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Moers: Leitender Notfallseelsorger Bernhard Ludwig hört auf.

Notfallseelsorger tritt Ruhestand an : Er war da, wenn die Menschen Hilfe brauchten

Zehn Jahre lang war Bernhard Ludwig leitender Notfallseelsorger im Kreis. Jetzt wird er entpflichtet.

Zu jeder Tages- und Nachtzeit konnte Bernhard Ludwigs Messenger piepsen. Dann wusste er, dass Menschen schwerst verletzt waren, Angehörige dringend Beistand benötigten, Feuerwehrleute, Sanitäter und Polizisten mit unermesslichem Leid und fürchterlichsten Bildern bei Unfällen konfrontiert waren. Denn seine Adresse kannten ausschließlich die Rettungskräfte. „Sie wissen, wann die Unterstützung eines Seelsorgers nötig ist, darauf konnte ich mich verlassen. Jede Meldung bedeutete Leid“, sagt Pfarrer Bernhard Ludwig. Nun geht der leitende Notfallseelsorger im Kreis Wesel und Einsatznachsorger in den Ruhestand. Mit einem Gottesdienst am 24. Juli wird der 63-Jährige um 18 Uhr in der Evangelischen Stadtkirche in Moers aus seinem Dienst entpflichtet. 

Ludwig ist in Bonn geboren und in Franken aufgewachsen. Sein Berufswunsch, Pfarrer zu werden, entstand aus der kirchlichen Jugendarbeit sowie der Tradition der Familie. 1989 übernahm er seine erste Pfarrstelle. Anschließend arbeitete er bei der Landeskirche in Düsseldorf, war in der Evangelischen Kirchengemeinde Schwafheim tätig und leistete beim Christlichen Jugenddorf Niederrhein religionspädagogische Arbeit. Im Kirchenkreis Moers wirkte er im Bereich der Jugendarbeit mit und organisierte im Jahr 2006 maßgeblich das rheinlandweite Jugendcamp in Moers. Anschließend war er in der Notfallseelsorge tätig.

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Im Jahr 2011 wurde er auf die neu geschaffene Stelle des hauptamtlichen Notfallseelsorgers berufen. Mit dem Aufbau eines Einsatznachsorgeteams im Kreis wurde die Grundlage für eine professionelle psycho-soziale Unterstützung für Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Rettungsdienste und der Polizei neu geschaffen, um belastende Einsätze besser zu verarbeiten.

Da der Bedarf an Notfallseelsorgenden stieg und gleichzeitig die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer sank, die diesen Dienst ehrenamtlich versehen konnten, konzipierte er für die Evangelische Kirche im Rheinland eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Notfallseelsorge. „Wir Pfarrerinnen und Pfarrer konnten das nicht mehr allein schaffen. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren etwa 100 ehrenamtliche Notfallseelsorgende ausgebildet, die den Stamm des aktuellen Notfallseelsorgeteams im Kreis Wesel bilden“, erklärt Ludwig. Die Ausbildungen umfassten über ein Jahr hinweg hunderte Stunden Vor- und Nachbereitung mit Theorie- und Praxisanteilen. „Oftmals ging auch während der Kurse der Alarmpiepser – praxisnäher geht keine Ausbildung. Unsere Teilnehmenden sollten unbedingt gut vorbereitet in ihre schwierige Aufgabe gehen, ohne selbst Schaden an der Seele zu nehmen.“

Viele Einsätze bleiben in Erinnerung: „Wenn ich durch den Niederrhein fahre, gibt es immer wieder Erinnerungspunkte, die an Unfälle, häusliche Todesfälle, plötzliche Kindstode erinnern. Das bleibt Teil meiner Geschichte.“ Eigene seelische Narben sind das nicht, aber nachhaltige gravierende Erlebnisse. „Natürlich bedeutete der Einsatz auf der Loveparade in Duisburg, die jahrelange Nachsorge mit Angehörigen und psychisch Traumatisierten sowie die Begleitung vieler direkt und indirekt Betroffener während der 110 Prozesstage, eine schwerwiegende Erfahrung. Eine Kraftquelle, mich diesen Geschehnissen und Szenen, die niemand ein zweites Mal sehen möchte, noch einmal auszusetzen, war die Dankbarkeit der Einsatzkräfte, in den Nachsorgegesprächen das alles endlich einmal jemanden erzählen zu dürfen.“

Die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr bleibt ihm in Erinnerung: „Das war eine wichtige Erfahrung. Man kennt sich, man schätzt sich, man hilft sich gegenseitig, um den verletzten Menschen das Maximale an Unterstützung in akuten Notfällen zukommen zu lassen.“

Seine kirchliche Entpflichtung aus dem Dienst sieht er auch als ein Stück Befreiung, zum Beispiel vom permanenten Bereitschaftsdienst. Er freut sich darauf, die 20 Ausbildungsordner nun zu einem Handbuch zusammenzufassen, mehr Zeit für sich und die Familie zu haben, und der Einsatznachsorge im Kreis Wesel noch ab und zu sein Ohr zu leihen. Als Feuerwehr- und Polizeiseelsorger sowie mittlerweile Feuerwehrmann bleibt er ehrenamtlich weiterhin im Dienst.

Bis die Nachfolge geregelt ist, koordiniert Kerstin Pekur-Vogt die Notfallseelsorge und beteiligt sich auch an Einsätzen. Ausgebildet hat die ehrenamtlichen Notfallseelsorgerin aus Neukirchen-Vluyn: Bernhard Ludwig.

Wer am Gottesdienst teilnehmen möchte, muss sich wegen der Pandemie anmelden unter 02841 100125 und die dann geltenden Hygienevorschriften beachten.

(RP)