1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Moers: Viel Platz für Radfahrer

Radfahren in Moers : Viel Platz für Radfahrer

Radfahren soll in Deutschland sicherer werden. Am 14. Februar gab es grünes Licht vom Bundesrat für Änderungen der Straßenverkehrs-Ordnung.

Ziel der von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vorgelegten Reform ist es, „Radfahrern mehr Rechte einzuräumen, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und eine sichere, klimafreundlichere und modernere Mobilität zu fördern“. Es gibt nun einen festgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Meter (gemessen ab Lenker) im Ort und zwei Meter außerorts. Bisher mussten Autofahrer lediglich einen „ausreichenden“ Abstand beim Überholen von Radfahrern einhalten. An gefährlichen Stellen soll ein Schild Autos und Lkw das Überholen einspuriger Fahrzeuge verbieten können.

Wie gehen die Städte mit der neuen Straßenverkehrsordnung um? Bei der Stadt Moers wartet man nun zunächst auf die sogenannte Verwaltungsvorschrift. „Dann werden wir uns verschiedene Stellen vor Ort genau ansehen und die Verkehrssituation untersuchen“, so Thorsten Schröder, Sprecher der Stadt Moers. Eine konkrete Stelle, die genau unter die Lupe genommen werden müsste, nennt er auch gleich: Die Rheinberger Straße von der Baerler Straße bis zur Trotzburg. „Hier wissen wir bereits, dass die Situation für Radfahrer schwierig ist. Wenn wir hier nach Prüfung die Möglichkeit hätten, wäre das eventuell eine mögliche Stelle für ein Überholverbot.“ Man müsse allerdings auch abwägen, da es sich hier um eine Hauptverkehrsstraße handelt.

Auch die Stadt Neukirchen-Vluyn wird die in ihrer Verantwortung liegenden Straßen einer Prüfung unterziehen. „Dafür wird das Ordnungsamt als Straßenverkehrsbehörde zunächst in Zusammenarbeit mit der Polizei als Kontrollinstanz des fließenden Verkehrs potenzielle Gefahrenstellen identifizieren und ggf. Maßnahmen anordnen“, heißt es seitens der Stadt. In Verbindung mit dem im Dezember 2019 beschlossenen klimafreundlichen Mobilitätskonzept seien dies überdies kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen vorgesehen, „die selbstverständlich unter Beachtung der nun geltenden Rechtslagen erfolgen“. In der Zwischenzeit will die Stadtverwaltung darauf hinwirken, dass an Gefahrenstellen vermehrt Verkehrskontrollen durchgeführt werden.

In Kamp-Lintfort kann die Stadt aktuell noch nicht sagen, welche Auswirkungen die neuen Vorgaben konkret auf Straßenplanung und Verkehrsführung von Fahrradwegen und Straßen haben werden. Aktuell wartet auch hier die Verwaltung noch auf aktuelle Informationen von Landesebene und Bezirksregierung.

Karl-Heinz Degen, Ortsgruppensprecher vom ADFC Moers/ Neukirchen-Vluyn, freut sich natürlich über die Änderung der Straßenverkehrsordnung: „Es ist erfreulich, dass was für die Sicherheit der Radfahrer getan wird. Allerdings ist es jetzt auch wichtig, dass in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Gefahren geschaffen wird.“ Vielen Autofahrern sei gar nicht bekannt, dass ein Mindestabstand beim Überholen eingehalten werden müsse. „Was nutzt eine Abstandsregelung, wenn die Autos weiterhin zu dicht an den Radfahrern vorbeifahren?“

Degen setzt sich schon lange für die Sicherheit der Radfahrer ein. Auf all seinen Touren trägt er eine auffällige Warnweste, die auf den Sicherheitsabstand aufmerksam macht. „Ich werde oft darauf angesprochen, die meisten Reaktionen sind positiv.“ Am Beispiel der Hartfeldstraße in Neukirchen-Vluyn zeigt er uns die Problematik für den Verkehr gerade auf schmalen Straßen. „Die Hartfeldstraße ist insgesamt sieben Meter breit, wenn man den Abstand zum Bordsteinkante, die Breite des Fahrrads und den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand berücksichtigt, wird schnell ersichtlich, dass ein Überholen, ohne in den Gegenverkehr zu kommen, nicht möglich ist.“ Die Abstandregelung macht Fahrräder damit sozusagen zu einem Verkehrsmittel mit Autobreite und der Sicherheitsabstand reicht an vielen Straßen bis zur Begrenzung der Spur. Autos müssen also auf die andere Fahrbahn ausweichen, wenn sie den gesetzlichen Abstand einhalten wollen. Wenn das nicht geht, müssen sie hinter dem Radfahrer bleiben, bis der Spurwechsel möglich ist.