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Moers Marketing in der Corona-Krise

Interview mit Michael Birr von Moers Marketing : „Feste sind für das Zusammenleben wichtig“

Der Geschäftsführer der Moers Marketing Michael Birr hofft, dass die Herbstkirmes wie geplant stattfinden kann.

Michael Birr und die Mitarbeiter der Moers Marketing planen zweigleisig, weil sie nicht wissen, ob ab dem Frühsommer Veranstaltungen wieder zugelassen werden.

Rheinische Post: Die Moerser Kirmes soll in diesem Jahr traditionell wieder zum ersten Septemberwochenende starten . . .

Michael Birr . . . und vom 4. bis zum 8. September viele Menschen anlocken. Die Verträge mit den rund 190 Schaustellern sind fertig und bereits unterschrieben zurück. Aber niemand kann in die Zukunft schauen und wissen, wie es im September tatsächlich aussieht. In unseren Verträgen haben wir allerdings schon immer Unwetter, politische Unruhen und Terroranschläge oder sonstige höhere Gewalt als Risiko ausgeschlossen, unter das die Pandemie fällt.

Niemand weiß, wann die Hochphase der Coronakrise vorbei ist. Wenn das am 19. April der Fall sein sollte und die heutigen Beschränkungen enden, was selbst optimistische Experten kaum für möglich halten, würde es Monate dauern, ein System Etappe für Etappe hochzufahren.

Birr Genauso wie das System etappenweise heruntergefahren wurde, wird es irgendwann Schritt für Schritt wieder hochgefahren – nur mit langsamerem Tempo. Wenn die Hochphase der Pandemie überstanden ist, wird die Landesregierung Cafés und Restaurants, Geschäfte oder Friseursalons wieder öffnen lassen. Ich denke, sie verbindet das mit besonderen Anforderungen an Hygiene, Abstand und Gästezahl. Möglicherweise lässt sie kleinere Veranstaltungen mit bis zu 30 oder 50 Personen zu, um wieder Kindergärten und Schulen öffnen zu können. Aber auch das wird sie mit Anforderungen an Hygiene, Abstand und Verhalten koppeln. Ich denke, die Politik wird abwarten, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Erst bei positivem Verlauf, also einem Rückgang der Infizierten, wird sie auch wieder größere Veranstaltungen zulassen.

Ganz am Ende auch Großveranstaltungen wie die Moerser Kirmes. Bei gutem Wetter kommen an fünf Tagen 500.000 Besucher und drängen sich durch die Innenstadt.

Birr Die Stadt Moers musste sehr früh Veranstaltungen wegen Covid-19 untersagen. Das war auch richtig, um die Ausbreitung des Virus‘ zu verlangsamen. Die Moers Marketing hat bereits am 14. März das „Sparkasse am Niederrhein Boogie Festival“ abgesagt – mit rund 1200 möglichen Zuschauern in der ENNI-Eventhalle. Da liefen noch alle Bundesligaspiele – zum Beispiel in Mönchengladbach mit über 50.000 Zuschauern. Wir waren einer der Ersten, die ihre Eventaktivitäten komplett hinuntergefahren haben, und wir werden einer der Letzten sein, die sie wieder herauffahren dürfen. Wann das passiert, weiß leider niemand. Deshalb sind wir aktuell zweigleisig unterwegs. Den ersten Trödelmarkt in der Moerser Innenstadt haben wir schon vor einigen Wochen abgesagt. Er war für den 29. März geplant. Auch den Moerser Frühling am 4. und 5. April durfte nicht durchgeführt werden. Wir planen derzeit jedoch einen Trödelmarkt für den 7. Juni. Wir können keinerlei Prognose abgeben, ob er stattfindet oder nicht. Genauso wenig können wir eine Prognose für die Moerser Kirmes abgeben - aber die Planungen müssen jetzt laufen, sonst schaffen wir es am Ende nicht mehr rechtzeitig. Absagen gehen schneller. Daher können wir unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aktuell noch nicht um Kurzarbeit bitten und haben damit zusätzliche finanzielle Belastungen in einer Zeit von null Umsätzen. Wir tun das auch, weil wir davon überzeugt sind, dass Feste, Märkte und Veranstaltungen für das soziale Zusammenleben wichtig sind. Deshalb wollen wir auf diesem Sektor für die Zukunft optimal aufgestellt sein.

Werden zur Moerser Kirmes noch alle Schausteller kommen können, die einen Vertrag unterschrieben haben?

Birr Ich hoffe sehr. Schausteller sind wirtschaftlich so stark betroffen, wie kaum eine andere Gruppe, besonders wenn sie zum Teil Millionen an Euros in ihre Fahrgeschäfte investiert haben, die sie in der Regel mit laufenden Einnahmen aus Kirmessen zurückzuzahlen haben.

Auch die Moers Marketing spürt wirtschaftlich die Coronazeit.

Birr Sie tut uns schon doppelt weh. Einerseits können wir keinerlei Einnahmen durch die Durchführung von Veranstaltungen generieren, andererseits brechen die Umsätze aus dem Verkauf in der Bürger- und Touristeninformation komplett weg. Schlimmer ist noch: alle Veranstaltungen, für die wir bereits Karten vermittelt haben, wurden für die nächsten Monate abgesagt, ob Musik, Comedy oder Sonstiges. Wir erhalten rund acht Prozent, wenn wir für eine Veranstaltung Karten vermitteln. Wenn wir rückabwickeln, zahlen wir diese Provision zurück und haben zudem noch die doppelte Arbeit. Übrigens können Kunden nur dort Tickets zurückgeben, wo sie sie gekauft haben, also Online-Tickets nicht bei uns, sondern nur bei ihren Online-Vermittlern.

Arbeiten Ihre Mitarbeiter und Sie noch vom Büro der Moers Marketing an der Kirchstraße 27 aus – oder im Home-Office?

Birr Wir können im Büro große Abstände einhalten. Wir sind ja nur drei Personen. Für den Publikumsverkehr sind Bürger- und Touristeninformation seit zwei Wochen geschlossen. Nur Inkontinenzsäcke geben wir noch heraus, die wir übers Fenster abverkaufen. Die Kunden können sie dann ohne Kontakt mitnehmen.