Moers: So schmeckt es im ersten Backwerk-Deli Deutschlands

Neueröffnung in Moers : So schmeckt’s in Deutschlands erstem Backwerk-Deli

Mit seiner deutschlandweit ersten Deli-Filiale an der Moerser Steinstraße will sich Backwerk von seinem Fertigwaren-Image emanzipieren. Im Geschmackstest überzeugen die neuen Produkte.

Dort, wo sonst Regale standen, in die wie von Geisterhand hinter einer Plexiglas-Scheibe Brötchen und Pizza plumpsten, ist jetzt eine Backsteinmauer. Davor liegen in großen Körben Hühnchen-Sandwiches, Frischkäse-Bagel und Schokocroissants. Ein Mitarbeiter bereitet vor einem Berg aus Bananen, Ananas und Mangos frische Smoothies zu, über ihm surrt eine Klimaanlage. Am Tag der Neueröffnung piepen die beiden Kassen fast im Sekundentakt, hinter einer großen Glasfront bereiten mehrere Frauen Speisen zu. Mit einer Bäckerei hat die deutschlandweit erste Backwerk-Deli-Filiale in Moers auf den ersten Blick nicht mehr viel zu tun.

Ein Eindruck, den die niederländischen Betreiber bei ihrem Pilotprojekt bewusst erzeugen wollen. „Wir wollten hier alles neu machen, das soll mit einem Backwerk, wie man es früher kannte, nichts mehr zu tun haben“, sagt Mitarbeiter Raymond Delsing und fügt an: „Quasi ein Backwerk 3.0.“ Das soll bei der Optik anfangen, sich aber hauptsächlich auf die Produkte beziehen, denn hier hat sich einiges verändert. Es scheint so, als sei die Palette ein wenig schlanker geworden, ansonsten gibt es im Großen und Ganzen die Backwaren, die es auch schon vorher gab. Neu im Sortiment ist ein Chicken-Barbecue-Sandwich. Die Pizza sieht deutlich weniger fettig, dafür bunter und attraktiver aus. Neu ist auch ein Suppentopf, der mitten im Laden steht. Am ersten Tag gibt es für drei Euro einen Teller Pilzcremesuppe.

Statt hinter einer Plexiglas-Scheibe liegen die Backwaren nun direkt vor den Kunden. Foto: Christos Pasvantis

Bei den Zutaten achtet das Unternehmen nach eigenen Angaben verstärkt auf frische und natürliche Waren. Auf künstliche Aromen werde ebenso verzichtet wie auf Farbstoffe. Ein Schwerpunkt soll auf der Nutzung von lokalen Produkten liegen – wobei die meisten Zutaten aus den Niederlanden kommen, wie Delsing sagt. „Wir wollen gesunde Produkte anbieten, die vor den Augen der Kunden zubereitet werden“, sagt der Mitarbeiter und deutet auf die Glasscheibe hinter der Kasse, hinter der Brötchen geschmiert und Baguettes belegt werden.

Geschmacklich weiß das Chicken-Barbecue-Sandwich zu überzeugen, ist frisch, knackig und am Hähnchen wird nicht gespart. Die Suppe ist mit ihren drei Euro zwar nicht billig, schmeckt dafür aber würzig und nicht zu fettig. Smoothies und Säfte gibt es in zehn Geschmacksrichtungen für zwei Euro (0,2 Liter). Die Mango-Banane-Spinat-Mischung ist fruchtig und kommt dabei mit wenig Süße aus. Auch Gabriela und Klaus Stalinski, die ein Puddingteilchen gegessen haben, sind zufrieden. „Ist lecker, schmeckt ehrlich gesagt aber genau wie vorher“, sagt Klaus. Seine Frau ergänzt: „Man muss aber ehrlich sagen, dass das hier viel schöner aussieht als vorher. Viel moderner.“

Die Filiale, die in knapp zwei Wochen komplett umgebaut wurde, wirkt offener und heller als vorher, der Smoothie-Stand mit all dem Obst macht optisch Eindruck. Die Möbel sind aus Holz und sehen hochwertiger aus als zuvor. „Wir wollten den nächsten Schritt zur Frische-Gastronomie machen“, sagt Raymond Delsing. Vom Prinzip her läuft bei der Selbstbedienungskette dabei noch alles wie gehabt: Vorne gibt es ein dunkles Tablett, auf das per Greifzange die Backwaren gelegt werden, vorne an der Kasse wird bezahlt, danach eingepackt.

Mit seinem ersten Deli versucht sich Backwerk, ähnlich wie beispielsweise McDonalds, von seinem Image zu emanzipieren, das bereits der Unternehmensname impliziert. Wer an Backwerk denkt, denkt an Fabrik- und Fertigware. Wer ins Deli geht, soll frisches Premium-Fast-Food sehen. „Wir haben gar nicht unbedingt mehr Mitarbeiter“, sagt Delsing, angesprochen auf das viele Personal, das durch den Laden läuft. „Aber jetzt sind sie nicht mehr hinter Wänden versteckt, sondern man kann sie sehen.“