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Moers: Schmalz und die Meuterei im Kurbad

Junges Theater in Moers : Schmalz und die Meuterei im Kurbad

Nach langer Corona-bedingter Pause bringt das junge StM wieder ein Theaterstück auf die Bühne im Moerser Schloss. Die Schauspieler führen das Stück „Der thermale Widerstand“ von Ferdinand Schmalz auf. Freitag ist Premiere.

Meuterei im Kurbad. Dort, wo der nächste Aufguss die ersehnte Erholung und Entspannung verspricht, zettelt Bademeister Hannes einen Aufstand an. Er will verhindern, dass die Badeanstalt verkauft wird und Investoren dort eine noch exkulsivere Wellness-Oase bauen. Hannes findet, dass dieser Ort allen Menschen offen stehen muss.

In den heilen Mikrokosmos „Therme“ brechen plötzlich Themen von außen ein, denen die gestressten Kurgäste nur zu gern entgehen würden. Es geht um Kapitalismus, Miteinander und Solidarität. Werden die im Überfluss Badenden zu teilen lernen? Sind sie erholt genug, um den wirklich Erschöpften zu helfen? Diesen Fragen geht das Ensemble des Jungen StM in seiner Inszenierung des Stücks „Der thermale Widerstand“ des Autors Ferdinand Schmalz auf den Grund. Die Premiere ist am Freitag, 26. November, 19.30 Uhr, im Moerser Schloss. Zwei weitere Aufführungen folgen. „Naja, die Kurgäste nehmen ihre Entspannung schon sehr ernst“, zieht Mitspielerin Carla Wyrsch ein erstes Fazit und fügt lächelnd hinzu: „Die große Revolution kann mit ihnen wohl nicht starten.“

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Nach einer langen Corona-Pause bringt das sechsköpfige Junge StM wieder ein Inszenierung vor Publikum auf die Bühne. „Wir haben das Stück schon vor Corona geprobt, mussten dann aber unterbrechen“, berichtet Theaterpädagogin Kathrin Leneke, die das Schmalz-Stück inszeniert. „Ferdinand Schmalz ist für seinen Wortwitz und Humor bekannt“, berichtet sie. Sie schlug dem Ensemble einige seiner Texte vor. Die Entscheidung für „Der thermale Widerstand“ fiel schnell. „Wir wollten gerne mal was Modernes und Herausforderndes machen, seine Sprache und sein Humor haben uns gut gefallen“, berichtet Noel Telizin, der dem Ensemble schon seit 2008 angehört und 2010 zum ersten Mal in einem Stück mitspielte. „Wir sind eine kleine Gruppe, die sich schon sehr lange kennt“, berichtet der 28-Jährige, der zurzeit seine Masterarbeit in Geschichte schreibt. Seine Kollegin Carla Wyrsch studiert Physical Theatre in Essen. Beide standen schon vor Jahren zusammen für Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ in Moers auf der Bühne. Ferdinand Schmalz ist der Künstlername des Schriftstellers, der in der Obersteiermark aufwuchs und später Theaterwissenschaft und Philosophie in Wien studierte. 2021 stand er auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. „Sein Name ist Programm“, sagt Kathrin Leneke. Das Publikum darf sich auf Satire und viel Gehirnschmalz freuen. Wer verlegt schon den Kampf zwischen revolutionärem Änderungswillen, neoliberaler Dynamisierung und Konservierung bestehender Verhältnisse in ein Kurbad? „In dem Stück gibt es viele witzige Dialoge“, berichten die beiden Mitspieler Wyrsch und Telizin. „Und der Text ist nach wie vor sehr aktuell“, betont die Theaterpädagogin. „Wenn das Kurbad am Ende geflutet wird und alle dort festsitzen, dann kann man schon eine Parallele zu einer Quarantäne ziehen“, erläutert Carla Wyrsch. „Und die Fußdesinfektion ist im Stück sehr wichtig“, sagt denn auch Noel Telizin. Spielort ist das Moerser Schloss. Dort hat sich das Junge StM zwischen Planschbecken, Schwimmflügeln und Gummi-Enten eingerichtet.