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Moers: Walk-In-Impfung wird gut angenommen

Impfaktion in Moers : Moerser stehen für Walk-In-Impfung an

Die meisten holten sich bei der Aktion der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein die Boosterimpfung ab und nahmen dafür Wartezeiten in Kauf. An den nächsten drei Adventswochenenden geht die Aktion weiter.

Crazy, Crazy“, meinte Alan Morris mit britischem Akzent. „Es ist verrückt, dass sich so viele nicht impfen lassen wollen.“ Der 71 Jahre alte Weezer, war am Samstagvormittag der erste, der in der Praxis von Ludwig Stephan und Stephanie Köstering geimpft wurde. Aufmerksam geworden war er auf den Termin, weil er für ein Labor für Pathologie unterwegs ist, um Befunde abzuholen, so auch für die Apotheke im Aesculap-Center.

Dort sah er am Freitag den Hinweis, dass die Praxis, die ebensfalls im Aesculap-Center links neben dem St. Josef Krankenhaus liegt, impfen ohne Termin anbietet. „Jetzt bin ich Booster“, freute er sich über seine dritte Impfspritzte, die er neben seinem Tattoo am rechten Oberarm von Ludwig Stephan gesetzt bekam. „Nach der ersten Impfung war ich ein wenig schlaff und müde, beim zweiten Mal nicht mehr.“

Von 11 bis 19 Uhr impften die beiden Ärzte am Samstag, nachdem die Aktion Walk-In-Impfen ohne Anmeldung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein am Freitag von 8 bis 16 Uhr beim Facharzt Alexander Ganske an der Kurt-Schumacher-Allee in Rheinkamp gestartet war. 200 Impfungen waren es am Ende in der Praxis im Aesculap-Center an der Xantener Straße 30. An den nächsten drei Adventssamstagen (also am 4., 11. und 18. Dezember) läuft dort das Walk-In-Impfen weiter, wieder von 11 bis 19 Uhr. „Wir hatten gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung unsere Bereitschaft erklärt“, erzählte Stephanie Köstering. „Wir waren überrascht, ohne Rücksprache sofort eingeteilt worden zu sein. Wir hatten am Freitag kurzfristig Impfstoff für Samstag zu besorgen.“ Den erhielten sie in Form von Moderna über den Apotheker Julius Krivec, der unter anderem auch das Impfzentrum am Duisburger Hauptbahnhof versorgt, das für täglich 5000 Impfungen ausgelegt ist. Bei vielen setzen die beiden Ärzte eine Kreuzimpfung um, da die Geimpften zuvor mit anderen Impfstoffen gespritzt worden waren, vor allem Biontech.

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„Vor Weihnachten sei der Spuk vorbei, habe ich am Jahresanfang gedacht“, erzählte Ludwig Stephan vielen, nachdem er gefragt hatte, wie sie die ersten beiden Impfungen vertragen hätten, bevor er ihnen die Spritze setzte. „Ich habe nicht mit 30 Prozent Ungeimpften gerechnet, die das Virus in die Gesellschaft hineintragen.“

Die Politik habe steigende Inzidenzen in Kauf genommen, meinte der Facharzt für Gynäkologie. Sie habe zum Beispiel Coronaregeln nicht konsequent kontrolliert wie in Spanien oder Frankreich, Vergehen nicht drastisch bestraft. Sie habe nicht frühzeitig eine 2G-Regelung eingeführt, weil sie auf die Bundestagswahl im September 2021 geschaut habe. Die Menschen, die am Samstag zum Walk-In-Impfen kamen, zählten zu den Impffreunden, waren meistens vorab schon zweimal geimpft.

Sie nahmen eine Stunde Wartezeit in Kauf, um sich den dritten Piks abzuholen, auch wenn Erst- und Zweitimpfungen möglich waren. Nicht wenige holten sich die Impfung mit Blick auf die Weihnachtstage ab. „Ich will meine Enkelin in den Arm nehmen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben“, sagte zum Beispiel eine Frau im besten Alter, die sich zum dritten Mal impfen ließ.

Die Aktion Walk-In-Impfen läuft die gesamte Adventszeit. 90 niedergelassene Ärzte im rheinischen Teil von Nordrhein-Westfalen beteiligen sich an der Aktion der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland. Die KV will damit ein Signal setzen, zeigen dass niedergelassene Ärzte „Lust zum Impfen und Boostern“ hätten, anders als es manchmal behauptet würde.

In der Woche vom 15. bis 21. November seien im Rheinland 313.000 Impfen durchgeführt worden, so viele wie nie zuvor. Zu 84 Prozent seien diese Impfungen in Arztpraxen durchgeführt worden.