Moers: Sicher schwimmen

Moers: Sicher im „Soli“

Immer weniger Menschen können (richtig) schwimmen. Für Rettungsschwimmer in Freibädern ist das eine Herausforderung.

Es ist das Horrorszenario schlechthin: Ein Mensch ertrinkt, oft inmitten von Menschen – im Schwimmbecken, im See, im Rhein, wo auch immer. Im Sommer passiert so etwas immer wieder. Allein in diesem Jahr sind in NRW bislang sechs Menschen beim Baden ums Leben gekommen. In den vergangenen zwei Wochen ertranken ein Vierjähriger und ein 19-Jähriger im Kaarster See, einem von Rettungsschwimmern beaufsichtigten Badegewässer.

Dirk Hohensträter, Geschäftsführer der Enni Sport & Bäder, und seinem Team ist so ein für alle Beteiligten schwer verkraftbares Unglück bisher erspart geblieben. „Treffen kann es jeden, auch, wenn man noch so gut vorbereitet ist“, sagt er. Im vergangenen Jahr, nur einen Tag nach der Neueröffnung des Solimare, entdeckte ein Bademeister einen Sechsjährigen, der leblos auf der Wasseroberfläche des Nichtschwimmerbeckens trieb. Das Kind konnte rechtzeitig geborgen und reanimiert werden. So etwas wird geübt, immer und immer wieder. „Die Rettungskette hat in diesem Fall gegriffen“, sagt Hohensträter. „Aber passieren kann immer etwas, vor allem dort, wo viele Kindern unterwegs sind.“

Laut einer DLRG-Umfrage aus dem vergangenen Jahr ist die Zahl der Nichtschwimmer in den vergangenen Jahren deutschlandweit gestiegen. Das, sagt der Moerser Bäder-Chef, habe zum einen etwas damit zu tun, dass vielen Kindern, besonders aus Flüchtlingsfamilien, das Schwimmen nicht beigebracht werde. „Aber auch in den Schulen wird es nicht mehr so unterrichtet, wie es früher einmal war. Das sehen wir daran, dass die Becken, die wir für Schulschwimmunterricht vorhalten, morgens oft leer sind.“ Für die Badeaufsichten wird das zunehmend zum Problem.

Bis zu 6900 Gäste finden theoretisch auf dem Gelände des umgebauten Solimare-Familienfreibads Platz. Seit vergangenem Wochenende ist auch die große Rutschenanlage in Betrieb. „Bei mehr als 1500 Gästen sind die Becken schon so voll, dass die Sicherheitsmaßnahmen am Beckenrand erhöht werden“, erklärt Hohensträter. Mindestens eine Aufsicht pro Becken und Attraktion ist Pflicht.

Die Enni bildet unter anderem dafür selber jedes Jahr Fachangestellte für Bäderbetriebe aus. Mindestens eine Fachkraft pro Bad ist immer vor Ort und koordiniert den Personaleinsatz, alle Rettungsschwimmer haben ein DLRG-Sportabzeichen in Silber. „Das hießt, sie können schnell schwimmen und weit tauchen“, sagt Enni-Sprecher Herbert Hornung. Naturfreibäder wie das Bettenkamper Meer oder das Südsee-Standbad in Xanten seien, was die Rettungsschwimmer-Qualitäten betreffe, noch einmal eine höhere Herausforderung, erklärt Hohensträter. „Weil solche Gewässer in der Regel unübersichtlicher und tiefer sind, muss man dort schon vorher erkennen, ob jemand ein Problem hat. Am Bettenkamper Meer setzen wir deshalb nicht nur Aufsichten am Ufer, sondern auch ein Kajak ein.“

Damit die Rettungsschwimmer im Solimare im Notfall nicht von Schnittwunden und Wespenstichen abgelenkt werden, gibt es dort zusätzlich einen Sanitätsdienst, der sich um kleinere und größere Verletzungen kümmert. Im neu entstandenen, etwas höher gelegenen Schwimmmeisterraum laufen alle Fäden zusammen. „Wir haben diese Kommandozentrale so konzipiert, dass von dort aus alle Becken, sowohl drinnen im Aktivbad als auch draußen, überschaut werden können“, sagt Hohensträter. Über zwei Monitore haben die Rettungsschwimmer den Einstieg und die „Ausfahrt“ der großen Wasserrutsche im Blick. „Wir tun hier alles für die Sicherheit“, betont der Bäder-Geschäftsführer. „Am Ende des Tages setzen wir aber auch auf die Eigenverantwortung unserer Gäste.“

Das sieht auch Klaus Püttmann, Leiter der DRK-Wasserwacht Rheinberg, so. „In den vergangenen Tagen konnten die Helfer der Wasserwacht immer wieder unvorsichtige Schwimmer beobachten, die auch mit ihren Kindern im Rhein schwimmen gehen“, sagt er. „In einer Bundeswasserstraße schwimmen zu gehen, ist lebensgefährlich. Hier besteht höchste Gefahr, durch nicht erkennbare Unterwasserströmungen in die Fahrrinne der Berufsschifffahrt gezogen zu werden.“ Insbesondere jetzt, wo der Rhein erhebliches Niedrigwasser führe, sei der Sog der großen Schiffe noch viel stärker und auch für erfahrene Schwimmer lebensgefährlich. Abgesehen davon, bestätigt Püttmann, könnten tatsächlich viele Kinder, aber auch viele Erwachsene, heute nicht mehr richtig schwimmen und überschätzten sich. Das DRK und die DRK-Wasserwacht bieten deshalb Kurse an. Informationen dazu gibt es im Internet unter www.drk-rheinberg.de sowie www.wasserwacht-nordrhein.de.