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Moers: Querschnittsgelähmter Stefan Kovac will keine Rente mit 28

Querschnittsgelähmter Moerser : Stefan Kovac will keine Rente mit 28 Jahren

Weil Stefan Kovac nach einem Badeunfall querschnittsgelähmt ist, soll der 28-Jährige nun in Rente gehen. Ein Zustand, den der junge Mann nicht hinnehmen möchte. Im Gegenteil: Er realisiert nun die berufliche Selbständigkeit. Und eröffnet eine Baguetterie.

Stefan Kovac ist ein sympathischer junger Mann, stets mit einem Lächeln und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Ein Handicap wird Kovac jedoch sein Leben lang begleiten. Er ist querschnittsgelähmt. Nach vielen Stunden Rehabilitation lautet die Einschätzung seiner behandelnden Ärzte: "berufsunfähig". Damit bliebe Kovac nur noch die Rente. Mit 28 Jahren. Das nimmt der junge Mann jedoch nicht hin. Er plant nun, sich selbständig zu machen.

Seit zweieinhalb Jahren kann Kovac nach einem Badeunfall seinen Körper vom Hals abwärts nicht mehr bewegen. Bei einem Mallorca-Urlaub sprang der damals 25-jährige sportliche junge Mann von einem Felsen ins Meer — an der gleichen Stelle, von der er und seine Freunde bereits Jahr für Jahr gesprungen sind. Nur an diesem Tag hatte ein Sturm eine Sandbank auf den Grund des Wassers gespült. Das wurde Kovac zum Verhängnis.

 Der Mallorca-Fan verunglückte bei einem Sprung von einer Klippe im Badeort Cala Ratjada. Seinen Lebensmut hat er trotz des schweren Unfalls nicht verloren.
Der Mallorca-Fan verunglückte bei einem Sprung von einer Klippe im Badeort Cala Ratjada. Seinen Lebensmut hat er trotz des schweren Unfalls nicht verloren. Foto: Stefan Kovac

Sein Körper schlug auf dem harten Sand auf. Als seine Freunde sahen, dass mit ihm etwas nicht stimmte, sprang einer seiner Kumpels hinterher. Er zog den verletzten Kovac aus dem Wasser und wartete mit ihm an der Klippe auf die Ärzte. "Als ich da so lag, merkte ich, dass ich immer müder wurde. Da sagte mein Freund, der mich aus dem Wasser gezogen hatte: 'Bleib wach, Junge. Wenn du jetzt einschläfst und dann wieder aufwachst bist du Köln-Fan'", erzählt der eingefleischte Borussia Mönchengladbach-Anhänger. Der gebürtige Moerser lag danach zwei Wochen im Koma und kann sich seit diesem Tag nicht mehr bewegen. Seine Überlebenschancen lagen bei zehn Prozent.

"Ich wusste, dass mein Leben noch vor mir liegt", erinnert sich Kovac. Er überlebte den schweren Unfall. Seitdem hat sich das Leben des jungen Mannes jedoch richtungsweisend geändert. Ständig ist er auf Hilfe angewiesen und hat weite Teile seiner Selbständigkeit verloren. Doch der 28-Jährige hat sich trotz des schweren Schicksalsschlags nicht aufgegeben. Mit mentaler Kraft und allen verfügbaren körperlichen Reserven kämpfte der junge Mann für seine Zukunft. Bei einem Benefiz-Fußballspiel wurden für den früheren leidenschaftlichen Kicker Spenden gesammelt, um einen behindertengerechten Umbau seines Elternhauses zu finanzieren. Auch in der Reha war Kovac motiviert, Fortschritte zu machen. Einer der verletzten Halswirbel ist zwar stark deformiert, dennoch besteht die Möglichkeit, dass er ein paar Nervenbahnen wieder freilässt und Kovac möglicherweise wieder Teile seines Oberkörpers bewegen kann.

Der unerbittliche Wille, sein Schicksal nicht einfach hinzunehmen, sondern wieder aktiv weiterzuleben, treibt den jungen Mann an. "Ich könnte jetzt jeden Tag rumheulen, wie schlimm das alles ist — davon werde ich aber auch nicht wieder laufen können", sagt er. Der endgültige Anstoß, wieder selbst aktiv zu werden, war der Abschlussbericht seiner letzten Reha. Dort wurde ihm bescheinigt, dass er berufsunfähig sei. "Das ist doch quatsch, mein Kopf funktioniert doch und ich brauche endlich wieder eine Aufgabe. Ich will arbeiten", sagt Kovac entschlossen.

Und genau das wird er nun auch wieder tun: Nach intensiver Planung und Überlegung eröffnet er am kommenden Samstag seine eigene Baguetterie und Pizzeria in der Homberger Straße 87a. Natürlich wird Kovac die Pizzen und Baguettes nicht selber belegen, dafür hat er eine helfende Hand, die ihn unterstützen wird. Vielmehr kümmert sich der gelernte Einzelhandelskaufmann um Organisatorisches wie Personalplanung, Einkäufe und "eben alles, wofür man Köpfchen braucht".

"Ich werde zwar nicht jedem Gast und Mitarbeiter die Hand schütteln können, aber ich hoffe, dass man meine Dankbarkeit trotzdem spürt", sagt Kovac. Er schaut nach vorne. Wie immer.

(skr)