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Moers: MGV „Frohsinn“ schlägt die Notenhefte zu

Gesangsverein in Moers : MGV „Frohsinn“ schlägt die Notenhefte zu

Die Sänger haben im September beschlossen, den Gesangsverein aufzulösen. Es fehlt der Nachwuchs. Vor allem durch die Corona-Pandemie seien gemeinschaftliche Proben nur unter schwierigen Bedingungen möglich gewesen. Das galt auch für Konzerte.

Der Moerser Männergesangverein (MGV) „Frohsinn“ blickt auf eine fast 150-jährige Geschichte zurück. Doch nun werden im Verein für immer die Notenhefte zugeschlagen. Im September entschieden die Mitglieder in einer außerordentlichen Sitzung, den Traditionschor zum Ende diesen Jahres aufzulösen. Die Entscheidung kam nicht unerwartet, wie der bis dahin noch amtierende Vorsitzende Klaus Philipp in einem Gespräch mit dieser Zeitung erklärte: „Wir waren zum Schluss nur noch 24 aktive Sänger, deren Durchschnittsalter inzwischen bei über 80 Jahren liegt.“ Mit seinem Septemberbeschluss steht der MGV nicht alleine. Viele andere altehrwürdige Männergesangvereine haben in der vergangenen Zeit aus Altersgründen aufgehört.

Dazu kam die Corona-Pandemie, in der gemeinschaftliche Proben, wenn überhaupt, nur noch unter extrem schwierigen Bedingungen möglich waren. Das galt auch für Konzerte. Das letzte Konzert des MGV „Frohsinn“ fand im Herbst 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie im evangelischen Gemeindehaus in Moers-Kapellen statt und war laut Klaus Philipp mit 180 Besuchern „richtig voll“. Seither gab es keinen einzigen Auftritt mehr, was schade war, denn davor waren die „frohsinnigen“ Moerser Sangesbrüder in dieser Hinsicht immer sehr aktiv gewesen. Unter der monatelangen erzwungenen Corona-Pause litt auch die Geselligkeit, die sich der Verein bei seiner Gründung im Jahr 1875 neben der „Pflege des deutschen Liedgutes“ auf seine Fahne geschrieben hatte. Damals war die Freude am gemeinsamen Singen noch weit verbreitet.

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Nachdem man anfangs lediglich mit einem „Doppelquartett“ sonntags privat gesungen hatte, wuchs die Gruppe innerhalb kürzester Zeit auf 27 sangesfreudige Herren an, und leitete damit die Gründung des Vereins ein. In der Zeit von 1924 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte der Chor zeitweise sogar rund 100 Mitglieder. Doch diese Zeit ist vorbei. „Uns fehlt es einfach an jungem Nachwuchs“, bedauerte Philipp, wobei er darunter die Altersklasse unter 60 meinte. „Ich denke, das liegt unter anderem auch an dem heute nicht mehr ganz zeitgemäßen Lieder-Repertoire vieler Männergesangvereine. Altes, deutsches Liedgut. Was ist das denn? Rudi Schuricke oder die Capri-Fischer?“ Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er sich mit seinen Sangesbrüdern nach der Corona-Krise gerne einen vorsichtigen musikalischen Neuanfang in Richtung „Schlager, Freddy oder Comedian Harmonists“ gewünscht.

Nachdem er selber angekündigt hatte, nicht mehr als Vorsitzender kandidieren zu wollen, und sich für den ebenfalls aus dem Vorstand ausscheidenden Schriftführer Hans Pieper sowie für den Kassierer Werner Amendt keine Nachfolger finden ließen, blieb dann nur noch die Auflösung des Vereins. „Ich bedauere das aufrichtig“, meinte der zweite Vorsitzende Georg Bruckmann. „Schade, dass jüngere Leute heute nicht mehr wissen, wie schön es ist, mehrstimmig zu singen“.