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Moers und Neukirchen-Vluyn: SPD will Niederrheinbahn anschieben 

Verbindung zwischen Moers und Neukirchen-Vluyn : SPD will Bahnlinie reaktivieren

Die Bürgermeisterkandidaten aus Moers und Neukirchen-Vluyn setzen sich zusammen mit dem Fahrgastverband Pro Bahn dafür ein, die Strecke der Niederrheinbahn von Moers nach Neukirchen und Vluyn wiederzubeleben.

Am Samstag vor einer Woche empfing Verkehrsminister Hendrik Wüst den ersten Personenzug in Kamp-Lintfort. Zur Jungfernfahrt war er an die neue Haltestelle Kamp-Lintfort Süd an der Kattenstraße gekommen, zu der bis zum 11. Oktober 2020, wenn die Landesgartenschau endet, an Samstagen und Sonntagen stündlich Triebwagen unterwegs sind. Dann endet der Pendelverkehr, dem 2026 ein täglicher Regelverkehr als Niederrheinbahn RB 44 folgen soll. Parallel dazu sollte die Bahnstrecke von Moers nach Neukirchen-Vluyn reaktiviert werden, die genauso Niederrheinbahn heißen soll, fordern Ibrahim Yetim und Ralf Köpke als SPD-Bürgermeisterkandidaten dieser beiden Städte sowie SPD-Landratskandidat Dr. Peter Paic.

Am Freitag besichtigten sie die Vossloh Locomotives GmbH, die an der Baerler Straße nahe der „Glück-Auf-Schranke“ liegt und dort Diesellokomotiven repariert. „Werksleitung und Betriebsrat befürworten eine Reaktivierung der Strecke“, berichtete anschließend Ibrahim Yetim. „Vossloh würde auch Fläche für die Reaktivierung bereitstellen.“ Um Personen zum Umsteigen auf die Bahn zu motivieren, müsste über das Vossloh-Werksgelände eine Brücke gebaut werden, damit Züge aus Neukirchen-Vluyn über Moers direkt nach Duisburg weiterfahren können.

Würde das nicht passieren, müssten Züge erst in den einstigen Kreisbahnhof Moers einfahren, dort halten, eine kurze Fahrt Richtung Rheinberg aufnehmen, in Meerbeck halten und dann Richtung Moerser Bahnhof starten. Dieser doppelte Richtungswechsel würde inklusive vorgeschriebener Sicherheitspausen zehn Minuten Zeit in Anspruch nehmen und so einen Umstieg auf die Bahn wenig attraktiv machen.

Genau diesen Umstieg wollen die die Sozialdemokraten ermöglichen. „In Moers gibt es 57.000 Ein- und Auspendler, in Neukirchen-Vluyn 16.000“, sagt Ralf Köpke. „Die Niederrheinbahn ist für sie ein Angebot, auf die Schiene umzusteigen. Das würde die A 40 und die A 42 entlasten. Niemand steht dort gerne im Stau.“

Nach dem Besuch bei Vossloh schauten sich die drei Kandidaten den möglichen ersten Haltepunkt an, der nahe dem Bahnübergang an der Einmündung der Repelener Straße in die Mühlenstraße liegen könnte. Dieser erste Haltepunkt könnte den Namen Moers-Bildungscampus erhalten, weil unweit gerade der Neubau für Berufskollegcampus des Kreises entsteht. Die weiteren Haltepunkte wären Hülsdonk, Neukirchen, Niederbergquartier und Vluyn.

„Jetzt müssen sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und Gespräche aufnehmen, die Bürgermeister von Moers und Neukirchen-Vluyn, der Kreis, die Niag als möglicher Betreiber sowie der Verkehrsverband Rhein-Ruhr“, sagte am Freitag Lothar Ebbers als Pro-Bahn-Pressesprecher für Nordrhein-Westfalen. „Die Bedingungen für eine Reaktivierung waren noch nie so gut wie jetzt.“ Der VRR habe im April 2020 beschlossen, sich mit 50 Prozent an den Kosten für Gutachten nach der standardisierten Bewertung zu beteiligen, das für eine Reaktivierung vorzulegen ist. Bis zum Ende nächsten Jahres könne eine solches Gutachten für die Niederrheinbahn erarbeitet sein, so Ebbers. Der VRR und das Land würden jetzt 95 Prozent der Investitionskosten tragen, der VRR den laufenden Bahnbetrieb bezuschussen.

Eine stillgelegte Bahnlinie, die noch für den Eisenbahnverkehr gewidmet sei, sei leichter in Betrieb zu nehmen, als eine Bahnlinie, die entwidmet sei, betonte der Pro-Bahn-Sprecher. Trotzdem würde eine Reaktivierung viele Jahre dauern.