Moers: Moers unter Strom

Moers: Moers unter Strom

Amprion stellt morgen den Wunschkorridor für die Gleichstromverbindung A-Nord vor. Die Moerser Bürgerinitiative kämpft weiter für Erdkabel in Utfort.

Wenn Amprion morgen in Wesel den aus seiner Sicht besten Korridor für die neue Gleichstromverbindung A-Nord zwischen Emden an der Nordsee und Meerbusch-Osterath öffentlich bekanntgibt, wird Helmut Breitfeld, erster Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) "Moers unter Hochspannung", ganz genau hinhören. Zwar handelt es sich bei der bestehenden oberirdischen Stromtrasse, die in Meerfeld die geschlossene Wohnbebauung durchschneidet und in ihrem Verlauf unter anderem eine Kindertagesstätte und eine Grundschule quert, und "A-Nord" um zwei unterschiedliche Projekte. Hinter beiden steht jedoch der Übertragungsnetzbetreiber aus Dortmund, mit dem sich die Bürgerinitiative seit rund vier Jahren auseinandersetzt.

Seither kämpft Breitfeld für eine Verlegung der Bestandstrasse - am liebsten unter die Erde, zumindest aber oberirdisch aus dem Wohngebiet heraus. Da das Gesetz mittlerweile vorschreibt, dass A-Nord überwiegend als Erdkabel verlegt wird, fragt sich der Initiativvorsitzende, warum das nicht auch für die durch Moers verlaufende Wechselstromleitung möglich ist.

Zur Erklärung: Die Gleichstromverbindung A-Nord ist Teil der Gleichstromverbindung Korridor A und im Bundesbedarfsplan gesetzlich verankert. Korridor A soll künftig eine der Hauptschlagadern im deutschen Übertragungsnetz sein und Windenergie vom Norden in die Mitte und den Süden Deutschlands transportieren. Im Juli vergangenen Jahres hat Amprion mögliche Korridore für die A-Nord-Trasse vorgestellt.

Die Korridore beschreiben in unterschiedlichen Varianten die denkbaren Verläufe des mehr als 300 Kilometer langen und einen Kilometer breiten Streifens, über den die 24 Meter breite Erdkabeltrasse künftig geführt werden soll. Zwei Varianten würden Moers und Kamp-Lintfort berühren. Eine würde, von Hamminkeln kommend, den Rhein bei Wesel unterqueren, die andere bei Voerde den Fluss erreichen. Beide träfen in Kamp-Lintfort zusammen. Eine dritte Route könnte von Dinslaken her kommend und ab Repelen der A 57 südwärts bis zur A40 folgen und von dort südwestlich in Richtung Krefeld laufen.

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Eine unterirdische Rheinquerung bei Voerde sieht auch Helmut Breitfeld als möglich Lösung für das Moerser Problem. Einfach umzusetzen ist die aber wohl nicht. "Zum einen ist es rein technisch schwierig, Wechselstrom unter die Erde zu bringen", erklärt Amprion-Sprecher Andreas Preuß. Zum anderen gebe es kein entsprechendes Pilotprojekt wie beim Gleichstrom. Allein schon deshalb dürfte die Wechselstromleitung nicht unter die Erde gelegt werden.

Sicher ist: Das Energieleitungsausbaugesetz schreibt vor, dass die bestehende 220-KV-Leitung in Moers auf 380 KV ausgebaut werden muss. Für Utfort wurde die Planung zurückgestellt. Voraussichtlich im Laufe des zweiten Halbjahrs wird sich diesbezüglich wieder etwas tun, so Preuß.

Die Bürgerinitiative "Moers unter Hochspannung" hofft derweil auf ein neues Bohrverfahren zur grabenlosen Verlegung von Höchstspannungserdkabeln, das Amprion und die RWTH Aachen gemeinsam mit dem Bohrspezialisten Herrenknecht testet. "Die Erde muss dafür nicht aufgebrochne werden", sagt Breitfeld. "Das macht die Sache im Zweifel wesentlich kostengünstiger."

(RP)