Moers plant Klimaschutzsiedlungen

Stadtplanung in der Grafschaft : Moers plant Klimaschutzsiedlungen

In Meerbeck ist das Gelände der ehemaligen Justus-von- Liebig-Schule im Gespräch. In den Eicker Wiesen saniert Vivawest im Bestand.

„Grün“ Wohnen – nicht nur in Bezug auf Vorgarten und Topfpflanzen, sondern mit gutem Gewissen mit Blick auf die Umwelt: Was in der Nachbarstadt Kamp-Lintfort bereits in Planung ist, soll in naher Zukunft auch in Moers möglich sein. Auf dem Gelände der ehemaligen Justus-von-Liebig-Schule in Meerbeck könnte Moers’ erste komplett neu gebaute Klimaschutzsiedlung entstehen. Im April soll der Stadtrat darüber entscheiden. Das Projekt könnte richtungsweisend für die Grafenstadt sein.

Fest steht: Etwa ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland wird für die Raumwärme und Warmwassererzeugung in Gebäuden benötigt. Wie berichtet, plant die Janssen Grundbesitz GmbH & Co KG aus Goch in Kamp-Lintfort am Tor Ost den Neubau von drei Gebäuden mit insgesamt 60 öffentlich geförderten und sechs frei finanzierten Wohnungen. Baustart der ersten öffentlich geförderten Klimaschutzsiedlung soll dort Mitte des Jahres sein.

Dass das Unternehmen ein entsprechendes Vorhaben auch in Moers umsetzen will, ist kein Geheimnis. Nach Informationen unserer Redaktion hat Investor Philipp Janssen das frühere Schulgelände zwischen Tannenbergstraße und Ernst-Holla-Straße im Blick. Die Stadt verkauft das Areal, zu dem auch eine benachbarte Grünfläche an der Kirschenallee gehört.

Sicher ist auch: Das Gründerzeit-Gebäude, in dem einst die Katholische Volksschule Hochstraß (Alexanderschule) untergebracht war, die später zur Maximilian-Kolbe-Schule und noch später Teil der Justus-von-Liebig-Schule wurde, soll in jedem Fall zu Wohnraum werden. Bereits im vergangenen Jahr waren Investoren und Bauträgergesellschaften aufgerufen, Kaufangebote für die beiden 3250 und 8360 Quadratmeter großen Grundstücke abzugeben. Den Gesamtpreis hat die Stadt auf mindestens drei Millionen Euro taxiert.

Verkauft wird, ähnlich wie zuletzt bei den Grundstücken auf dem Areal des ehemaligen Sportgeländes am Stadtpark, per Bieterverfahren. Diesmal geht es aber nicht nur um die Höhe der Angebote, sondern auch um Bebauungskonzepte. Die Stadt hat dafür konkrete Vorgaben gemacht. Sie möchte den „Wohnungsvorrat für barrierearmes oder -freies und seniorengerechtes bezahlbares Wohnen“ erweitern. Gleichzeitig geht es um Wohnungen für „besser Verdienende“, für junge Menschen, für Familien, für behinderte Menschen. Auch von Fassaden- und Dachbegrünung, effizienter Haustechnik und E-Bike-Ladestationen war im vergangenen Jahr die Rede.

Gefördert werden könnte Moers’ erste neue Klimaschutzsiedlung aus dem „Topf Meerbeck“. Die soziale und bauliche Entwicklung des Stadtteils ist bekanntlich Gegenstand eines Integrierten Handlungskonzepts. Zudem ist Meerbeck Schauplatz des ebenfalls geförderten Programms Innovation City Rollout, bei dem es um Strukturwandel und Klimaschutz geht.

Die Neubauten am Tor Ost in Kamp-Lintfort sind wiederum Teil des Projekts „100 Klimaschutzsiedlungen in NRW“ der Düsseldorfer Landesregierung. Dessen Ziel ist es, über die Kombination von energieeffizienten Gebäuden mit CO2-armen Haustechniken deutlich Energie einzusparen. 35 dieser energieeffizienten Klimaschutzsiedlungen sind bereits fertig gebaut. Weitere 50 Siedlungen befinden sich im Bau und in der Planung. Finanziell unterstützt wird auch die Sanierung im Bestand – wie in den Eicker Wiesen in Rheinkamp.

In Kamp-Lintfort stehen die Pläne schon: Investor Philipp Janssen (rechts) präsentierte seine Entwürfe Ende Februar Bürgermeister Christoph Landscheidt und Stadtplanerin Monika Fraling. Foto: Anja Katze/Anja Katzke

Das Wohnungsunternehmen Vivawest baut dort einen Teil des Quartiers aus den 1970er Jahren zur geförderten Klimaschutzsiedlung um. Insgesamt geht es um 614 Wohnungen an der Reinhold-Büttner-, der Theodor-Heuss-, der Hermann-Vennemann und der Gustav-Großmann-Straße. Im Rahmen der Sanierung soll nicht nur die Energieeffizienz, sondern auch der Wohnwert verbessert werden. Darunter fällt zum Beispiel die Sanierung und teilweise Neuerrichtung von Aufzügen und die Erneuerung von Bädern. Die Gebäudehüllen werden umfassend gedämmt und in allen Gebäuden neue Fenster mit Dreischeibenverglasung eingesetzt. Die Arbeiten in den Eicker Wiesen sollen Ende 2020 abgeschlossen sein. Derweil will die Deutsche Reihenhaus AG im Moerser Osten, auf der Fläche der ehemaligen RAG-Schule an der Taubenstraße, insgesamt 42 Einfamilienhäuser bauen. Auch für diese, heißt es, gebe es ein hocheffizientes Strom- und Wärmekonzept.

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