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Moers: Schlosstheater geht in die Schulen

Schlosstheater Moers : Kinder sehen „Bär, der nicht da war“

Das Schlosstheater Moers bringt in Corona-Zeiten mobiles Theater in die Schulen. Der gelungene Auftakt dazu fand am Dienstag in der Uhrschule in Meerbeck statt. Das Kinderstück stammt von Oren Lavie.

„Es war einmal ein Juckreiz, der immer größer wurde“, so beginnt die Geschichte „Der Bär, der nicht da war“. Der Erzähler (Matthias Heße) und die Erzählerin (Emily Klinge) lassen eine Geschichte auf einer mobilen Mulitfunktionsbühne entstehen: Ein pinkes, plüschiges Stück Stoff erwacht unter den staunenden Augen der Kinder zum Leben, wie durch Zauberei. Die Kinder raten, welches Tier da geboren ist: Eine Katze? Ein Tiger? Nein, es ist ein Bär!

Aus der Bühnen-Zauberkiste ist Elisa Reining in das pinkfarbene Bärenkostüm geschlüpft. Der Bär entdeckt, dass er ganz allein ist und macht sich auf eine mutige Reise zu sich selbst: „Durch die kleine Stille der Blätter, die tiefe Stille des Bodens, die alte Stille der Bäume und durch seine eigene Stille.“

Die Suche führt durch diesen Wunderwald, der vor den Augen des Publikums aus Holzständer-Elementen entsteht. Erst als mehrere dieser Bäume grün angeleuchtet und mit Vogelgezwitscher belebt werden, glauben die Kinder, dass es sich wirklich um einen überzeugenden Wald handelt. Der Bär begegnet der freundlichen Blues-Kuh, dem fiesen Salamander und zwei pingeligen und rechthaberischen Pinguinen: Rollen, in die Hesse und Reining schlüpfen. Der Bär entdeckt, was er mag und was ihn ärgert. Als letztes Tier erscheint eine Schildkröte, die mithilfe zweier Rollbretter zum Zeitlupen-Taxi wird. Es bringt ihn nach Hause, wo der Bär sich schließlich selbst findet, einzigartig, wie er nun einmal ist.

Regisseur Andreas Mihan, Regie-Assistent Kilian Seeger und Dramaturgin Viola Köster haben aus dem Kinderbuch des israelischen Autors Oren Lavie ein zauberhaftes Theaterstück gemacht, mit viel Poesie, Musik, Sound- , Licht- und Überraschungseffekten. Eine Geschichte von Selbstzweifeln, Mobbing und Selbstfindung, die Groß und Klein mitfühlen können.

Besonders der Bühnenaufbau mit zahlreichen Klappen, Fächern, Einsteck-Löchern und einer transparenten Mitte sorgt für großartige Spielmöglichkeiten. Die Kinder der Klasse 1a der Meerbecker Uhrschule, die an beiden Seiten des Bühnen-Laufstegs sitzen, kommen aus dem Staunen nicht heraus. An mehreren Stellen, besonders zu Beginn, werden die Kinder auch zum Mitmachen, Raten oder Kommentieren aufgefordert. Ein wenig mehr Interaktion hätte der Konzentration gut getan, dennoch halten die Erstklässler eine ganze Stunde durch, gehen größtenteils aufmerksam mit. Als Theaterpädagoge Robert Hüttinger sie zum Schluss fragt, wie es ihnen gefallen habe, zeigen fast alle Kinder auf und sagen: Super! Cool! Witzig!

Diese Fragerunde gehört nicht zu jeder Aufführung. Was für die Kinder eine spannende Abwechslung von Schulalltag und ein fantasievoller Ausflug in den Bärenwald ist, ist für das Team von Schlosstheater Praxistest und Generalprobe. Denn corona-bedingt konnte diese Vorab-Premiere nicht vorher stattfinden.

Intendant Ulrich Greb ist ebenfalls anwesend und zeigt sich froh über das positive Feedback des Publikums. „Aus dem Nichts eine eigene Welt zu erschaffen, das funktioniert, weil es auch der Fantasie der Kinder entspricht“, resümiert Greb den ersten Durchlauf. Kleinigkeiten würden noch verändert. Je nach Altersgruppe werde man eh ein wenig anders agieren, das mache man schon intuitiv, meint Schauspieler Matthias Heße.

Denn das Stück ist, wie alle Kinderstücke, für Kita-Kinder bis zu Sechstklässlern geeignet. Man ist dankbar, dass das „Mobile Theater“ als corona-konforme Schulveranstaltung stattfinden kann, wo doch alle anderen Aktivitäten des Theaters ausgebremst sind. Insgesamt 13 Schulen, mit denen das Schlosstheater kooperiert, kommen in den Genuss der Aufführung. Da der logistische Aufwand recht hoch ist, wird an jedem Ort mindestens zweimal gespielt. 50 bis 60 Zuschauer sind maximal erlaubt, wenn beispielsweise in einer Turnhalle gespielt werden kann.

Seit Ende September arbeitet das Ensemble des Moerser Schlosstheaters an dem Stück, immer werden spezielle Gesichts-Schilde getragen, auch bei den Proben. Bis März sind Aufführungen geplant. Laut Hüttinger liegen Anmeldungen von rund 2500 Schulkindern vor. Anschließend hofft er, dass auch in der „Homebase“, dem St.-Barbara-Jugendheim in Meerbeck, wieder Termine möglich sein werden, zu denen dann auch öffentliche Aufführungen sowie solche für Kitas gehören.