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Moerser redet bei Glückspielgesetzgebung mit

Interview mit Freddy Fischer : Moerser redet bei Glückspielgesetz mit

Der Spielautomatenunternehmer Freddy Fischer setzte sich dafür ein, den „schwarzen Fleck“ des Glücksspiels zu verkleinern. Die Überlegungen flossen in den Staatsvertrag zur Neuregulierung des Glückspielwesens ein.

Freddy Fischer ist in der Glücksspielbranche aktiv. Der Moerser gründete die Unternehmensgruppe Münzspielpartner MSP in Essen, an der er heute noch einen kleinen Anteil hält, nachdem er den größeren Anteil 2016 an die ostwestfälische Spielautomaten-Unternehmensgruppe Gauselmann („Spielothek“) verkauft hatte Der Unternehmer blickte früh auf den „schwarzen Fleck“ dieser Branche, wie das Vorstandmitglied des Deutschen Automatenverbandes die negativen Folgen des Glücksspiels nennt. Über diesen Verband spielt er bei der neuen Glückspielgesetzgebung mit, wie viele andere Interessenvertreter. Der Staatsvertrag zur Neuregulierung des Glückspielwesens soll ab Juli 2021 in Kraft treten und die Glückspielbranche verändern. RP-Mitarbeiter Peter Gottschlich sprach mit Freddy Fischer.

Haben Sie eine freie Zutrittsberechtigung zum Paul-Löbe-Haus, dem Abgeordnetenhaus neben dem Reichstagsgebäude in Berlin, wie sie 2000 andere Lobbyisten haben sollen?

Freddy Fischer Ich bin im Vorstand des Deutschen Automatenverbandes für Bundesangelegenheiten zuständig. Entsprechend oft besuche ich Berlin. Ich war auch schon im Paul-Löbe-Haus. Aber ich habe dort keinen freien Zutritt. Diesmal spielt sich alles in Düsseldorf ab, nicht in Berlin. Glücksspiel ist in Deutschland Ländersache. Nathanael Liminski als Chef der Düsseldorfer Staatskanzlei organisiert das Verfahren für den neuen Staatsvertrag zum Glücksspielwesen.

In dieses Verfahren bringen ganz unterschiedliche Gruppen ihre Interessen ein.

Fischer Als am Mittwoch vor Altweiber in der Düsseldorfer Staatskanzlei bundesweite Anhörung zu diesem Gesetzentwurf war, äußerten sich 47 Verbände. Insgesamt waren über 80 Verbände und Institutionen beteiligt. Im Grunde sind sie alle Lobbyisten. Ihre Vorstellungen fließen in die Gesetzgebung ein, gerade weil sie so verschieden sind. Unter den Verbänden war zum Beispiel ein „Betroffenenbeirat Bayern – Stimme der SpielerInnen“, eine Forschungsstelle Glückspiel der Universität Hohenheim bei Stuttgart, ein Bundesverband Deutscher Spielbanken, ein Deutscher Sportwettenverband, ein Deutscher Lottoverband, aber auch ein Deutscher Olympischer Sportbund. Gewinne aus den staatlichen Lotterien fließen unter anderem in die Sportförderung und in die integrative Arbeit, zum Beispiel für die „Aktion Mensch“.

Diese Förderung und Hilfe bilden den „weißen Fleck“ des Glücksspiels. Es überwiegt aber der „schwarze Fleck“, der sich aus Spielsucht und fehlender Legalität speist.

Fischer Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen gibt an, dass 0,31 Prozent der Deutschen, als spielsüchtig einzuordnen sind. Es gibt auch Drogen-, Alkohol-, Tabletten-, Kauf- oder Esssucht. Eine Sucht kann viele Ursachen haben. Sie kann ausbrechen, wenn jemand einen psychischen Schlag erhält, zum Beispiel wenn er einen geliebten Menschen verliert. Die Unternehmensgruppe MSP gehört zu den ersten, die seine Mitarbeiter zu Beratern im Jugend- und Spielerschutz ausbildete. Wir geben Kunden Spielregeln mit an die Hand, wie Spielautomaten in der Gastronomie am besten aufzustellen sind, um Jugendschutz zu gewährleisten und Spielsucht vorzubeugen. Wir haben regelmäßigen Kontakt mit Suchtberatungsstellen. Wir versuchen, den „schwarzen Fleck“ zu verkleinern und Verantwortung zu zeigen. Damit waren wir Vorreiter.

