Moers: Schüler arbeiten  NSU-Morde auf

Am Grafschafter Gymnasium : Schüler arbeiten NSU-Morde auf

Der Literaturkurs des Grafschafter Gymnasiums bereitet zusammen mit dem Dokumentartheater Berlin eine Aufführung vor.

 „Das hätte auch meinem Vater passieren können“, sagt Angela Nowakowitz, wenn sie an die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ denkt. Die Eltern der Schauspielerin des Dokumentartheaters Berlin stammten aus dem früheren Jugoslawien. Auf Anregung von Nowakowitz brachte das Theater ein Stück zum Fall NSU auf die Bühne, dessen Uraufführung 2013 wenige Tage vor Prozessbeginn gegen NSU-Mitglied Beate Zschäpe stattfand.

Schulleiterin Astrid Czubayko-Reiß mit Angela Nowakowitz vom Dokumentartheater Berlin. Foto: Grafschafter Gymnasium

Erstmals übernimmt nun eine Schule das Projekt: das Grafschafter Gymnasium Moers. „Es passt in unsere Schule. Viele Leute unterschiedlichster Herkunft müssen hier miteinander auskommen, in einem Stadtteil der diese Situation spiegelt. Auch der Umgang mit Rassismus gehört dazu“, erklärte Schulleiterin Astrid Czubayko-Reiß. Betreut werden die Schüler durch die Lehrerinnen Melissa Niederhauser und Andrea Deveci des Literaturkurses sowie von Marina Schubarth.

Marina Schubarth vom Dokumentartheater Berlin begleitet und leitet das Projekt seit seiner Entstehung. Mit jeder Aufführung wurde das Theaterstück stets aktualisiert und von den jeweiligen Projektteilnehmern abgeändert. Über die Jahre hinweg wirkten so hunderte Jugendliche an dem Stück, jetzt wird es in die Hände der Grafschafter Schüler gegeben. Das Theater stärke die Entwicklung von Jugendlichen im Besonderen und sei viel mehr als nur Schule, weiß Melissa Niederhauser.

Im April gewann die Theateraufführung „Akte/NSU“ den Preis für die beste Szenographie in Krakau. Dabei setzte sich das Stück gegen 17 weitere Aufführungen auf dem vierten Internationalen Theaterfestival durch. Bei den Moerser Schülern scheint das Thema gut anzukommen. „Noch nie gab es so viele Anmeldungen für einen Literaturkurs“, heißt es von der Schule. Gleich 28 Schüler wählten diesen, obwohl das Theaterstück einen Mehraufwand bedeute und dafür auf die Kurse Kunst und Musik verzichtet werden muss.

Während der Vorbereitung werden sich die Jugendlichen aus der Jahrgangsstufe elf der Vorgeschichte der NSU-Anschläge widmen. Dazu setzen sich die Schüler in sechs Phasen mit der Geschichte der Gastarbeiter auseinander, mit rechtsextremen Ausschreitungen, dem Täter-Trio des NSU, den Opfern der Anschläge, Pannen bei den Sicherheitsbehörden und dem Gerichtsprozess.

Aktuell zahlt das Dokumentartheater die anfallenden Projektkosten aus eigener Tasche. „Wir suchen noch nach Fördermöglichkeiten für das Projekt“, sagt Heinz Josef Sehr, stellvertretender Vorsitzender des Dokumetartheaters.

Wo die Aufführung in Moers stattfinden wird, ist derzeit noch unklar, der Termin soll drei Wochen vor Ostern liegen. Laut Marina Schubarth sind auch mehrere Aufführungen denkbar. „Es ist wichtig so etwas nicht zu vergessen, zu thematisieren, auch wenn dagegen schon viel getan wird“, sagt Angela Nowakowitz.

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