Moers: Moerser Gymnasien warten auf G-9-Gesetz

Moers: Moerser Gymnasien warten auf G-9-Gesetz

In acht Jahren oder neun Jahren zum Abitur? Erst im nächsten Schuljahr können die Gymnasien verbindlich darüber entscheiden. Betroffen sind allerdings bereits die Schüler, die dann in den fünften Klassen sind.

Wird mein Kind nach acht oder neun Jahren Abitur machen? Eine verbindliche Antwort darauf gibt es für Eltern, deren Sprösslinge im nächsten Jahr aufs Gymnasium kommen, derzeit nicht. Erst im nächsten Schuljahr können die Gymnasien entscheiden, ob sie beim G8-Abitur bleiben oder zu G9 zurückkehren. Denn erst im Sommer 2018 soll das neue G-9-Gesetz vorliegen. Zurzeit können die Gymnasien nur ein "Stimmungsbild" ermitteln. In Moers spricht dieses für eine Rückkehr zu G 9. Beispiel Gymnasium in den Filder Benden: "Bei uns ist das sonnenklar", sagt Schulleiter Arndt van Huet. Eine große Mehrheit der Lehrer, Schüler und Eltern sei für die Verlängerung der Schulzeit. Ähnliches berichten die Leiter anderer Gymnasien.

Die CDU/FDP-Landesregierung will G 9 an Gymnasien zur Regel machen. Nach dem Gesetzentwurf erfolgt die Rückkehr zu G 9 "automatisch", wenn in der Schulkonferenz kein Antrag auf Verbleib auf G 8 gestellt wird. Die entscheidenden Sitzungen der Schulkonferenzen werden Anfang des Schuljahres 2018/19 stattfinden.

Die Hürde für G 8 ist hoch."Der Antrag muss mit einer Mehrheit von mindestens zwei Dritteln plus einer Stimme beschlossen werden", erläutert Hans van Stephoudt vom Adolfinum. Die Schulkonferenz besteht zu je einem Drittel aus Vertreten der Lehrerschaft, der Eltern und der Schüler. "Ich gehe davon aus, dass es bei uns gar nicht erst zu einem solchen Antrag kommt." Sicher wissen könne man dies aber zurzeit noch nicht. Einsetzen soll das "neue" G 9 im Schuljahr 2019/20. Die Schüler, die dann in der fünften und sechsten Klasse sind, machen ein G-9-Abi, in den Klassen darüber bleibt es bei G 8.

Dirk Mennekes, Gymnasium Rheinkamp, das Thema auch dann diskutieren und einen Beschluss pro G 9 oder G 8 herbeiführen, wenn niemand einen Antrag stellt. "Ich sehe nicht, warum G 8 nicht weiter funktionieren sollte", sagt er. In beiden Modellen gebe es gute und weniger gute Abschlüsse. Allerdings kennt auch Mennekes die Klagen darüber, dass G 8 eine (zu) hohe Arbeitsbelastung der Schüler bedeute und dass es G-8-Abiturienten an persönlicher Reife mangle. Letzteres bestätigt Hans Jürgen Hucks vom Grafschafter Gymnasium. Er nennt das Fach Philosophie als Beispiel. "Es gibt Schüler, denen die Reife fehlt, ein Problem als solches zu erkennen." G 8 sei vor ein paar Jahren nicht pädagogisch, sondern ökonomisch begründet worden, sagt Hucks. "Die Menschen sollten dem Sozialsystem länger zur Verfügung stehen."

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Wird das früher beklagte Problem "zu alter" Berufseinsteiger nach der Rückkehr zu G 9 erneut aktuell? Arndt van Huet glaubt das nicht. Es sei an vielen Stellschrauben gedreht worden: "Das Einschulungsalter ist vorverlegt, die Wehrpflicht ist abgeschafft, durch die Bologna-Reform wurden die Studiengänge verkürzt." Huet hofft, dass G 9 den Jugendlichen mehr Zeit für Aktivitäten außerhalb der Schule, etwa in Sportvereinen oder Musikschulen, lässt.

Die Einführung von G 8 vor zwölf Jahren sei holprig verlaufen, sagt Hans Jürgen Hucks. Die Hoffnung geht nun dahin, dass die Rückkehr zur G 9 besser organisiert wird. Nicht nur das Gesetz als solches lasse auf sich warten. Das Land müsse auch eine neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung erarbeiten. Es gebe noch viele offene Fragen. Dirk Mennekes nennt einige: "Wann setzt die zweite Fremdsprache ein? Was wird aus den G8-Sitzenbleibern oder denen, die keine Zulassung zum Abitur bekommen und es dann keinen G 8-Jahrgang unter ihnen mehr gibt?"

Auf Dauer werden die Gymnasien zusätzliche Räume und Lehrer für den zusätzlichen Schülerjahrgang brauchen. Und die Wirtschaft muss damit umgehen, dass ihr 2026 keine Abiturienten aus Gymnasien zur Verfügung stehen werden. Denn analog zum doppelten Abi-Jahrgang 2013, als die ersten G8- und die letzten G-9-Schüler gleichzeitig verabschiedet wurden, wird es 2025/26 kein Abi geben: Die letzten G-8-Schüler bekommen ihre Reifezeugnisse ein Jahr vorher, die ersten G-9-Abiturienten ein Jahr später.

(RP)