Moers - Patrick Stais: Ein Arzt, der Jura und Ökonomie kann

Medizin in Moers : Ein Arzt, der Jura und Ökonomie kann

Der Lungenfacharzt Patrick Stais hat neben seiner Oberarzt-Position am Bethanien-Krankenhaus Medizinrecht und Gesundheitsökonomie studiert. Es geht ums Verständnis zwischen Juristen und Medizinern.

Ein Lungenfacharzt, der außerdem noch Medizinrecht und Gesundheitsökonomie studiert hat, davon gibt es in ganz Deutschland nur wenige. Einer davon ist Patrick Stais, der am Moerser Bethanien-Krankenhaus geschäftsführende Oberarzt der Pneumologie-Klinik. Warum aber macht sich ein 38-jähriger Krankenhausarzt die Mühe, neben seiner Arbeit in der Klinik abends und an den Wochenenden nochmal zu studieren und noch dazu zwei Fächer, die bei vielen anderen Medizinern eher unbeliebt sind.

„Ich bin halt wissbegierig“, lächelt der Mediziner meist nur auf diese ihm immer wieder gestellte Frage. Doch natürlich steckt für ihn mehr dahinter. „Ärzte sind heute einer zunehmenden Verrechtlichung ihres Berufes ausgesetzt, auf die sie selber kaum Einfluss haben. Da ist es doch viel schlauer, sich um ein wechselseitiges Verständnis zwischen Juristen und Medizinern zu bemühen“, erklärt er und fügt anschließend hinzu: „Das Gleiche gilt meiner Ansicht nach auch für die Gesundheitsökonomie. So hat sich die Erwartungshaltung der Patienten gegenüber Ärzten und Krankenhäusern mit der zunehmenden medizinischen Behandlungsqualität immer weiter erhöht. Da geht es dann auch um Verteilungsgerechtigkeit“, findet er.

Zum Beispiel, wenn ein lebensrettendes Medikament eine Million Euro kostet, aber von den Krankenkassen nicht bewilligt wird. Ein weiterer Antrieb für Stais ungewöhnlichen Studienfleiß dürfte allerdings auch sein Chef Thomas Voshaar gewesen sein. „Er setzt sich selber schon lange für einen wechselseitigen Austausch zwischen Medizin, Jura und Ökonomie ein. Das hat mich inspiriert“, bekennt der dreifache Familienvater. „Ohne seine Förderung hätte ich das Ganze sicherlich nicht geschafft.“ So hat Voshaar seinen Oberarzt zum Beispiel während seines Rechtsstudiums einmal die Woche für einen Studientag vom Krankenhausdienst im Bethanien freigestellt und ihn auch sonst sehr gefördert. Das Studium der Gesundheitsökonomie hat Patrick Stais hauptsächlich in seiner dienstfreien Zeit absolviert und dabei die „bedingungslose Unterstützung“ seiner Familie gehabt. Dass er in dieser Zeit auch noch ein Haus gebaut und für die Teilnahme an seinem ersten Triathlon-Wettkampf am 1. September dieses Jahres in Xanten trainiert hat, erwähnt er dabei nur ganz nebenher.

Doch wer jetzt meint, Stais werde sich jetzt erst einmal auf seinen Lorbeeren ausruhen, irrt, denn inzwischen hat er bereits schon wieder ein neues Projekt in Angriff genommen. Als Mitglied des Deutschen Internisten-Verbandes widmet er sich neuerdings der Digitalisierung im Gesundheitswesen, und außerdem arbeitet er sei Anfang Januar neben seinem Krankenhausdienst einmal die Woche in einer Lungenpraxis in Kevelaer. Auf die Frage nach seinen zukünftigen beruflichen Ambitionen zuckt er die Schultern.

„Ich denke, wenn ich ab 40 weiß, wo die Reise hingeht, ist das früh genug. Jetzt will ich erst einmal das Vertrauen, das man hier am Bethanien Krankenhaus in mich gesetzt hat, erfüllen.“

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