Moers: Straßenkünstler Muffin erhebt Vorwürfe gegen Stadtverwaltung

„Immer feindlicher“ : Straßenkünstler erhebt Vorwürfe gegen Stadt Moers

Seifenblasen-Mann Muffin fühlt sich vom Moerser Ordnungsamt drangsaliert. Mit einem Facebook-Post hat er eine rege Diskussion entfacht. Die Stadt Moers indes hat eine andere Sicht auf die Dinge.

Sein bürgerlicher Name lautet Carsten Müller, er nennt sich aber Muffin. Vor drei Jahren hat er das "Standardleben" hingeschmissen. "Ich habe den Rucksack gepackt, um die Welt zu erkunden", sagt der Moerser, der als Straßenkünstler herumzieht und von Spenden der Passsanten lebt. Früher hat er jongliert, jetzt macht er spektakuläre Seifenblasen. Auch in Moers kennt man ihn, der mit seinen Dreadlocks, unkonventioneller Kleidung und meist nackten Füßen auffällt. "Ich bin den Moersern dankbar", sagt Muffin. "Sie haben mich als Künstler groß gemacht."

Muffins Bild der Stadt hat gerade aber einige Kratzer erlitten. Es gab einen unschönen Vorfall am Altmarkt. Wie immer ließ Muffin Musik aus einem Bluetooth-Lautsprecher zu seiner Show laufen. Irgendwann sei ein Mitarbeiter des Ordnungsamts aufgetaucht und habe ihn angewiesen, das Gerät auszuschalten, angeblich weil elektronisch verstärkte Musik im öffentlichen Raum genehmigt werden müsse. Den Vorschlag, die Musik leiser zu stellen, habe der städtische Mitarbeiter abgelehnt. "Er sagte, wenn er mich noch einmal mit Musik erwische, dann beschlagnahmt er den Lautsprecher." Es kam zu einem Wortgefecht, schließlich habe das Ordnungsamt einen Platzverweis ausgesprochen und mit der Polizei gedroht. Der Seifenblasen-Mann vermutet, dass sich jemand bei der Stadt beschwert hatte. Er könne verstehen, dass das Ordnungsamt in einem solchen Fall nicht tatenlos bleiben könne. Allerdings sei er vor rund zwei Jahren bei einer Mitarbeiterin des Ordnungsamts gewesen, um eine Genehmigung für den Lautsprecher zu beantragen. "Sie sagte, dass er nicht genehmigt werden muss."

Die Geschichte hat der Straßenkünstler bei Facebook ("Du bist Moerser, wenn") veröffentlicht. "Ich liebe meine Heimatstadt, doch in letzter Zeit zeigt sie sich Menschen wie mir gegenüber, na ja, immer feindlicher, hab ich das Gefühl", schrieb er. Auch im Gespräch mit unserer Redaktion beklagt Muffin, dass er sich aufgrund seines Äußeren immer häufiger in eine "Schublade" gesteckt fühle. "Man sieht mich als Kiffer, als Penner. Aber ich bin ein Mensch."

Der Facebook-Eintrag hat für zahlreiche Kommentare gesorgt, die meisten davon sind von Sympathie für Muffin getragen, wie: "Moers braucht Menschen, die kreativ sind, lass dich nicht vergraulen." Das will der 33-Jährige auch nicht. Und wie sieht es mit der Hintergrundmusik aus? Klar könnte er zur Not auch darauf verzichten. Aber sie sei wichtig, sagt Muffin. "Sie zieht die Leute und erleichtert mir die Arbeit." Die sei keineswegs ein Zuckerschlecken. "Wenn man es richtig anstellt, kann man davon leben. Aber mein Arbeitstag ist manchmal zwölf, 14 oder 16 Stunden lang."

Die Stadt widersprach am Mittwoch der Darstellung von Muffin. Der Straßenkünstler dürfe selbstverständlich weiter in Moers auftreten, und zwar mit musikalischer Untermalung, sagte Stadtsprecher Thorsten Schröder. Musik, egal ob live oder aus der Konserve, dürfe auch in der Öffentlichkeit ohne Genehmigung gespielt werden. Das Ordnungsamt greife nur ein, wenn es zu laut wird oder sich jemand gestört fühlt. Das sei bei Muffin bisher nie der Fall gewesen. "Es gab keine Beschwerde."

Im Zweifelsfall bitte das Ordnungsamt Straßenkünstler, etwas leiser zu sein, sagte Schröder. Ansonsten gebe es nur eine Einschränkung: "Nach einer halben Stunde müssen die Künstler den Standort wechseln." Allerdings kontrolliere die Stadt dies nicht, sondern reagiere auch in diesem Punkt lediglich auf Beschwerden.

(RP)