1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Moers: So empfinden Schlosstheater-Darsteller die Arbeit in der Pandemie

Online-Diskussion des Schlosstheaters Moers : Schauspieler Patrick Dollas: „ Der Spaß, Theater zu spielen, überwiegt“

Im Online-Gespräch im „Digitalen Foyer“ des Moerser Schlosstheaters ging es um das Theater in Pandemie-Zeiten und Aufführungen ohne Publikum.

„Ich möchte Theater wieder spüren!“, so formulierte es eine Teilnehmerin vom Zoom-Gespräch im „Digitalen Foyer“ des Schlosstheaters Moers (STM) am Sonntagabend im Anschluss an die gestreamte Aufführung „21 Lovesongs“. Diese Produktion, inszeniert vom Intendanten Ulrich Greb, ist eine Art musikalische Antwort des STM auf die Pandemie.

„Mit Songs aus 200 Jahren Musikgeschichte sowie Textfragmenten unterschiedlicher Genres untersuchen fünf Figuren und zwei Musiker das Protestpotential, das durch das Getrenntsein entsteht, sowie die Sehnsucht nach Berührung und berührt werden“, schreibt das Theater zu seiner Aufführung. In der Premieren-Kritik der Rheinischen Post steht darüber zu lesen: „Die Inszenierung schafft es, das Publikum vergessen zu machen, dass es nicht im Theater sitzt. Das liegt an der wohldurchdachten und klugen Kameraführung.“

Das Online-Gespräch fand auf Einladung des Schlosstheaters statt, an dem eine Handvoll Interessierte plus Produktionsensemble teilnahmen. Zu den gestreamten Vorstellungen kommen nach Angaben des Theaters in der Regel indes etwa 50 Leute. Das Nachgespräch befasste sich unter anderem mit der vom Theater ankündigenden Frage, wie sich das Theater trotz Pandemie weiterhin als „Ort der Grenzen überwindenden Diskussion“ behaupten und wie Theater und sein Publikum im gegenseitigen „Austausch bleiben und die Trennung überwinden“ könne. Denn seit gut einem halben Jahr findet im Schosstheater Moers kein Vorstellungsbetrieb mehr vor anwesenden Zuschauern statt.

  • Ein Plakat verheißt Programm: Andrea Töpfer
    Ratinger Kultur im Fokus : Zwei Zauberworte: „Format“ und „Interaktion“
  • Theaterpädagogin Katja König freut sich auf
    Rheinisches Landestheater Neuss : Schultheaterfestival erstmals digital
  • Ehrenamtskarte für Ehrenamtler. ⇥RP-Archivfoto: Andreas Bretz
    Für Ehrenamtler in Wassenberg : Stärkerer Hinweis auf Ehrenamtskarte gefordert

Das eine gute Stunde dauernde Gespräch im „Digitalen Foyer“ stellte neben einer Betrachtung über das Gesehene („21 Lovesongs“) vor allem das Verhältnis „Theater und Publikum“ und die Frage nach der gesellschaftlichen Stellung des „Theaters in Pandemiezeiten“ zur Debatte. „Wir sind nicht sichtbar, sind eingeschränkt in unseren Möglichkeiten“, brachte es die Dramaturgin Viola Köster auf den Punkt. Ulrich Greb warf dazu noch einen anderen Gedanken in die Runde, den er bereits in das Spielzeitheft 2020/2021 schrieb: „Die Dynamik der Einschränkungen brachte auch die Erkenntnis, dass auf einen Plan B der Plan C folgt und so weiter und so im besten Fall Neues, manchmal sogar Besseres entsteht.“

Für die Mitwirkenden der „21 Lovesongs“ (Patrick Dollas, Matthias Heße, Emily Klinge, Roman Mucha und Elisa Reining als Darstellende sowie Jan und Jens Lammert als Musiker) steht aber weiterhin der Wunsch zu spielen und zu musizieren im Vordergrund: „Ich vermisse zwar das Publikum, doch der Spaß Theater zu spielen überwiegt“, sagt Dollas. Und Heße: „Auch eine Streaming-Vorstellung ist live gespielt und wird von Zuschauern live gesehen. Doch diese Art der Inszenierungsübertragung ist und bleibt eine Krücke in der Kommunikation zwischen Theater und Publikum.“

Für die beiden Musiker stellt sich die Pandemie indes als Bedrohung der Existenz von Künstlern insgesamt dar. „Auf welchen Fakten beruhen denn eigentlich die Daten für das Schließen von Theatern?“, fragen sie sich.  Übereinstimmung zwischen Theater und Publikum wurde von allen Teilnehmern dagegen darin gesehen, dass das Emotionale wie das Sinnliche beiderseits fehle. Insofern sprach der geäußerte Wunsch „Ich möchte Theater wieder spüren!“ allen aus der Seele.