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Moers: Prozess um illegales Rennen - "Auto war eine Mordwaffe"

Urteil zu illegalem Rennen in Moers : „Das Auto war eine Mordwaffe“

Eine 43-jährige unbeteiligte Autofahrerin starb im April 2019 - sie wurde Opfer eines illegalen Autorennens in Moers. Das Landgericht Kleve hat den Hauptangeklagten nun zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte nicht mal einen Führerschein.

Gerhard van Gemmeren, Vorsitzender Richter am Klever Landgericht, hat das Urteil im Moerser Raserprozess noch nicht ganz verkündet, als das laute Weinen einer Frau den Zuhörerbereich des Schwurgerichtssaals erfüllt.

Wegen Mordes ist der 22-jährige Hauptangeklagte aus Duisburg am Montag zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er war am Ostermontag 2019 mit dem 612 PS starken Mercedes seines Vaters in den Kleinwagen einer unbeteiligten 43 Jahre alten Mutter aus Moers gekracht – bei einem illegalen Autorennen.

Eine 50er-Zone diente dem Mann, der noch nie einen Führerschein besaß, und einem weiteren Angeklagten, der für seine Teilnahme an dem Rennen zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt wurde, als Strecke. Das Mordopfer, das mit seinem Kleinwagen aus einer untergeordneten Straße auf die Meerbecker Bismarckstraße abbog, hatte die heranrasenden Fahrzeuge nicht kommen sehen. Die Frau starb 40 Stunden nach der Kollision an ihren Verletzungen, hinterließ Ehemann und zwei Kinder.

Beide Angeklagten hatten die ihnen vorgeworfene Teilnahme an einem verbotenen Autorennen mit Todesfolge am ersten Verhandlungstag eingeräumt. Kernfrage der Verhandlung war es, ob der Hauptangeklagte auch – wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt – wegen Mordes verurteilt werden kann.

Die beiden Verteidiger des 22-Jährigen erklärten in ihrem Plädoyer am Montag, ihr Mandant habe zwar fahrlässig gehandelt, aber nicht mit bedingtem Vorsatz. Er habe darauf vertraut, dass kein Unfall geschieht. Deshalb sei er kein Mörder. Die Staatsanwaltschaft hingegen wiederholte in ihrem Plädoyer die Forderung nach einer Verurteilung wegen Mordes – und der Rechtsanwalt, der die Familie der Verstorbenen in der Nebenklage vertrat, schloss sich dem eindrücklich an.

Auf Mord erkannte schließlich auch die Schwurkammer des Klever Landgerichtes: Der Hauptangeklagte habe nicht fahrlässig gehandelt, sondern mit bedingtem Vorsatz, begründete Richter van Gemmeren das Urteil. Der Raser habe den Tod anderer Menschen bei dem Autorennen für möglich gehalten und in Kauf genommen. Das alles unter Verwendung eines gemeingefährlichen Mittels: des 612 PS starken Mercedes AMG, den sein Vater geleast hatte.

„Der Angeklagte wusste, was er für eine Waffe mit dem Fahrzeug bediente. Und – um im Bild zu bleiben: ohne Waffenschein“, sagte der Vorsitzende. Denn der Unfallverursacher hatte nicht mal einen Führerschein, war zuvor schon an der Theorieprüfung gescheitert. Dass der Hauptangeklagte schwerwiegende Folgen in Kauf nahm, verdeutliche auch die Wahl der Rennstrecke: „Man hat sich nicht auf der Autobahn verabredet, nicht auf dem Nürburgring, und nicht in einem Gewerbegebiet – sondern in einem Wohngebiet.“ Mögliche Folgen seien dem Hauptangeklagten egal gewesen, so der Vorsitzende. „Es war ihm wichtiger, vor seiner Clique anzugeben.“ Auch das Opfer der Tat sei ihm offensichtlich egal gewesen, schließlich habe er sich nach der Kollision vom Unfallort entfernt.