Moers: Moerser Senioren suchen Hilfe im Netz

Moers : Moerser Senioren suchen Hilfe im Netz

Im Repelener Seniorenzentrum wird ab sofort montags eine "Sprechstunde Internet" angeboten. Die bundesweite Initiative trifft auf reges Interesse: Moerser Senioren erobern das Netz. Das hat auch die Stadtverwaltung erkannt.

Ursula Nigl pflegt seit 20 Jahren ihren kranken Mann zu Hause. Dass es im Internet viele nützliche Tipps und Hinweise auch zum Thema Pflege gibt, hat sie schon gehört. Wie dieses Internet allerdings seinen Weg auf den eigene gekauften Laptop findet, hat die 73-Jährige noch nicht herausgefunden. Zumal das Computerbild derzeit auch noch auf dem Kopf steht und sämtliche Versuche, daran etwas zu ändern, kolossal gescheitert sind.

Für Menschen wie Ursula Nigl wurde die "Sprechstunde Internet" eingerichtet. Im Repelener Seniorenbüro sollen Ältere künftig von anderen Senioren lernen, welche Möglichkeiten das weltweite Netz bietet. Dahinter steht eine bundesweite Initiative des Familien- und Seniorenministeriums. Warum die Repelener Einrichtung mitmacht erklärt Leiterin Sabine Jarofka: "Wir haben hier bei uns schon seit vielen Jahren einen Internet-Treff für ältere Menschen. Einige davon sind aufgrund ihrer vorherigen beruflichen Erfahrungen echte Computerexperten und gerne bereit, ihr Können ehrenamtlich an andere weiter zu geben."

Fred Schinke ist einer dieser ehrenamtlichen Helfer. Der 80-Jährige war Programmierer und kennt sich berufsbedingt mit den Tücken der Computer aus. Mit einem lässigen "Erstaunlich" kommentiert Schinke das Bildproblem von Ursula Nigl und schreitet unumwunden zur Tat. Doch mit seinem Fachwissen ist Schinke eine Ausnahme. Tatsächlich sind es häufig Kleinigkeiten wie ein Anzeigefehler, die Senioren bei der Computer-/Internetnutzung scheitern lassen.

Nur jeder Dritte der über 60-Jährigen nutzt derzeit das Internet, bei den über 70-Jährigen nehmen die Nutzerzahlen noch rapider ab. Dabei erspart das Internet viele alltägliche Wege, zum Beispiel zu Banken oder Ämtern. Per E-Mail oder mit sozialen Netzwerken lassen sich alte Kontakte pflegen, auch wenn persönliche Treffen schwieriger geworden sind. Fred Schinke glaubt, dass viele ältere Menschen oft schon im Vorfeld vor englischen Fachausdrücken kapitulieren. Da kann er helfen, er übersetzt und macht Mut. Genauso soll die Sprechstunde funktionieren, Ursula Nigl sieht glücklich aus.

Die Stadtverwaltung Moers registriert derweil einen steigenden Anteil älterer Nutzer auf der Homepage der Stadt. Rund 17 Prozent sind älter als 55 Jahre. Zum Vergleich: Beim größten sozialen Netzwerk Facebook sind nur etwas mehr als zwei Prozent der Nutzer über 55 Jahre alt. "Vor allem die Kulturtermine und die Telefonnummern der Ämter werden abgefragt", weiß Webmaster Claus Arndt. Ein Angebot speziell für ältere Menschen wolle die Homepage aber nicht machen, so Arndt: "Alter spielt keine Rolle, wenn es um die Bedienfreundlichkeit einer Internetseite geht. Worauf wir aber sehr achten, ist die Barrierefreiheit."

(RP/rl)
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