TV-Reportage: Moerser mischte mit bei der "Geheimsache Doping"

TV-Reportage: Moerser mischte mit bei der "Geheimsache Doping"

Der Moerser Glas- und Apparatebauer Sven Lammek hat dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt bei seiner Recherche in Sachen Doping geholfen. Vor der Eröffnung der Winterspiele wurde die brisante Reportage ausgestrahlt.

Manipulation von Dopingproben ist jederzeit möglich, zeigte der ARD-Experte Hajo Seppelt in einer Dokumentation kurz vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele. Dabei leistete ihm Sven Lammek mit seinem Fachwissen wichtige Unterstützung. Lammek (37) ist Glas- und Apparatebauer mit Firmensitz an der Moerser Zechenstraße. Als er den Anruf vom Seppelt-Team bekam, staunte er nicht schlecht.

"Den Kontakt hat unser Berufsverband gemacht, da ich für das Team von Hajo Seppelt mit meinem Standort gut erreichbar war", sagt Lammek. Unter höchster Geheimhaltung nahm das Team mit dem Seppelt-Vertrautem Jürgen Kleinschmittger seine Recherchen in Moers auf. Seppelt war davon ausgegangen, dass auch die neuen, als sicher geglaubten Urinflaschen auf dem Weg zum Labor zu manipulieren sind. Aber wie?

Das war die Frage an den Glas- und Apparatebauer. Für Sven Lammek eine Denkaufgabe, die er aufgrund seiner langen Berufserfahrungen zu lösen wusste. "Ich habe die Flasche unter dem so sicher geglaubten Drehverschluss mit der Glassäge abgesägt. Den noch verbliebenen Flaschenhals konnte ich so herausdrehen, ohne dass der patentierte Verschluss beschädigt wurde", erläutert Lammek seine Arbeit.

Mehr noch: Eine Glassäge ist im Baumarkt für einige hundert Euro erhältlich. Bei den Urinflaschen handelt es sich um handelsübliche Laborware, die jederzeit zu bekommen ist. Dem Austausch von Untersuchungsmaterial wie Urinflüssigkeit war für ein Staatsdoping in Pyeongchang Tür und Tor geöffnet.

Praxisversuch bestätigte Annahme

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Seppelts "Geheimsache Doping" sorgte im Vorfeld der Winterspiele, wenige Tage vor der Eröffnung, für neue Erkenntnisse zu flächendeckendem Doping und korrupten Systemen. Der Journalist, der seit langem den mafiösen Strukturen im Spitzensport auf der Spur ist, sorgte für einen Paukenschlag. Denn es war erklärtes Ziel gewesen, in Pyeongchang derartige Manipulationsmöglichkeiten bei Urinproben auszuschließen. Die versiegelten Dopingkontrollbehälter galten als absolut sicher. Seppelts Frage, ob die öffentlich verkündeten, strengen Zulassungskriterien wirklich so sicher sind, wurde - auch dank Lammek - beantwortet: Manipulation ist jederzeit möglich.

Der Praxisversuch bestätigte die Annahme, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zugelassenen Gefäße könnten von unberechtigten Personen geöffnet und wieder verschlossen werden, und zwar ohne Spuren zu hinterlassen. Das Seppelt-Team war mehrfach zum Dreh an der Zechenstraße in Moers. "Für mich war das eine spannende Geschichte, die offen gelegt hat, was alles möglich ist", sagt Lammek.

In seinem Betrieb, mit dem er 2010 in die Selbstständigkeit gegangen ist, brummt das Geschäft. Gewerbekunde fragen nach Einzel- und Sonderbauten, die Lammek nach Vorgaben fertigt. Zwischendrin liegen bundesweite Kundenbesuche. Die Auftragslage ist gut, Lammeks Betrieb platzt aus allen Nähten. Geeignete Räume sind derzeit nicht auf dem Markt.

"Mir fehlen auch Mitarbeiter. Ich mache alles allein und bin mit Überzeugung und Faszination für meinen Beruf dabei", so Lammek. Schulabgängern sei die berufliche Bandbreite nicht klar. "Daher fehlt bei uns der engagierte Nachwuchs in einem Beruf, der viel Spaß macht", sagt Lammek.

Die zweiteilige Doku "Geheimsache Doping - Das Olympiakomplott" ist in der ARD-Mediathek (www.ardmediathek.de) zu sehen.

(sabi)