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Moers: Simon Dlugos ist der Drummer mit der sanften Lesestimme

Kulturszene in Moers : Der Drummer mit der sanften Lesestimme

Simon Dlugos ist Profimusiker. Vor allem als Schlagzeuger ist er in der Region bekannt. In der Corona-Zeit hat der 26-Jährige neue Formate wie „Simons Lesecast“ entwickelt.

Simon Dlugos hat sich nach der Schule in verschiedenen Berufen ausprobiert, aber das Richtige hat er nicht gefunden. Dabei wusste der heute 26-Jährige schon früh, was er beruflich machen wollte: Musik und andere kreative Dinge, er wollte Menschen unterhalten. Das zu tun, ist das eine, davon zu leben aber eine ganze andere Sache. „Vor vier Jahren bin ich dann den Schritt gegangen“, sagt Simon Dlugos. „Ich habe mich als Schlagzeuger selbstständig gemacht und es hat geklappt.“ Er habe gedacht: Was soll schon passieren? Mehr als schief gehen könne der Plan nicht.

Dlugos, der im Alter von vier Jahren mit dem Schlagzeugspielen angefangen hat und auch Gitarre, Bass und Klavier beherrscht, war Mitglied in Bands wie Funked Up, Slik Tiger, The Left Trace und Holodeck. Funk, Rock, Pop, das sind seine liebsten Stilrichtungen. Der gebürtige Moerser, der jetzt in Vluyn lebt, unterrichtet auch am Institut für Popularmusik von Martin Lenninger in Rheinhausen.

Dass er sich entschieden hat, professioneller Musiker zu werden, hat er nicht bereut. „Aber Corona war natürlich ein Schock“, erzählt Dlugos. „Keine Live-Musik mehr, keine Auftritte, Unterrichten per Video-Übertragung, das war und ist schon hart.“ Er will sich davon nicht in die Knie zwingen lassen, denkt positiv und lebt nach dem Motto: „Alles ist möglich“. In seiner Wohnung findet man Zettel mit diesen drei Worten: in der Küche, am Arbeitsplatz, an vielen Stellen. „Ich bin davon überzeugt, dass man das, was man erreichen möchte, auch erreichen kann, wenn man fest daran glaubt und darauf hinarbeitet“, so der Musiker. Man müsse allerdings flexibel sein. Dlugos will sich deshalb nicht nur auf Musik verlassen und vergrößert sein Spektrum. So setzt er verstärkt auch seine Stimme als Arbeitsgerät ein. „Ich werde sehr oft auf meine Sprechstimme angesprochen“, sagt Simon Dlugos. „Ich solle mich mal beim Radio bewerben und Sprecher werden, ist mir schon häufig geraten worden.“

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Der 26-jährige mit dem sanften, sonoren Bassbariton und der deutlichen Aussprache hat die Corona-Zeit genutzt, er setzt jetzt auf dieses Talent. Ein Ergebnis ist „Simons Lesecast“. „Ich biete jungen Autoren an, ihre Texte kostenlos einzulesen und sie auf meine Internetseite zu stellen“, erläutert Dlugos. Die Stilrichtung sei vollkommen egal. Voraussetzung sei allerdings, dass er sich mit dem Inhalt identifizieren könne. Radikales, Ehrverletzendes oder irgendwie Verstörendes komme nicht in die Tüte.

So wird der Drummer zum Sprecher: „Es ergibt sich eine Win-Situation in mehrfacher Hinsicht“, sagt er. „Die Autoren bekommen ein Forum und erzielen Reichweite, die Zuhörer haben ein kostenloses Angebot und können Geschichten aus unterschiedlichsten Genres entdecken, und ich kann mich und meine Stimme präsentieren“, sagt er. Zehn Autoren, darunter die Moerserin Leonie Klose mit zwei Kurzgeschichten und der österreichische Grusel-Schriftsteller Alex, haben in kurzer Zeit bereits Gebrauch gemacht von Simons Lesecast. Und es werden immer mehr. Die Ergebnisse stellt der Vluyner in Absprache mit den Autoren bei allen großen Streaming-Diensten wie Spotify, Deezer oder Apple-Music ein, um Reichweite zu erzielen. Bei den veröffentlichten Geschichten gehe es ihm nicht um die absolute schriftstellerische Perfektion, so Dlugos: „Auch ein Zwölfjähriger, der seine erste Geschichte verfasst hat, darf was schicken.“

Eine Aufnahmemöglichkeit hat sich der Künstler zu Hause geschaffen. Hin und wieder geht er aber auch ins Studio seines Freundes Felix Lenninger, der ebenfalls Musiker und auch Produzent ist. Dann nehmen die beiden Beiträge für ihre Reihe „Hit the drum“ auf. Übungsmaterial, Noten, Hörbeispiele für Menschen, die Schlagzeug lernen wollen. Mit Felix Lenninger produziert Dlugos auch den weitgehend improvisierten Podcast „Onetake  – Simon und Felix“.

An Ideen mangelt es dem 26-Jährigen keinesfalls. So will er künftig auch selbst mehr schreiben. Immer nach der Devise: Alles ist möglich.

(up)