Moers: Neue Altenwohnungen in alter Schule

Tag des Denkmals : Neue Altenwohnungen in alter Schule

Am Tag des offenen Denkmals hatten Besucher Gelegenheit, die umgebaute ehemalige Cecilienschule in Scherpenberg zu besichtigen. In ihr lebt heute unter anderem eine Senioren-WG.

Der „Tag des offenen Denkmals“: Seit 1993 öffnen an jedem zweiten Sonntag im September in seinem Namen Museen und Bauwerke in Deutschland ihre Tore für historisch interessierte Besucher. Dabei war in diesem Jahr auch zum ersten Mal ein fast 110 Jahre altes Gebäude an der Cecilienstraße 40 in Moers-Scherpenberg mit auf der Liste. In dem 1908 erbauten, roten Backsteinbau war bis Anfang der 70er Jahre die Scherpenberger Grundschule und später ein Teil der Moerser Volkshochschule untergebracht. Ab 2014 stand das der Stadt gehörende Gebäude dann leer.

Erika Grötenherdt gehört zu den WG-Bewohnern. „Hier habe ich Gesellschaft, kann mich aber trotzdem jederzeit zurückziehen“, sagt sie. Foto: Norbert Prümen (nop)

Zu schade, fand man im zuständigen kommunalen Gebäudemanagement. „Wie wäre es, wenn man darin altengerechte Wohnungen einrichten würde?“, schlug die Stadt in einer dafür eigens einberufenen Bürgerversammlung vor und stieß damit auf ein überraschend großes Interesse. So entstanden in rund dreijähriger Bauzeit insgesamt 19 altengerechte Wohnungen in dem ehemaligen Grundschulgebäude, darunter auch die erste und laut Aussage von Roland Rösch, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Moers, „bisher einzige städtische Seniorenwohngemeinschaft“.

Das Interesse dafür war groß. „Wir hatten kurz nach der Veröffentlichung des Plans circa 60 bis 70 Bewerber, von denen dann am Ende aber nur einige wenige übrig geblieben sind“, erklärte er bei dem Besichtungstermin anlässlich des Denkmaltags. Eine der ersten wirklich ernsthaften Interessentinnen war in diesem Fall Erika Grötenherdt. Sie bewohnt seit Mitte November letzten Jahres eines der vier rund 30 Quadratmeter großen, mit einem eigenen Badezimmer ausgestatteten Wohngemeinschaftszimmer im vierten Stock des Hauses. „Ich hätte nach dem Tod meines Mannes zu meinem Sohn und seiner Frau ziehen können. Aber die sind beide berufstätig. Da wäre ich die meiste Zeit des Tages alleine gewesen“, erklärte die heute 86-Jährige. „Hier habe ich Gesellschaft, kann mich aber trotzdem jederzeit zurückziehen, wenn ich das möchte.“

Ob sie keine Befürchtungen hatte, mit so vielen älteren Menschen zusammen zu wohnen? „Nein, nie“ sagte sie und schüttelte lächelnd den Kopf. „Natürlich muss man sich anfangs erst an einander gewöhnen. Schließlich ist jeder Mensch, egal welchen Alters, ein Einzelexemplar, aber damit hatte ich nie Probleme.“

Derzeit teilt sich Erika Grötenherdt mit einer 79 Jahre alten Mitbewohnerin und zwei Herren Anfang 80 die zu der Wohngemeinschaft gehörige Küche, einen schönen, hellen Aufenthaltsraum und einen großen Terrassenbalkon. Eine von allen gemeinsam bezahlte Putzhilfe sorgt hier für Sauberkeit. Für das Geschirr und die Lebensmittel hat jeder einen Schrank und ein eigenes Fach im Kühlschrank. Gemeinsame Kochaktionen gebe es allerdings bislang nur zu bestimmten Anlässen. „Das Ganze war anfangs schon so etwas wie ein Experiment, aber ich denke es funktioniert ganz gut“, meinte Roland Rösch. Ein Experiment, für das sich erstaunlich viele Besucher des Gebäudes interessierten.