Moers: Moers misst seine Schadstoffe nicht

Moers : Moers misst seine Schadstoffe nicht

Bei der Stadt Moers ist die Stickoxid-Belastung kein Thema. Es existieren nicht einmal Messungen. Politiker in der Region setzen sich dennoch für eine Reduzierung ein.

Das Bundesverwaltungsgericht hat kürzlich entschieden , dass Fahrverbote für Dieselautos grundsätzlich zulässig sind. Seitdem tobt die Debatte, zahlreiche Großstädte stehen wegen ihrer Schadstoffbelastung unter dem Druck von Umweltschützern.

Foto: Fritz Schubert

In Moers wurden die entsprechenden Stickoxid-Grenzwerte noch nicht überschritten. Der Grund ist recht simpel: Es gibt keine Messstationen. "Ich habe zwei Mal beantragt, dass Messstationen besorgt werden. Die Stadt sah hier keine Notwendigkeit", beklagt Rolf-Ingo Reiß vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Um Moers herum liegen mehrere Autobahnen, Bundesstraßen, hinzu kommt noch die nahe Rheinschifffahrt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da zu keinen Belastungen kommt."

"Es gibt in Moers keine Messstationen und derzeit sind auch keine geplant", bestätigt Stadtsprecher Thorsten Schröder auf RP-Anfrage. "Das Thema wurde mal angesprochen, bislang jedoch nicht umgesetzt." Schröder erwartet jedoch, dass derartige Messungen in Zukunft noch einmal auf die Tagesordnung geraten. "An neuralgischen Punkte ist das sicherlich vorstellbar", sagt er. Als Beispiel nennt er die Kreuzung Römerstraße/ Homberger Straße.

Auch Gudrun Tersteegen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Moerser Stadtrat, hatte sich in der Vergangenheit um Messstationen bemüht. Der Fokus lag damals allerdings noch allgemein auf dem Feinstaub. "Das Thema ist nun natürlich komplett überlagert worden", sagt sie. Zwar sei die Belastung in Moers sicherlich nicht so hoch wie in mancher Metropole, doch solle man vor Ort dennoch Impulse setzen. Julia Zupancic, Sprecherin der CDU im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt setzt sich ebenfalls für eine Schadstoff-Reduzierung ein. Eine Eindämmung des Parksuchverkehrs durch mehr Parkplätze ist einer ihrer Vorschläge. "Aber es gibt auch kleine, smarte Lösungen", betont sie. "Fahrverbote in Moers lehnt die CDU ab."

Der BUND-Kreisvorsitzende Günter Rinke sieht den Kreis Wesel in der Pflicht. "Beispielsweise von Dinslaken nach Moers zu kommen ist mit dem Öffentlichen Personennahverkehr ein großes Problem. Die Angebote sind grundsätzlich schlecht. Bus und Bahn müssen gestärkt werden", fordert er. Nur so könnten wirkliche Alternativen zum Autoverkehr geboten werden. Prinzipiell ginge die Diesel-Debatte aber am Thema vorbei. "Die Schadstoffbelastung durch Autos muss extrem verringert werden", sagt Rinke. Unterstützung bekommt er vom Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Weseler Kreistag, Hubert Kück. "Das Problem ist sehr ernst. Es vor Ort zu regeln zu können, ist jedoch ein Irrglaube", sagt er. Auch er fordert einen klaren Kurs auf Bundesebene. Die Autokonzerne müssen die Grenzwerte einhalten und die Fahrzeuge entsprechend nachrüsten. "Es dürfen jedoch keine Kosten für den Endverbraucher bleiben. Das sind die eigentlichen Betrogenen", sagt Kück. Von Fahrverboten hält er hingegen nichts: "Das ist Blödsinn. Wer will das denn überprüfen?"

(mlat )