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Moers setzt in Zukunft auf grüne Dächer

Für ein besseres Klima : Moers setzt in Zukunft auf grüne Dächer

Pflanzen auf Gebäuden wirken wie natürliche Klimaanlagen und Feinstaubfilter. Im Bestand ist die Installation allerdings schwierig und kostspielig. Blumen auf Bushaltestellenhäuschen wird es erst mal nicht geben.

Begrünte Dächer sehen nicht nur hübsch aus, sondern sind auch extrem nützlich, aus vielerlei Gründen: Weil sie Insekten Lebensraum bieten, bei Starkregen die Kanalisation entlasten und zeitgleich einen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas leisten. Grün verlängert auch die Lebensdauer von Dächern, weil sie besser vor Witterungseinflüssen geschützt sind. Im Winter optimieren Gründächer die Wärmedämmung, im Sommer schirmen sie Hitze ab und wirken wie eine natürliche Klimaanlage. Warum also nicht kurzfristig mehr Grün auf Moerser Dächer bringen? Oder: Auf Wartehäuschen an Bushaltestellen? Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Umwelt hat darüber jetzt unter anderem auf Antrag der FDP diskutiert.

Die Freien Demokraten greifen das Beispiel Utrecht auf. Mehr als 300 Bushaltestellen wurden dort – in der niederländischen 1,3-Millionen-Einwohner-Stadt – im vergangenen Jahr für Bienen, Hummeln und Co. mit Feinstaubfiltern, sprich: Blumen, bepflanzt. Die Pflege und Wartung der Dächer übernehmen die Mitarbeiter der Stadt, die mit Elektrofahrzeugen zu den jeweiligen Standorten fahren. Für Moers, sagt die Verwaltung, wäre das aber kein Modell. Wir erklären, warum.

Insgesamt 155 Wartehallen gibt es derzeit auf Moerser Stadtgebiet. Lediglich 49 davon befinden sich im Eigentum der Stadt. Die übrigen 106 Bushaltestellenhäuschen seien vertraglich in das Eigentum des Außenwerbers übergegangen, heißt es. Und auch die bestehenden Unterstände eigneten sich nicht für eine nachträgliche Dachbegrünung. Die vorhandene Dachkonstruktion sei für eine zusätzliche Last nämlich nicht ausgelegt.

„Eine Umrüstung der bestehenden Wartehallen wäre deshalb nur mit erheblichem Aufwand möglich“, erklärt Stadtsprecher Thorsten Schröder. Bei jeder einzelnen Wartehalle müsste zuvor die Statik geprüft werden. Die Kosten dafür lägen bei jeweils circa 6000 Euro. Hinzu kämen Aufwendungen für das Material, die Bepflanzung und die regelmäßige Pflege.

Etwas einfacher zu realisieren, aber auch nicht umsonst zu haben, sind Neubauten. „Bei Neuanschaffungen von Wartehallen ist es grundsätzlich möglich, eine Dachbegrünung mit einzuplanen“, so Schröder. Die Mehrkosten liegen dort laut Verwaltung bei circa 4000 Euro pro Wartehalle, inklusive Bepflanzung. Der Vertrag mit dem Außenwerber läuft in Moers allerdings erst zum 31. Dezember 2028 aus. Erst dann, heißt es, könnte eine Dachbegrünung von Wartehäuschen als Bestandteil des Vertrages mit aufgenommen werden.

Perspektivisch soll und wird es in Moers in Zukunft trotzdem mehr grüne Dächer geben. Warum? Im Zusammenhang mit dem ausgerufenen Klimanotstand hat die Politik im Januar Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz gefasst. Als einen von vielen Punkten umfasst dieser Beschluss das Thema Dachbegrünung, die bei zukünftigen Bauvorhaben als Planungsanforderung für die Verwaltung, die Bauherren und Projektträger als Richtschnur gelten soll. In der Bauleitplanung sollen beispielsweise von nun an in allen Bebauungsplänen Haus-, Garagenund Carportdächer mit bis zu 15 Grad Neigung standardmäßig mindestens als „extensiv zu begrünendes Dach“ festgesetzt werden. Darüber hinaus wurde in verschiedenen Bebauungsplanvorhaben wie dem Nahversorgungszentrum Utfort, dem Krankenhaus Bethanien, dem neuen Wohnquartier Teutonenstraße oder dem Bebauungsplanvorhaben Dr.-Hermann-Boschheidgen-Straße am Stadtpark, bei Flachdächern und flachgeneigten Dächern regelmäßig eine Dachbegrünung festgesetzt.

Auf Moerser Stadtgebiet sind auch bereits Dachbegrünungen realisiert worden, zum Beispiel auf dem Dach der Justus-von-Liebig-Schule oder dem Gymnasium Rheinkamp. Doch auch an dieser Stelle gilt laut Experten: Das nachträgliche Aufbringen auf Bestandsdächer ist teuer und konstruktiv aufwendig.