Moers: Viel Applaus für das Rockoratorium

Konzert in Moers : Viel Applaus für das Rock-Oratorium

Projektchor und Stadtkirchenorchester führten das Werk auf, das mit dramatischen und herzergreifenden Stücken die Zuhörer mitreißt.

In der Elisabethkirche in Voerde hatten 200 Zuhörer am Freitag vor einer Woche das Rockoratorium Emmaus begeistert aufgenommen, am Sonntag vor einer Woche waren es 240 Zuhörer in der Vincentiuskirche in Dinslaken. Am Sonntag waren Zuhörer wieder mitgerissen, als der Projektchor Emmaus und das Orchester der Stadtkirche Moers das Werk des Komponisten Thomas Gabriel aufführten. 220 Menschen applaudierten in der Stadtkirche bereits zur Pause lange, um am Ende aufzustehen und nicht mehr mit dem Klatschen aufhören wollten.

Hätte Stefan Büscherfeld sie nicht darauf hingewiesen, das Klatschen während der Aufführung zu unterlassen, hätten sie wohl mehrfach auch Szenenapplaus gegeben. Der Trompeter, Chorleiter und Dirigent hatte seine Musiker und Sänger eineinhalb Jahre lang auf die dreifache Aufführung bestens vorbereitet, zunächst mit einer Probe im Monat und zuletzt einer pro Woche. Er habe ein ungeheures Talent, Menschen zu motivieren und sie, insgesamt 100, so lange bei der Stange zu halten, erzählte einer der Sänger während der Pause.

Sieben der 100 Sänger zeigten ihre stimmliche Gewalt auch als Solisten in dem Oratorium von 2002, dessen Handlung sich an die Emmaus-Geschichte im Lukas-Evangelium anlehnt. Darin wandern Jünger nach Kreuzigung und Tod Jesu enttäuscht von Jerusalem nach Emmaus. Sie kommen mit einem Fremden ins Gespräch, den sie am Ende als den auferstandenen Heiland erkennen. Patrick Kellert verlieh Kleopas die Stimme, der männlichen Hauptrolle, sowie Pilatus, Steffi Seif Thekla der weiblichen Hauptrolle, um die die Emmaus-Geschichte von Texter Eugen Eckhard ergänzt wurde. André Gebhardt sang die Rolle des Fremden, Anna Papierz die der Mutter Theklas. Außerdem schlüpfte sie zusammen mit Jessica Kretschmer und Nicole Weltgen in die Rollen der drei Frauen, die in einer Rückblende das leere Grab entdecken. Ferner sangen Christian Mönig die Rolle des Evangelisten und Birgit Sommer die der ersten Anklägerin.

Die Musik des Oratoriums transportiert Gefühle und nimmt verschiedene Genres auf. Zum Beispiel spielt das Orchester auf dem Weg nach Emmaus den Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ von Johann Sebastian Bach, der auf das gleichnamige Kirchenlied von Hans Leo Haßler und Paul Gerhardt zurückgeht. Im Hause des Levi erklingt Klezmermusik. Und wenn Jesus gekreuzigt wird, ist eine Musik zu hören, die an die Musik im Film „Fahrenheit 451“ von Bernard Herrmann erinnert, wenn die „Feuerleute“ zum Bücherverbrennen ausrücken. Sie ist dramatisch und herzergreifend. So erleben die Zuhörer die ganze emotionale Breite der Emmaus-Geschichte, die von Verzweiflung über den Tod Jesu, mit dem die Orientierung verloren geht, bis Hoffnung und Freude reicht, weil Jesus fortwirkt. Das Oratorium endet mit dem rockigen Gesang: „Brot des Lebens, Brot der Welt.“

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