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Moers: Von der eigenen Perspektive überrascht.

Grafschafter Diakonie in Moers : Von eigener Perspektive überrascht

Die Drogenhilfe der Grafschafter Diakonie hat eine Fotowerkstatt für Substituierte angeboten. Jetzt ist ein Kalender in Panung, der Motive aus dem Projekt zeigt.

Was sehe ich? Was interessiert mich persönlich daran? Mit diesen Fragen begannen die kreativen Tage, die die Drogenhilfe Moers für ihre Klienten organisierte. „Augenblicke meiner Welt“ hieß die Fotowerkstatt, bei der Substituierte(betreute Personen) der Moerser und Kamp-Lintforter Beratungsstelle der Grafschafter Diakonie vier Nachmittage lang zusammen mit Fotokünstler Rupert Tacke neue Erfahrungen machten. Sie probierten Einwegfotoapparate oder Spiegelreflexkameras aus, fotografierten aus der Hand, auf Stativen oder mit der Ringleuchte aufgehellt. Sie erlebten, wie sich die Welt aus der Froschperspektive oder von weiter Oben zeigt, wie Licht und Schatten den Raum verändern, wie sich die Struktur der Dinge von nahem betrachtet scheinbar modifiziert oder welche Wirkung ein Motiv im Wasser oder im Fensterglas gespiegelt besitzt.

„Ich habe ein Hobby für mich gefunden.“ Den Satz spricht Teilnehmerin Lena mit einem Strahlen aus. Beim Spaziergang am Rhein müsse ihr Partner jetzt oft auf sie warten. Sehr häufig bleibt die Moerserin stehen, um mit ihrem Smartphone Fotos zu machen. „Man entdeckt jetzt so vieles und läuft mit einem komplett anderen Blick durch die Gegend“, sagt Teilnehmerin Silke. Die beiden sind zwei von 207 Männern und Frauen, die die Drogenhilfe an den Standorten Moers und Kamp-Lintfort im Rahmen ihrer Substitutionsbehandlung begleitet. Sie halten ihre Suchterkrankung in Schach, indem sie einen vom Arzt verschriebenen Ersatzstoff nutzen. An normalen Tagen sind die Diakonieberater zum Beispiel in psychischen Krisen als Gesprächspartner da oder stehen in praktischen Fragen der Existenz zur Seite. Die schöpferische Abwechslung vom Alltag haben die Suchthelfer bewusst geschaffen: „Wir hatten uns bei der Aktion Mensch um Mittel beworben und das Freizeitangebot gemacht, weil wir glaubten, dass es den Klienten gut tun würde, einmal nicht über gesundheitliche Themen mit uns zu sprechen oder über das, was gerade schwierig ist“, sagt Manuela Oerzmann, die bei der Grafschafter Diakonie auch für die Begleitung der Substituierten zuständig ist. Bemerkenswert sei die vertrauensvolle Atmosphäre gewesen, die bei der intensiven Arbeit entstanden ist. Auf diese Weise sind erstaunliche Motive zustande gekommen.

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Das Metall des Geländers hinter der alten Friedhofskapelle an der Rheinberger Straße sieht von nahem fotografiert wie ein Kunstwerk aus, die Schatten im oberen Teil einer Parklaterne machen aus dem Gegenstand ein Gesicht mit tiefliegenden Augen. Und die Freundinnen Lena und Silke schufen mittels Selbstauslöser ein doppeltes Selbstporträt. Darauf sind zwei ausdrucksstarke Persönlichkeiten zu sehen - und ihre Nähe zueinander. Ein Kalender im DIN-A3-Format, der die Motive aus der Fotowerkstatt zeigt, ist derzeit in Arbeit. Kontakt: Manuela Oerzmann, 02841 88067484