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Moers: Ursula Wiltsch wird die Bibliothek zur Open Library entwickeln.

Interview mit der Leiterin Ursula Wiltsch : Moerser Bibliothek wird sich noch weiter öffnen

Unter der Leitung von Ursula Wiltsch wird die Bibliothek im Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum zur Open Library weiter entwickelt.

Frau Wiltsch, Sie haben seit 2009 die Stadtbibliothek Kempen erfolgreich geleitet. Was hat Sie gereizt, sich um  die Bibliotheksleitung in Moers zu bewerben?

Wiltsch Ich wollte gerne etwas Neues wagen. Meine drei Kinder sind groß und brauchen mich nicht mehr so sehr. Und in Kempen ist die Umwandlung  von einer Kreisbibliothek in eine moderne Stadtbibliothek gelungen, so dass ich eine neue Herausforderung gesucht habe. So war es ein Glücksfall, dass die Leitungsposition in Moers frei wurde. Die Bibliothek im Hanns-Dieter-Hüsch-Zentrum ist mir nicht fremd. Ich kenne die Kollegen am Niederrhein durch den Onleihe-Verbund und durch das KRZN. Wir haben alle dasselbe Bibliothekssystem.

Ihr Arbeitsplatz ist in Moers größer geworden.

Wiltsch Ja, die Stadtbibliothek in Kempen ist  nur ein Drittel so groß wie die Moerser. Der Bestand setzt sich aus 52.000 Medien zusammen. Die Bibliothek in Moers hält in der Hauptstelle im Bildungszentrum und den zwei Zweigstellen in den Ortsteilen Repelen und Kapellen rund 118.000 physische  und  über die Onleihe  22.000 virtuelle Medien vor.

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Welchen Herausforderungen müssen Sie sich in Moers denn stellen?

Wiltsch Ich habe einen klaren Arbeitsauftrag. Meine Aufgabe ist es, die im Kulturentwicklungsprozess entwickelten Empfehlungen auf den Weg zu bringen. Dazu gehört auch die Entwicklung  der Bibliothek zur Open Library.  Es geht darum, das Haus mehr zu öffnen und den Medienbestand zugänglicher zu machen.

Wie werden Sie dabei vorgehen?

Wiltsch Die Umsetzung ist in mehrere Phasen aufgeteilt. Als erstes wird das Bildungszentrum flächendeckend mit einem funktionierenden W-Lan ausgestattet. So schaffen wir die Grundlage dafür, dass Besucher im Haus nicht räumlich gebunden sind, um das Internet zu nutzen. Ein Antrag ist  gestellt. Im zweiten Schritt wollen  wir ein  Selbstlernzentrum aufbauen – für Schüler beispielsweise, die hier ihre Freistunden zum Lernen nutzen möchten, aber auch für Migranten. Es ist angedacht, dafür die  Empore in der Bibliothek auszubauen.  Dies soll in Kooperation mit der VHS geschehen. Unser Ziel ist es, die Bibliothek neben dem Arbeitsplatz und dem Zuhause zum „dritten Ort“ zu entwickeln.

Und im dritten Schritt folgt die Öffnung der Open Library. Wissen Sie schon, wann das sein wird?

Wiltsch Wir haben jetzt erst einmal  eine Menge abzuarbeiten. Ich gehe davon aus, dass Ende 2018 ein Antrag auf Förderung beim Land gestellt werden kann. Die Moerser Bibliothek ist in NRW zurzeit die größte, die sich auf den Weg macht, Open Library zu werden.

Viele Bibliotheken verkleinern ihren Medienbestand, um ihn für das Publikum attraktiver zu halten. Haben Sie das in Moers ebenso vor?

Wiltsch  Die Stadt Moers ist zu groß und das Publikum zu anspruchsvoll, um in der Bibliothek nur Grundlagen-Medien anzubieten. Wir versuchen, alle Generationen anzusprechen.

Welchen Ideen haben Sie denn mitgebracht, die Sie in Moers  gerne umsetzen würden.

Wiltsch Der Vorteil ist ja, dass man als „die Neue“ einen unverstellten Blick hat. Deshalb könnte ich es mir gut vorstellen, das Erdgeschoss der Bibliothek mit gemütlichen Sitzecken noch komfortabler einzurichten. Vielleicht ist es möglich, eine kleine Bühne für Lesungen und Musikveranstaltungen zu etablieren. Moers ist ja eine  Bibliothek mit 600 Veranstaltungen im Jahr, das sind zwei am Tag.  Aktuell ist es mir auch  wichtig, meine Kollegen besser kennenzulernen, um ihre Begabungen und Potenziale herauszukitzeln, damit sich alle nach ihren Interessen einbringen können.  Außerdem geht es jetzt darum, die Bibliothek nach außen weiter als bisher zu öffnen. Dazu gehören ab Januar die erweiterten Öffnungszeiten von 31 auf 35 Stunden.

Als Bibliotheksleiterin sind Sie vor allem mit Organisation und Management befasst. Welche Bereiche einer Bibliothek  liegen Ihnen besonders am Herzen?

Wiltsch Die Leseförderung ist mir sehr wichtig. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit lag auch immer  im Kinder- und Jugendbereich. So habe ich selbst eine Weiterbildung zur Bibliothekspädagogin absolviert. Kinder sind so unmittelbar, ihre Reaktionen so unverfälscht. Es ist wichtig, ihnen mit Angeboten wie dem Bilderbuch-Kino zu helfen, den aktiven und passiven Sprachschatz zu erweitern. Deswegen bin ich auch glücklich darüber, dass es in Moers eine Bibliothekspädagogin gibt. Auch im Jugendbereich ist unsere Einrichtung sehr gut aufgestellt. Die Moerser Jugendbuch-Jury ist bundesweit ein Leuchtturm. Sie erfährt eine große Resonanz bei den Verlagen.

Wie wollen Sie das Angebot noch erweitern?

Wiltsch Ich würde gerne im nächsten Jahr einen Sommerleseclub anbieten, in dem Kinder in anderer Form kreativ werden können. In Kempen habe ich in einem Pilotprojekt an dem Konzept mitgewirkt.  Es hat einen integrativen Ansatz, bei dem Eltern und Kinder nicht nur gemeinsam Bücher lesen, sondern diese auch kreativ in Szene setzen. Der Preis ist ein Lese-Oskar.

Kinder und Jugendliche können in Zeiten von Facebook und Co. aus einer großen Medienvielfalt auswählen, wird es für sie als Bibliothekarin nicht immer schwieriger, sie auch zum Lesen eines Buches zu animieren?

Wiltsch Je früher man Kinder ans Lesen gewöhnt, desto leichter gewinnt man sie, ein Buch zur Hand zu nehmen. Man kann das Lesen zum Beispiel mit kreativen Elementen verbinden, so dass sie ein Buch mit mehreren Sinnen erleben können. Auf der anderen Seite ist die Digitalisierung ein wichtiges Thema, auf das wir uns als Bibliotheken schon längst eingestellt haben. In der Onleihe können Sie E-Books und E-Papers ausleihen. Wir setzen auch Apps ein, die wie ein Suchspiel durch die Bibliothek aufgebaut sind