfte sowie medizinisches Personal und Ärzte können noch eingelassen werden“, erläutert Charafi. „Natürlich ist das für alle Betroffenen hart, aber wir müssen alles tun, um eine Infektion in unserem Haus zu verhindern.“

Sollte es trotz aller bestehenden Vorsichtsmaßnahmen zu einer Corona-Erkrankung kommen, griffe ein Pandemieplan, der mit dem Kreis Wesel abgesprochen sei. Demnach müsse die Erkrankung zunächst dem Gesundheitsamt und der Heimaufsicht gemeldet werden. Die infizierte Person müsse umgehend in ein Krankenhaus verlegt werden. „Die Pflege könnten wir hier vor Ort aus Sicherheitsgründen derzeit nicht leisten,“ so Charafi. Anhand von den Dienstplänen könne man gut nachvollziehen, wer Kontakt zu wem hatte – und entsprechend handeln. Alle anderen Bewohner müssten im Fall der Fälle in strengster Quarantäne bleiben.

Ein großes Lob spricht Charafi an das Pesonal des Seniorenzentrum aus: „Hut ab vor unseren Pflegekräften, die derzeit trotz Angst voller Elan die ungewöhnliche Situation so gut meistern. Da kann ich nur einen großen Dank aussprechen.“

Thorsten Krüger, Bereichsleiter Pflege der Grafschafter Diakonie, plant gemeinsam mit seinem Team einrichtungsübergreifend alle Maßnahmen für die drei stationären Pflegeinrichtungen (Rudolf-Schloer-Stift in Moers, Altenheimat Vluyn in Neukirchen-Vluyn und Haus für Jung und Alt in Meerbeck) sowie die ambulanten Dienste. „Wenn ein Bewohner eine Corona-Infektion erleidet, werden wir bestimmte Schutzmaßnahmen einleiten: Spezielle Schutzmasken, Schutzkittel, Hauben etc. Darauf sind wir vorbereitet, denn wir haben alle Materialien vorrätig. Allerdings bemühen wir uns aktuell, unsere Vorräte aufzufüllen, weil wir nicht wissen können, wie viel wir davon im Verlauf benötigen“, erläutert Krüger. Man habe Notfallpläne vorbereitet, zum Beispiel wie vorzugehen sei, wenn sehr viele Mitarbeiter erkranken sollten und nicht mehr zum Dienst kommen können. Für diesen Fall seien angepasste Arbeitspläne vorbereitet worden. „Ein anderer Notfallplan bezieht sich auf Hygiene-Maßnahmen und Abläufe, für den Fall, das ein Bewohner an einer Corona-Infektion erkrankt. Wichtig war für uns, dass wir im Februar eine Koordinierungsgruppe eingerichtet haben. In dieser Gruppe sind Leitungskräfte und Hygienebeauftragte aller Arbeitsbereiche, sowie die Geschäftsführung vertreten. In diesem Kreis haben wir vorbereitend und im Verlauf alle wichtigen Maßnahmen und Entscheidungen abgesprochen.“