Im Staatsvertrag zum Glückspielwesen ist der Gedanken des verantwortlichen Handelns wiederzufinden …

Fischer …der Glückspielstaatsvertrag stellt einen Paradigmenwechsel dar. Er ist der Einstieg in die qualitative Regulierung und damit ein Meilenstein. Die Aktivitäten aller aus unserer Branche, die sich für Qualität sowie für Jugend- und Spielerschutz eingesetzt haben, sind der Politik nicht verborgen geblieben. Sie hat daraus die richtigen Rückschlüsse gezogen. Diesen Weg konsequent weiterzuverfolgen, ist die Aufgabe der Zukunft.

Zur Qualität zählt die biometrischer Alterserkennung von Spielern, an deren Entwicklung sie mitgearbeitet haben.

Fischer Wenn das Gesicht gescannt wird, lässt sich auf sieben Jahre genau das Alter eines Menschen feststellen. Wenn ich das System auf 25 Jahre einstelle, kann kein Jugendlicher unter 18 Jahren an einem Automaten spielen, der schwer einzusehen ist. Für Personen zwischen 18 und 25 Jahren ist möglich, das genaue Alter über den Personalausweis nachzuweisen. Die Gauselmann-Unternehmensgruppe hat dieses System entwickelt. Ich war eingebunden. Die biometrische Alterserkennung kommt zum Beispiel bei Automaten zum Einsatz, die auf Autobahnraststätten zu finden sind.

Es bleibt die fehlende Legalität, vor allem bei Sportwetten oder Online-Casinos.

Fischer Sportwetten sind zurzeit in ganz Deutschland geduldet, nicht wirklich erlaubt. Im neuen Glückspielstaatsvertrag werden sie auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Alle Sportwettenanbieter benötigen dann eine Lizenz. Online-Casinos erhalten ebenfalls in ganz Deutschland eine gesetzliche Grundlage. Bislang konnte man nur in Schleswig-Holstein eine Lizenz erwerben. Sie galt nur in diesem Bundesland. Wenn Schleswig-Holsteiner von Nordrhein-Westfalen aus bei ihrem Online-Casinos spielten, war das nicht legal. Sportwetten und Online-Casinos an Lizenzen zu knüpfen, verändert das Glückspielwesen grundlegend.

Eine solche Lizensierung kann nur funktionieren, wenn eine bundesweite Glücksspielkommission gegründet wird, vergleichbar der Gambling Commission im Vereinigten Königreich.

Fischer In England und Schottland gibt es diese Kommission schon seit 2007. Dort ist sie sehr gut aufgestellt, auch digital. Sie kann genau verfolgen, wer über wen Wetten abgeschlossen hat. Ich halte es für gut, eine deutsche Glücksspielkommission einzurichten, die sich über Lizenzgebühren finanziert. Es wird natürlich dauern, sie praktisch aus dem nichts aufzubauen, zumal IT-Fachleute auf dem Arbeitsmarkt nicht vorhanden sind, weil sie alle eine Stelle haben.

Ein Unternehmer findet es gut, wenn ein Markt reglementiert wird und sich die Anzahl der Staatsdiener vergrößert?

Fischer Als Diplom-VoIkswirt stehe ich für eine Soziale Marktwirtschaft,

die den Energie- und Umweltverbrauch in Produkte und Dienstleistungen einpreist. Oft sind positive Anreize besser als Regelungen, die kaum zu kontrollieren sind. Die Sportwetten und Online-Casinos waren aber keine Märkte mit Regeln, wie es Märkte der Sozialen Marktwirtschaft sein sollte.

Der Markt für Glückspiel ist längst einer europäischer, zum Teil auch ein weltweiter. Ist irgendwann einmal ein europäischer Staatsvertrag zum Glücksspielwesen denkbar?

Fischer Denkbar schon, aber nicht in den nächsten Jahrzehnten. Die Länder haben ihre rechtlichen Vorschriften an diesen Staatsvertrag anzupassen. Das ist schon bei den 16 deutschen Bundesländern ein Kraftakt. Die Ministerpräsidenten planen, bei ihrem nächsten Treffen im März diesem Entwurf zuzustimmen. Dann geht er in die Landesparlamente. In Kraft treten soll er im Juli 2021.

Vielen Dank für das Gespräch.