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Moers/Kamp-Lintfort: Heime stellen sich auf ewige Pandemie ein

Corona-Pandemie in Moers und Kamp-Lintfort : Heime stellen sich auf ewige Pandemie ein

Die meisten Bewohner und Mitarbeiter haben sich gegen Corona impfen lassen. Strenge Abstands- und Hygieneregeln gelten weiterhin. Die Seniorenheime überlegen nun, wie sie neue Bewohner und Mitarbeiter impfen lassen können.

„Wir haben rund 800 Impfungen durchgeführt“, sagt Rolf Gabriel, Leiter des Awo-Seniorenzentrums an der Waldstraße in Schwafheim. Die Impfungen fanden an drei Tagen im Februar und im März statt. Im Seniorenheim leben 188 Frauen und Männer. Sie werden von 181 Mitarbeitern betreut. „90 Prozent der Bewohner haben sich zweimal impfen lassen und 92 Prozent der Beschäftigten, alle freiwillig. Geimpft wurden auch die Besucher, die regelmäßig im Seniorenzentrum sind, zum Beispiel Krankengymnasten oder Reinigungskräfte.“ Die erste Impfstaffel hat funktioniert, nicht nur im Seniorenheim im Süden der Grafenstadt, sondern auch in jenen in Moers, Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort. Das hängt auch mit den guten Kontakten zusammen, die sie zu Ärzten, Apotheken und Organisatoren aufgebaut haben. „Wir haben uns mit unserem Apotheker von der Adler-Apotheke und unserem Hausarzt kurzgeschlossen“, erzählt Rolf Gabriel. „Bei den Impfterminen waren Ersthelfer des DRK Moers vor Ort. Unsere Mitarbeiter waren im Einsatz. Alle haben Hand in Hand gearbeitet. Der Aufwand ist groß.“

Der Leiter des Awo-Seniorenzentrums in Schwafheim sieht die erste Impfstaffel als Einstieg in eine neue Ära an, weil das Corona-Virus ewig bestehen werde, wie andere Viren, die immer wieder mutierten. Da die Übertragungswege des Corona-Virus nicht endgültig geklärt seien, müssen die Beschäftigten weiterhin FFP-2-Masken tragen, und die Bewohner werden gebeten, diese aufzusetzen. Auch Abstands- und Hygieneregeln bleiben bestehen. Die Beschäftigten unterziehen sich in Schwafheim dreimal in der Woche einem Schnelltest, Bewohner einmal in der Woche.

„Wir überlegen zurzeit, wie wir neue Bewohner impfen, die zu uns kommen und noch nicht geimpft sind“, sagt Gabriel. „Eine Lösung haben wir noch nicht gefunden.“ Während Beschäftigte und Besucher, die regelmäßig im Seniorenzentrum sind, sich im Impfzentrum in Moers impfen lassen könnten, sei das bei Bewohnern kaum möglich. „Unsere Bewohner sind zum Teil bettlägerig“, erläutert der Leiter. „Sie lassen sich kaum zu einem Impfzentrum bringen.“ Gleichzeitig sei es aufwändig, an zwei Tagen eine Infrastruktur auf- und wieder abzubauen, um zum Beispiel zweimal die Seren von Biontech oder Astrazeneca zu verabreichen.

„Die Impfstoffe werden mit 70 Grad minus angeliefert“, erzählt Ralph Simon und fügt hinzu: „Sie dürfen nicht wärmer als zwei Grad plus werden. Ein Kühlschrank und ein Ersatzkühlschrank müssen aufgebaut werden, wenn der erste Kühlschrank ausfallen sollte. Zu diesem Aufwand kommt der personelle Aufwand.“ Simon leitet das Friederike-Fliedner-Haus in Kamp-Lintfort, das 104 Bewohner und 100 Beschäftigte hat, von denen fast alle geimpft sind. Dieses Seniorenzentrum liegt zwischen der Innenstadt und der Hochschule an der Ecke von Ringstraße und Friedrich-Heinrich-Allee. Der Standort habe bis zur Pandemie die Möglichkeit geboten, in das Leben der Stadt eingebunden zu sein. „Unser Café zog vor der Corona-Krise Gäste an“, sagt Simon. „Wir haben Sommerfeste und Martinsmärkte organisiert. Es gab zahlreiche Aktivitäten in unserem Haus. Es wäre schön, wenn wir wieder mehr am Leben der Stadt teilhaben könnten. Die Teilhabe gehört zum Friederike-Fliedner-Haus.“