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Moers: Rock und Folk in und nach alter Schule

Enni Night of the Bands Die Locations : Rock und Folk in und nach alter Schule

Das Schlosstheater öffnet erstmals sein Studio am Kastellplatz. In der ehemaligen Grundschule veranstalten Schauspieler gerne Liederabende.

Wenn Patrick Dollas auf der Bühne steht und ein Lied anstimmt, Roman Mucha ihn auf der Gitarre begleitet und das ganze Ensemble mit einsteigt, dann wird klar: Die Schauspieler des Schlosstheaters sind musikalisch. Das müssen sie auch sein, schließlich gehört es zur klassischen Schauspielausbildung. Doch Larissa Bischoff, Dramaturgin am Schlosstheater, betont: „Wir haben hier besonders gute Singstimmen.“ Die meisten Ensemblemitglieder spielen Instrumente: Von der Gitarre über die Ukulele bis zum Klavier ist alles dabei.

Und weil das Schlosstheater so musikaffin ist, hat es sofort zugesagt, als die Enni anfragte: Können wir euer Studio für die Night of the Bands nutzen? In dem 60 Quadratmeter großen Raum soll die Band Pangea Rock- und Folksongs wie „Drunken Sailor“ oder „Star of the County Down“ performen. Mit Scheinwerfern, Licht- und Tonpult ausgestattet, eignet sich das Studio mit den zwei Säulen in der Mitte gut für Konzerte. Beim Moers Festival treten hier regelmäßig Jazz-Formationen auf. Manchmal veranstaltet das Ensemble auch Liederabende oder Lesungen, einmal gab es ein Livehörspiel. Das Einzige, was ihn als Theaterraum disqualifiziere, sei der knarzende Holzboden, sagt Bischoff. Den müssten Schauspieler, Regisseure und Dramaturgen eigentlich in das Spiel einbauen, um ihm eine Berechtigung zu geben. Eine Herausforderung für jeden, da der Boden ein Eigenleben führe: „An manchen Stellen ist er lautlos, an anderen macht er unterschiedliche Geräusche.“ Trotzdem führt das junge Schlosstheater hier regelmäßig Stücke auf.

Für das Konzert werden die Stuhlreihen für die Zuschauer zur Seite geräumt. Bischoff schätzt, dass dann 40 Gäste Platz haben – zum mitwippen, tanzen und feiern. Und auf die Getränke verzichten müssen die Besucher der Enni Night of the Bands auch nicht: Im Foyer gibt es eine Bar, an der am 28. September ausgeschenkt wird. Eine Dekoration gibt es allerdings nicht – der Raum präsentiere sich so, wie er nun einmal ist. Die Wände weiß, hoch und kahl, der Holzboden alt und uneben. Die Idee der Veranstaltung sei schließlich, dass die Bands an ungewöhnlichen Orten spielten – und das repräsentiere der Raum eben nur, wenn man ihn nicht verändere, sagt Bischoff.

Es ist ein Ort mit Geschichte. Früher war das Terheyden-Haus am Kastellplatz, in dem das Studio und die gesamte Verwaltung des Moerser Schlosstheaters untergebracht ist, eine Grundschule. In den Siebzigern schloss sie ihre Pforten, 1975 zog das Schlosstheater ein. Manchmal kommen ältere Menschen zu Besuch, wollen einen kurzen Blick in ihr ehemaliges Klassenzimmer werfen. Haben noch genau vor Augen, wie es früher aussah. Zeigen, wo die Tafel hing, wo das Lehrerpult stand, wo die Schüler saßen. Bischoff hört diese Geschichten gerne, freut sich über jeden Gast.

Sie hat ihr Büro über dem Raum. 22 Menschen arbeiten heute im Terheyden-Haus, Schneiderei, Requisite, Dramaturgie – alle sind hier untergebracht. „Auf engstem Raum“, wie die Dramaturgin sagt. „Aber es ist sehr familiär und schön.“ Folk und Rock fügen sich hier gut ein, findet sie. Musik nach alter Schule, in einer alten Schule.