Moers verbietet Glyphosat auf stadteigenen Flächen

Einsatz von umstrittenem Pflanzenschutzmittel : Stadteigene Flächen werden in Moers glyphosatfrei

Pächter sollen auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel künftig verzichten. Wer sich nicht an die Vorgabe hält, muss mit Kündigung rechnen.

2015 begann die Debatte über die Krebsgefahr, die von Glyphosat ausgeht, dem Herbizid, das 40 Jahre zuvor vom Unternehmen Monsanto entwickelt wurde und zum Beispiel Bestandteil von „Roundup“ ist. Diese Debatte erreichte auch Moers, besonders im April 2019. Zunächst hatte die Stadt das Mittel auf Flächen, die sie verpachtet, dulden wollen, während sie es auf Flächen, die sie oder die Enni pflegen, ohnehin nicht einsetzte.

Diese Haltung wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz BUND scharf kritisiert. Die Stadt schwenkte daraufhin um. Anfang Oktober beschloss der Rat, Glyphosat auf stadteigenen, verpachteten Flächen zu verbieten. Zurzeit ist die Verwaltung dabei, die Pächter anzuschreiben und ihnen zu kündigen, wenn sie nicht auf Glyphosat verzichten wollen, wie Beigeordenter Wolfgang Thoenes am Montag im Ausschuss für Bauen, Wirtschaft und Liegenschaften berichtete. In einer ersten Abfrage hatten sechs Pächter erklärt, sie wollten nicht auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit dem umstrittenen Wirkstoff verzichten. Bis zum Jahresende hätten sie Zeit, sich verbindlich zu äußern, teilte Thoenes mit. Insgesamt bewirtschafteten sie 24 Hektar. Mögliche Kündigungen von Flächen sollten bis Ende April des kommenden Jahres ausgesprochen werden, heißt es. Bis Ende Oktober 2020 hätten die Pächter dann Zeit, die Fläche zu räumen.

Weitere 19 Pächter, die insgesamt 28 Hektar bewirtschaften, verzichten bereits heute auf Glyphosat, sagte Thoenes. Bei diesen Verträgen soll durch einen Zusatz verbindlich festgelegt werden, dass das Pflanzenschutzmittel nicht mehr eingesetzt wird.

Moers kommt mit dieser Entscheidung der Europäischen Union zuvor, die erst Ende 2023 den Einsatz von Glyphosat deutlich einschränken will. Von dieser Reglementierung wären alle Ackerflächen betroffen, nicht nur die stadteigenen 52 Hektar, die nur einen kleinen Anteil der bewirtschaften Fläche ausmachen. Nicht wenige landwirtschaftliche Betriebe am Niederrhein bewirtschaften heute eine Fläche, die doppelt so groß ist.

In der nächsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Wirtschaft und Liegenschaften will Wolfgang Thoenes am 3. Februar informieren, wie sich die sechs Pächter entscheiden, die zurzeit noch Glyphosat einsetzen.