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Moers: Stadt sagt Kirschlorbeer den Kampf an

Bürgermonitor : Stadt sagt Kirschlorbeer den Kampf an

In Scherpenberg hat die Enni drei große Hecken gerodet. Dahinter stehen für Moers vereinbarte grünpflegerische Grundsätze. Die haben den Schutz der heimischen Pflanzenarten zum Ziel.

Sie ist giftig, immer grün, schwer auszurotten und spaltet die Gemüter: die Lorbeerkirsche, von Nichtbotanikern auch Kirschlorbeer genannt. Drei große, blickdichte Sträucher des ursprünglich aus Kleinasien stammenden, extrem populären Rosengewächses hat die Enni vor kurzem in Scherpenberg gefällt. Anwohner Thomas Müller hat kein Verständnis dafür. „Die Stadt sorgt sich darum, dass Bäume lang anhaltende Trockenheiten nur schwer überstehen“, sagt er. Trotzdem würden Bäume und Sträucher, die diese schwierige Zeit gut überstanden haben, derzeit am Alten Bahndamm in Scherpenberg, entlang des Jakobwegs, entfernt.

Mit Baum- und Strauchfällarbeiten sei bereits vor einem Jahr begonnen worden, berichtet der Scherpenberger in einem Schreiben an die Redaktion. „Damals erklärte man für den Bereich, der jetzt dran glauben muss, dass es sich bei dem riesigen Kirschlorbeer ja um eine nichtheimische Pflanze handele. Offenbar haben es Bäume und Büsche mit Migrationshintergrundnicht leicht in Moers. Einerseits werden Rodungsarbeiten im Amazonasgebiet beklagt, andererseits intakte Bäume und Büsche vor der eigenen Haustür von der Stadt beziehungsweise der beauftragten Enni entfernt.“

Dagegen, sagt Müller, befänden sich im Scherpenberger Wäldchen unzählige abgestorbene Bäume, die schon vor Monaten als solche gekennzeichnet wurden. „Diese aber wurden nicht entfernt. Im Land der Schildbürger wäre die Situation wahrscheinlich nicht anders.“ Stadtsprecher Thorsten Schröder erklärt, warum sie es wahrscheinlich doch wäre: „Hinter den Fällarbeiten stehen grünpflegerische Grundsätze, die den Schutz heimischer Pflanzenarten zum Ziel haben. Der Kirschlorbeer zum Beispiel wächst sehr raumgreifend und verdrängt dadurch heimische Planzenarten. Deshalb gibt es in Moers eine Übereinkunft, dass solche Sträucher auf städtischem Grund und Boden entfernt werden.“ In Scherpenberg, sagt Schröder, seien die Sträucher auch nicht von der Stadt gepflanzt worden. „Es kommt in der Tat häufiger vor, dass Bürger Grün aus dem eigenen Garten hinter dem Zaun wieder einpflanzen.“

Enni-Sprecherin Katja Nießen betont, dass im aktuellen Fall alle direkt betroffenen Anwohner informiert wurden. „Alle habe Verständnis gezeigt.“ Und was die markierten Bäume im Wäldchen betreffe, habe die Enni diese im Blick. „Sie stehen nicht an öffentlichen Wegen und bilden derzeit keine akute, außergewöhnliche Gefahr.“

Dass besonders der Kirschlorbeer der heimischen Natur mehr schadet als nützt, bestätigt auch Harald Fielenbach, Vorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) Moers/Neukirchen-Vluyn. „Die Lorbeerkirsche breitet sich nicht nur rasant aus, sondern hat Vögeln und Insekten auch nicht viel zu bieten“, sagt er. „Von Seiten des Nabu ist es deshalb vollkommen in Ordnung, diese Sträucher zu entfernen – wenn es denn Ersatzpflanzungen gibt.“

Für Scherpenberg, sagt Thorsten Schröder, seien diese vorgesehen: Schlehen und Haselnusssträucher sollen an den Stellen gesetzt werden, an denen bis vor kurzem der üppige Kirschlorbeer stand.