Geburtsstationsleiterin aus Moers gibt Tipps Stillen und Beruf – so funktioniert’s

Moers · Frauen, deren Arbeitgeber keinen Raum zum Stillen zur Verfügung stellen kann, macht das St.-Josef-Krankenhaus ein ungewöhnliches Angebot. Welche Regelungen des Mutterschutzgesetzes im Allgemeinen gelten.

 Arbeit und Stillen lassen sich durchaus vereinbaren. Der Gesetzgeber hat klare Vorgaben gemacht.

Arbeit und Stillen lassen sich durchaus vereinbaren. Der Gesetzgeber hat klare Vorgaben gemacht.

Foto: St. Josef Krankenhaus GmbH

Sowohl Unicef, als auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprechen sich für das Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten aus. Tatsächlich, sagt auch Jens Pagels, Chefarzt der durch die WHO zertifizierten Geburtsklinik am Moerser St.-Josef-Krankenhaus, seien gestillte Kinder im Vergleich zu mit künstlicher Säuglingsnahrung ernährten Babys weniger krank: „Das liegt an den Antikörpern und Immunzellen, die sie mit der Muttermilch bekommen.“

Seit 1991 wird deshalb die Weltstillwoche jedes Jahr in 120 Ländern begangen – in diesem Jahr vom 2. bis 8. Oktober. „Stillen im Beruf – kenne deine Rechte“ lautet in diesem Jahr das Motto. In Deutschland findet die Stillwoche immer in der 40. Kalenderwoche statt. 40 deshalb, weil eine normale Schwangerschaft circa 40 Wochen dauert.

Nun hat sich die Arbeitswelt in den vergangenen 70 Jahren wesentlich verändert. Bereits Ende der 1960er-Jahre stieg die Zahl der erwerbstätigen Frauen. Erstens, weil Familien vom Gehalt des Vaters allein nicht leben konnten, zweitens, weil viele Frauen es einfach wollten – aus Freude am Beruf.

Das Mutterschutzgesetz, das Gesetz zum Schutz von Müttern bei der Arbeit, in der Ausbildung und im Studium, regelt seit 1952 die Rechte der Frauen während der Schwangerschaft, nach der Entbindung und in der Stillzeit. Seit 1. Januar 2018 gelten neue Regeln für den Mutterschutz. Das Mutterschutzgesetz gewährleistet stillenden Frauen einen besonderen Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, sodass Frauen auch während der Stillzeit ohne Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind arbeiten können.

„Viele Stillende und Schwangere halten Stillen und Berufstätigkeit für nicht vereinbar und stillen vor dem Wiedereintritt in den Job, in die Ausbildung oder das Studium ab“, weiß Sarah Peters, Stationsleitung der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St.-Josef-Krankenhaus.

Peters, die selbst zweifache Mutter ist und ihre Kinder auch nach ihrem Wiedereintritt in den Beruf gestillt hat, gibt folgende Tipps: „Man sollte auf jeden Fall schon vor der Rückkehr in den Beruf anfangen, Muttermilch abzupumpen“, sagt sie. „So kann man sich in Ruhe mit der Technik vertraut machen und auch einen kleinen Milchvorrat im Kühlschrank oder auch der Kühltruhe anlegen.“

Gefroren ist die Muttermilch mehrere Monate lang haltbar, im Kühlschrank circa drei bis vier Tage. Das Baby, sagt Peters, müsse sich natürlich auch an die neuen Gegebenheiten gewöhnen und akzeptieren, dass es während der Abwesenheit der Mutter anders gefüttert wird. „Und wenn es dann im Job wieder losgeht, informiert man den Arbeitgeber über den Stillwunsch“.

Ab diesem Zeitpunkt gelten folgende Regelungen des Mutterschutzgesetzes: Mütter haben ein Recht auf bezahlte Stillzeiten sowie ein Recht auf einen abschließbaren Raum mit einer passenden Sitzgelegenheit. Als Mitarbeiterin in der Geburtshilfe hatte Sarah Peters es natürlich besonders komfortabel.

„Mein Mann hat mir die Kleine ins Krankenhaus gebracht und ich habe sie dann in unserem Stillzimmer in aller Ruhe stillen können“, erzählt die Stationsleiterin. Die stillfreundlichen Rahmenbedingungen, unter denen ich meine beiden Kinder stillen konnte, haben dazu beigetragen, dass ich meine Kinder so lange gestillt habe, bis sie von sich aus auf feste Nahrung umsteigen wollten.“

Und was ist, wenn der Arbeitgeber der Mitarbeiterin keinen entsprechenden Raum zur Verfügung stellen kann? Für solche Fälle bietet das St.-Josef-Krankenhaus ab sofort einen neuen und eher ungewöhnlichen Service an: „Wir öffnen unser Stillzimmer für alle stillenden oder abpumpenden Beschäftigten von intern und extern“, sagt Jens Pagels. „Die Polizistin von der Wache gegenüber, die Lehrerin von der nahe gelegenen Schule oder die Angestellte im Supermarkt findet in unserem Stillzimmer einen gemütlichen und ruhigen Platz zum Stillen.“

Das Stillzimmer befindet sich auf der Station 2 B im zweiten Obergeschoss des Krankenhauses an der Asberger Straße 4. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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