Chef einer Gartenbaufirma und sein Geschäftspartner vor Gericht Schwarzarbeit – Bewährungsstrafen für Duo aus Moers

Moers · Ein ehemaliger Geschäftsführer eines Gartenbaubetriebs und sein ehemaliger Geschäftspartner sollen dem Sozialsystem hohen Schaden zugefügt haben. Weil die Angeklagten geständig waren, erhielten sie recht milde Strafen.

 Eine Statue der Justitia (Themenbild).

Eine Statue der Justitia (Themenbild).

Foto: dpa-tmn/David-Wolfgang Ebener

(ove) Die Geständnisse zweier Angeklagter aus Moers haben einen Prozess vor dem Landgericht in Kleve nicht nur erheblich beschleunigt. Damit steigerten der 56-und der 51-Jährige auch die Chancen auf eine bewährungsfähige Freiheitsstrafe. Wegen des Vorenthaltens von Arbeitsentgelt in 451 Fällen waren die beiden angeklagt worden, dem Sozialsystem soll ein immenser Schaden zugefügt worden sein. Am Donnerstag erging ein Urteil gegen das Duo. Der 56-jährige Haupttäter wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt, sein früherer Geschäftspartner bekam sieben Monate. Beide Haftstrafen, die das Ergebnis einer Verständigung sind, wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Doch was war geschehen? Der Ältere der beiden soll zunächst als Einzelunternehmer und später als Geschäftsführer eines Garten- und Landschaftsbauunternehmens in Moers von 2006 bis 2012 Arbeitnehmer nicht oder nicht richtig zur Sozialversicherung angemeldet haben. Die Schwarzlöhne sollen über Scheinrechnungen sowie Barzahlungen beglichen worden sein. Insgesamt seien so Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro nicht entrichtet worden. Die Männer hatten sich bereits beim Prozessauftakt geständig eingelassen – und so der Staatsanwaltschaft eine Menge Arbeit erspart. Schließlich liegt der Tatzeitraum Jahre zurück, die Ermittlungen wären herausfordernd gewesen.

Der Staatsanwältin nach hatten die Beschuldigten ein „hochkriminelles System“ geschaffen, das über Jahre Bestand hatte. Allein einer großen Krankenkasse seien Beiträge in Höhe von 260.000 Euro entgangen. Die Angeklagten hätten ein unübersichtliches Geflecht von Servicefirmen geschaffen, um Scheinrechnungen ausstellen zu können. Die Justiz wurde aufmerksam, weil die Lohnquote im Branchenvergleich bemerkenswert niedrig war.

„Das, was dort verdient worden ist, war aufgrund der Lohnquote überhaupt nicht möglich“, sagte die Staatsanwältin. Die Männer wurden auch deshalb zu vergleichsweise moderaten Strafen verurteilt, weil sie bereits außerhalb des Gerichtssaals bestraft wurden: Firmen gingen in die Insolvenz, Privatvermögen wurde gepfändet, der Schuldenberg ist immens. „Sie spüren die Konsequenzen ihres Handelns sehr deutlich – und das noch für eine längere Zeit. Ich nehme ihnen ab, dass sie reuig sind und bedauern, was sie getan haben“, so die Staatsanwältin.