Trash-TV-Influencer Staatsanwaltschaft Moers ermittelt gegen Henrik Stoltenberg

Moers · Im Oktober hat der Trash-TV-Star, Influencer und Enkel des 2001 verstorbenen CDU-Politikers Gerhard Stoltenberg eine Influencer-Akademie in Moers eröffnet. Warum das Gastspiel in der Grafenstadt nun schon wieder beendet ist.

Über der Classic-Tankstelle an der Uerdinger Straße eröffnete Henrik Stoltenberg (2.v.r.) Anfang Oktober 2022 eine Influencer-Akademie. Beraten und unterstützt wurde er von Unternehmer Holger Hetzel.(3.v.r.). Mittlerweile hat Hetzel die Zusammenarbeit beendet.  RP-Foto: nop

Über der Classic-Tankstelle an der Uerdinger Straße eröffnete Henrik Stoltenberg (2.v.r.) Anfang Oktober 2022 eine Influencer-Akademie. Beraten und unterstützt wurde er von Unternehmer Holger Hetzel.(3.v.r.). Mittlerweile hat Hetzel die Zusammenarbeit beendet. RP-Foto: nop

Foto: Norbert Prümen

Anfang Oktober noch feierte Deutschlands Influencer-Szene über der Classic-Oil-Tankstelle an der Uerdinger Straße die Gründung der „Stoltenberg AG“. Mit einer Werbeagentur und Influencer-Akademie wollte Trash-TV-Star Henrik Stoltenberg ein Leben als Unternehmer starten – „auf dem Land, in Moers“, wie er damals betonte; abseits des schrillen Partylebens in der Großstadt Köln. Kein halbes Jahr später ist Stoltenbergs Gastspiel in der Grafenstadt schon wieder vorbei. Hintergrund sind staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen den 26-Jährigen.

Wie die Sprecherin der Moerser Staatsanwaltschaft, Alexandra Wiese, auf Anfrage bestätigte, wird gegen Henrik Stoltenberg unter anderem wegen Körperverletzung ermittelt. Er soll am 30. Oktober vergangenen Jahres bei einer Auseinandersetzung in den frühen Morgenstunden einer Frau mehrere Bissverletzungen zugefügt haben. Darüber hinaus werde geprüft, ob in diesem Zusammenhang noch weitere Tatbestände erfüllt seien, sagt Wiese. Weitere Einzelheiten wolle man aus Opferschutzgesichtspunkten derzeit nicht nennen. Die Bild-Zeitung hatte zuerst über den Vorfall berichtet.

Stoltenbergs Moerser Geschäftspartner, Unternehmer und Tankstellenbetreiber Holger Hetzel, hat inzwischen sämtliche geschäftlichen und privaten Beziehungen zu seinem einstigen Werbegesicht beendet. Stoltenbergs Büro über der Tankstelle ist bereits geräumt, die Eigentumswohnung an der Marie-Curie-Straße in Vinn, die ihm Hetzel überlassen hatte, musste er verlassen. Dort soll es zu dem Angriff auf die Frau gekommen sein.

„Es gab bereits mehrfach Ärger mit der Polizei“, sagt Hetzel. Wirklich bewusst geworden sei ihm das Problem allerdings erst im Laufe eines Prozesses in Köln. Im Februar verurteilte das dortige Amtsgericht Henrik Stoltenberg wegen Volksverhetzung, weil er aus dem Fenster seiner damaligen Wohnung „Heil Hitler“ gebrüllt und Polizeibeamte rassistisch beleidigt hatte.

„Im Prozess – von dem wir nur durch Zufall über die Gerichtspost erfahren haben, weil Henrik damals bei uns zu Hause in Schermbeck gemeldet war – hat sich dann herausgestellt, dass er bereits wegen Körperverletzung und Nötigung vorbestraft ist“, erzählt Hetzel. „Das hat bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht. Wer Gewalt gegen andere Menschen ausübt, hat bei uns nichts zu suchen.“

Nach dem Kölner Gerichtsurteil hat der Fernsehsender RTL die Zusammenarbeit mit dem 26-Jährigen beendet. Auch für das Modelabel ‚Youprom‘, das Hetzels Ehefrau gehört, wird der Influencer und gelernte Fitnesscoach nicht mehr modeln. Den Werbe-Job hat der ebenfalls durch Reality-Formate bekannt gewordene Calvin Kleinen übernommen.

Henrik Stoltenberg wurde dem Trash-TV-affinen Publikum 2020 bekannt. RTL2 startete damals eine neue Staffel der Reality-Doku ‚Love Island – Heiße Flirts und wahre Liebe‘: Nach zwei Tagen auf der Liebesinsel konnte der Enkel des 2001 verstorbenen CDU-Politikers und Ex-Bundesverteidigungsministers Gerhard Stoltenberg bereits eine stattliche Bilanz vorweisen. „Tag zwei – Frau drei“, schrieb der Sender in seiner Pressemitteilung.

Es folgte ein weiteres Format (‚Promis unter Palmen’), das wegen des plötzlichen Todes von Teilnehmer Willi Herren aber kurzfristig abgesetzt wurde, und eine veritabele Influencer-Karriere (aktuell 223.000 Follower auf Instagram).

Aus Köln an den Niederrhein kam der 26-Jährige schließlich über Hetzel. Bei einem Kongress hatte der nämlich davon gehört, wie gut sich Unternehmen und Produkte – auch solche, die auf den ersten Blick gar nicht glamourös und sexy erscheinen – über Influencer vermarkten lassen. Influencer sind bekanntlich Menschen, die in sozialen Netzwerken sehr viele andere Menschen erreichen. Sie berichten zum Beispiel von ihrem Leben, machen dabei Werbung und bekommen dafür Geld.

Und so lernten sich Hetzel und Stoltenberg im Juli vergangenen Jahres zum ersten Mal bei einer Kampagne für die Moerser ‚Classic‘ kennen. Stoltenbergs Aufgabe war es, einfach nur da zu sein. Das reichte schon. „Die Reaktionen waren unfassbar“, sagt Hetzel. „Die Leute haben uns die Bude eingerannt.“

Die Akademie zur Förderung des ‚Content Creator‘-Nachwuchses will der Unternehmer in Zukunft weiterbetreiben. Es gebe eine Influencerin, die Interesse habe, sagt Hetzel.

 ‚Bon Schlonzo‘ ist Henrik Stoltenbergs Spitzname. Zur Eröffnungsparty der Influencer-Akademie wurde damit eine schwarze Limousine beschriftet.

‚Bon Schlonzo‘ ist Henrik Stoltenbergs Spitzname. Zur Eröffnungsparty der Influencer-Akademie wurde damit eine schwarze Limousine beschriftet.

Foto: Norbert Prümen
2020 war Henrik Stoltenberg Kandidat bei ‚Love Island‘.

2020 war Henrik Stoltenberg Kandidat bei ‚Love Island‘.

Foto: TVNow/RTL2

Henrik Stoltenberg war für eine Stellungnahme zu den aktuellen Vorwürfen nicht erreichbar. In einem schriftlichen Statement auf seinem Instagram-Profil schreibt er, das Urteil des Amtsgerichts Köln habe ihn sehr überrascht und er werde „aus sehr guten Gründen in Berufung gehen“. Er lasse sich nicht in eine rechte Ecke stellen, weil er da nicht hingehöre. Enttäuscht sei er natürlich über das Ausmaß der Vorverurteilung.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort