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Moers: So schön wird der Neustart der "Five o'clock"-Konzerte.

Proben für Erstaufführung in der Stadtkirche Moers : Die schöne Djamila in Worten und Noten

Die „Five o’clock“-Konzerte kommen zurück: Eine herzzerreißende Liebesgeschichte steht im Mittelpunkt einer musikalischen Lesung in der Stadtkiche Moers am Tag der Deutschen Einheit.

Kirgische Schriftsteller sind bei uns nur wenig bekannt. Dem 1928 geborenen ehemaligen Botschafter und politischen Berater von Michail Gorbatschow Tschingis Aitmatow ist es dennoch gelungen, sich international einen Namen zu machen. Seine 1958 veröffentlichte Novelle um die junge „Djamila“, die für ein Lied und dessen Sänger ihren Mann und ihre Familie verlässt, ist nach Ansicht des französischen Schriftstellers und Philosophen Louis Aragon „die schönste Liebesgeschichte der Welt.“ Am 3. Oktober kommt diese Geschichte nun in einer besonderen musikalisch begleiteten Lesung in die Evangelische Stadtkirche nach Moers.

Die Idee dazu stammt vom Moerser Produzenten und Gestalter der bis zum Pandemie-Lockdown regelmäßig angebotenen „Five o’clock“-Konzerte in der Stadtkirche, Konrad Göke. Mit der musikalischen Lesung „Djamila“ soll daran jetzt wieder angeschlossen werden. Die dafür nötigen Vorbereitungen laufen bereits.

So hat die an der musikalischen Gestaltung beteiligte, aus Kasachstan stammende Pianistin Gulnaz Aimakova bereits eine Auswahl an meist folkloristischen Stücken aus der benachbarten, kirgisischen Heimat des Schriftstellers zusammengestellt.

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Darüber hinaus haben der an der Detmolder Hochschule tätige Akkordeonist Markus Kassl, die Sopranistin und derzeitige wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz Stella Louise Göke und der italienische Bariton Giulio Alvese Caselli ihre musikalische Mitarbeit zugesagt. Die von Konrad Göke eigens für diese Erstaufführung erstellte Textversion der Novelle wird der junge Berliner Schauspieler Felix Banholzer lesen.

Und darum geht es in Tschingis Aitmatows „schönster Liebesgeschichte der Welt“: Djamila, mit einem während des Zweiten Weltkrieges eingezogenen Soldaten verheiratet, lebt mit ihrer Familie und dem 15-jährigen Schwager Said in einem kirgisischen Dorf. Beide machen sich fast täglich einen Spaß daraus, dem ebenfalls dort lebenden Kriegsverletzten Danijar diverse Streiche zu spielen.

Eines Tages bringen sie ihn damit jedoch in große Lebensgefahr, und schämen sie sich anschießend dafür. Doch diese Situation verändert Djamilas Verhältnis zu Danijar zunächst nur geringfügig. Ihre Liebe zu ihm wird erst durch seine auf einer gemeinsamen Leiterwagenfahrt zum ersten Mal gezeigte Gesangskunst geweckt, die Djamila schließlich dazu veranlasst, ihren gerade heimkehrenden Ehemann zu verlassen und ihr weiteres Leben mit Danijar zu verbringen.

Diese beiden Szenen, Djamilas Scham angesichts der lebensbedrohlichen Quälerei durch sie und ihren jungen Schwager an Danijar, und der Moment, in dem sie durch seinen Gesang ihre Liebe zu ihm entdeckt, bilden die beiden Hauptszenen der geplanten Veranstaltung.

Welche der von der Pianistin Gulnaz Aimakowa ausgewählten Musikstücke dabei zum Einsatz kommen, steht noch nicht fest. Das erste dazu klärende Treffen mit ihr, Akkordeonist Marko Kassl und Konrad Göke fand jetzt in der Stadtkirche statt, dürfte aber schon einige vielversprechende Ergebnisse gebracht haben, auf die sich die Besucher der Veranstaltung am 3. Oktober freuen können.