Moers: Moerser Gastronom soll Tochter missbraucht haben

Moers: Moerser Gastronom soll Tochter missbraucht haben

215 Mal, zwischen November 2002 und Dezember 2005: So oft soll ein Moerser Gastronom seine damals minderjährige leibliche Tochter sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. So steht es jedenfalls in der Anklageschrift, die gestern zum Prozessauftakt vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Kleve verlesen wurde.

Beim ersten Übergriff soll das Mädchen elf Jahre alt gewesen sein. Anzeige erstattete sie vor gut zwei Jahren, nachdem sie von zu Hause ausgezogen war.

Heute ist die gelernte Kosmetikerin verheirat und selber Mutter. Bereits zum zweiten Mal erzählte sie jetzt vor Gericht von einer Kindheit, die, wenn die Schilderungen so zutreffen, von Liebesentzug, Angst und Gewalt geprägt gewesen sein muss. Die Mutter, die in der Küche des Restaurants der Eltern arbeitete, soll Stress und Frust über Eheprobleme an der Tochter ausgelassen haben. Regelmäßig habe es Schläge gegeben, sagt die heute 26-Jährige. Von der Mutter und vom Vater.

Im Vergleich zu dem, was passiert sein soll, nachdem das Mädchen in die fünfte Klasse kam und anfing, in jeder Hinsicht erwachsen zu werden, war die körperliche Gewalt aber womöglich das kleiner Übel. "Du bist jetzt eine richtige Frau", soll der Vater gesagt und entsprechend gehandelt haben. Der Angeklagte streitet das alles ab. In seiner Version der Geschichte geht es in erster Linie um Rache, seine Verteidiger zweifeln die geistige Gesundheit der Tochter an.

  • Moers : Vergewaltigungsprozess zum zweiten Mal geplatzt

Die 26-Jährige leide unter einer Persönlichkeitsstörung, die sich unter anderem in manipulativem Verhalten ausdrücke, hieß es gestern vor Gericht. Den Einsatz eines psychiatrischen Gutachters lehnt die Kammer bislang allerdings ab - er könnte den Prozess erneut um Monate verschieben. Ein erster Verhandlungsversuch endete im April vergangenen Jahres mit der Vorlage eines Entlassscheins aus einer Notaufnahme in Kalabrien. Eigentlich sollte es der letzte Verhandlungstag im Vergewaltigungsprozess gegen den Gastronom sein, doch der Angeklagte erschien damals nicht, weil er in Italien einen Autounfall gehabt haben soll.

Das Gericht sah keine andere Möglichkeit, als den Prozess neu zu starten. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt.

(juha)